Review

Der Nachteil an Büchern, die nicht mit einem Cliffhanger enden? Um in einer Rezension auf die anschließenden Teile eingehen zu können, wird man etwas vorgreifen müssen. Wer also den ersten Teil der Zodiac-Reihe von Romina Russell noch nicht gelesen hat, ist jetzt bei „Zodiac – Weg der Sterne“ vor eventuellen Spoilern gewarnt.

Der erste Teil rund um Protagonistin Rho, die mit zarten 16 Jahren wegen ihres Sterndeutungstalents auf ihrem Heimatplaneten Krebs zum politischen Oberhaupt und dadurch unfreiwillig in einen kriegerischen Strudel aus Machtgeplänkel, Unsicherheit und Gefahr gezogen wurde, endete mit einer dramatischen Niederlage. Es gelang nicht, dem übermächtigen, körperlosen Feind mit Namen Ophiuchus auch nur ein Haar zu krümmen. Außerdem verloren während der Geschehnisse viele Menschen ihr Leben, auch solche, die Rho selbst am Herzen lagen. Am Ende steht sie beinahe völlig allein auf weiter Flur, fallen gelassen von ihren einstigen Förderern. Auch wenn sie stets nach bestem Wissen und Gewissen entschied, macht sich das junge Mädchen für all das verantwortlich.

Vor diesen schrecklichen Erkenntnissen ‑ und solchen, die sie erst noch finden muss ‑, flieht der Teenager zu Beginn der Romanfortsetzung. Das Versteckspiel geht allerdings nicht lange gut, denn als Ophiuchus sich plötzlich mit Warnungen vor weiteren Gräueltaten zurückmeldet, steht Rho erneut vor einer schweren Entscheidung: Soll sie dem körperlosen Wesen vertrauen, das anscheinend selbst ein Opfer ist? Es scheint, als würde sich noch ein weiterer Bösewicht im All verstecken. Nachdem der Warnung prompt die nächste Katastrophe folgt, beschließt Rho wieder zu handeln und begibt sich mit ihren Freunden auf eine neue, wieder eher hoffnungslose Mission.

Wie schon im Vorgänger geht Autorin Russell dabei nicht gerade zimperlich mit ihren Charakteren um. Obwohl die Zielgruppe des Romans ein jugendliches Publikum ist, kreiert sie nicht nur globale Anschläge, sondern auch zwischenmenschliche Schreckensszenarien, die unter die Haut gehen – bis hin zur Folter. Was allerdings den Vielleser am stärksten foltern könnte, ist das Wiederaufleben des Liebesdreiecks. Hier soll nun wirklich nicht zu viel verraten werden, aber eine Beziehung mit Schuldgefühlen zwischen Teenagern wäre sicherlich dramatisch genug gewesen, ohne dass noch ein zweiter junger Mann dazu stoßen muss. Ebenfalls wie in Teil 1 nimmt der Liebesaspekt allerdings eine eher untergeordnete Rolle ein, so bleibt insgesamt mehr Raum für anderes. Leider nutzt Russell diesen nicht so stark für die Entfaltung ihrer Charaktere, diese bleiben weiterhin eher einseitig ausgerichtet.

Autorin Romina Russell (Copyright: Romina Russell)

Autorin Romina Russell (Copyright: Romina Russell)

Mit der Story im Ganzen geht es allerdings spannend weiter. Obwohl sich einige Parallelen zum Auftaktbuch ziehen lassen, kommt beim Lesen keine Langeweile auf. Positiv ist außerdem anzumerken, dass sich die ausschweifenden Erklärungen zu Technik und Mythologie dieses Mal in Grenzen halten, da hat sich die vorhergehende, ausführliche Erklärungsphase ausgezahlt (wer einige Begriffe wie „Akolyth“ oder „Ephemeride“ nicht mehr auf dem Schirm hat, kann außerdem im Glossar nachsehen).

Unterm Strich liefert „Zodiac – Weg der Sterne“ also wieder solide Unterhaltung in der Schnittmenge von Sci-Fi und Fantasy. Trotzdem bleibt am Ende ein etwas unbefriedigendes Gefühl. Kleinigkeiten, die sich zu einem grauen Hintergrundrauschen summieren und am Ende das Fazit, dass all die Anstrengungen nicht so recht fruchten wollen – damit können wir wohl nur mit Rho hoffen, dass am Ende irgendwie alles gut wird.

Inhalt

Um ihre Heimat zu retten und die Galaxie vor dem 13. Haus zu schützen, hat die junge Rho alles in eine Waagschale geworfen – und verloren. Nach schweren Verlusten, Vorwürfen und Demütigungen hat sie nun die Chance, ein ruhiges Leben im Flüchtlingscamp im Haus Steinbock zu führen. Doch Rho kann die schrecklichen Verbrechen der Terrorgruppe Marad nicht vergessen – ebensowenig wie den Hüter des 13. Hauses, Ochus, der sie immer wieder in ihren Alpträumen heimsucht. Als sich Berichte über Angriffe der Marad häufen und Rho eine mysteriöse Nachricht erreicht, weiß sie, dass sie handeln muss, bevor Zodiac im Chaos versinkt. Rho begibt sich auf eine gefährliche Suche nach der Wahrheit, die sie durch die ganze Galaxie führen wird.

(Quelle: Piper Verlag)

Homepage zur Trilogie (englisch)

Autorin

Romina Russell
lebt als Autorin in Los Angeles, stammt aber ursprünglich aus Argentinien. Wenn sie nicht gerade an ihrer „Zodiac“-Reihe arbeitet, produziert Romina Film-Trailer, widmet sich der Fotografie oder träumt davon, ein neues Schlagzeug zu kaufen.

(Quelle: Piper Verlag)

Romina Russell – Homepage
Romina Russell – Facebook
Romina Russel – Twitter

weitere Bände

Romina Russell – Zodiac (Band 1)
Romina Russell – Zodiac. Weg der Sterne (Band 2)

Details

Format: Broschiert
Vö-Datum: 01.04.2016
Seitenzahl: 368
ISBN: 978-3-492-70382-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Piper Verlag

Copyright Cover: Piper Verlag



Über den Autor

Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer