Review

Die „Shatter me“-Trilogie hat mich beim Lesen wirklich Nerven gekostet! Nach einem vielversprechenden Auftakt mit „Skinned“ folgte mit „Crashed“ ein schwacher Lückenfüller. Dass Robin Wasserman hier lediglich dem typischen Trilogie-Syndrom erlegen ist, beweist nun „Wired“, das gelungene Finale rund um Lia Khan!

Auf bisher 864 Seiten haben wir Lia auf ihrem schweren Weg begleitet: Ein Unfall, der sie das Leben kostete und sie durch den Download in einen vollkommen mechanischen Körper zwang, zerbrochene Familienbande, beendete Freundschaften, alte Liebe, neue Liebe und im Hintergrund das stets präsente gesellschaftliche Gerangel um die ethische Vertretbarkeit und die rechtliche Akzeptanz aller „Mechs“ – und trotz der ganzen Bewegung schien das Mädchen immer nur ein Spielball der Mächte zu sein. Auch zu Beginn des Finales steht Lia unschlüssig und in sich gekehrt am Rand des Geschehens. Von Gedanken, Zweifeln und Unschlüssigkeit geplagt, zeigte sich der Teenager nicht als Heldin, sondern als Opfer.

Doch im Laufe der Zeit entdeckt sie – zugegeben nicht ganz freiwillig – endlich ihre innere Stärke und erfährt schmerzliche Geheimnisse: So wird die Wahrheit über den Unfall, der Lia das Leben kostete, gelüftet. Schockiert von dem perfiden Plan, aus dem so viel Leid für Lia und ihre Familie entstand, zerbrechen die zarten Bande erneut.

Aber Lia erhebt sich endlich aus ihrer Starre wie Phönix aus der Asche, um sich zusammen mit den ihr verbliebenen Vertrauten einer noch größeren Aufgabe zu stellen, denn auf dramatische Weise spitzt sich die Situation für alle Mechs zu.

„Lasst mich das ganz klipp und klar feststellen: Wir haben nichts von euch zu befürchten. Ihr seid Kinder – nicht mal das: mechanische Kopien von Kindern. Wir hingegen sind ein multinationaler Konzern, der der Welt eine neue und aufregende Technologie zu bieten hat, die das Leben Tausender verbessern wird. Glaubt ihr, irgendjemand wird das zurückweisen, weil wir ein paar Skinnern „Unannehmlichkeiten“ bereiten?“ (S. 200)

BioMax, der Konzern, der den Download erfand, ersichtlich in einer Machtposition. Diese nutzen sie schamlos aus: in grausamen Experimenten werden die so gewonnen Gehirnscanns der BioMax-Kunden zur Weiterentwicklung von künstlichen Intelligenzen genutzt. Durch „Lobotomieren“, einem der Gehirnchirurgie entlehnten Verfahren, dass „Gefühle abstumpft, abstraktes Denken vernichtet und ein roboterähnliches, kontrollierbares Individuum schafft“ (P. R. Breggin: Elektroschock ist keine Therapie, 1989, Urban & Schwarzenberg, S. 175 / Wikipedia, „Lobotomie“), wird die Individualität der Skinner bedroht und ihre sensiblen Daten missbraucht.

Abseits dieser vor allem ethischen Gefahr wird auch das Leben der Mechs bedroht. Ein mysteriöser Virus zerstört das Bild der „unbesiegbaren Maschine“. Konnten sich die Downloadempfänger im Fall der Zerstörung des mechanischen Körpers bisher auf die unantastbare Sicherheitskopie ihrer Seele verlassen, ist das Aktualisieren dieser Datei nun das Todesurteil für den Mech. Bevor alle gefährdeten Personen informiert werden können, kommt es zu Todesfällen, auch in Lias unmittelbaren Umkreis.

Robin Wasserman (Copyright: Robin Wasserman)

Robin Wasserman (Copyright: Robin Wasserman)

Auch wenn man Lia oft anmerkt, dass sie sich gern wieder verkriechen und um alles, was sie verloren hat, trauern will, stellt Wasserman glücklicherweise die Passivität zurück und lässt ihre Protagonistin endlich handeln! Erlösend entwickelt Lia hier endlich einen eigenen Antrieb, auch wenn dieser alles andere als koordiniert und planvoll ist. Authentisch versucht die Protagonistin ihre Probleme zu bewältigen, und gleichzeitig zeigt die Autorin hier, dass nicht nur Philosophieren zu ihren Stärken gehört. Zugegeben, ein bisschen Übung braucht es bei der Gestaltung eines actiongeladenen Endes vielleicht noch, denn hier bleibt einiges offen. Aber die Grundidee stimmt – und wird sicherlich alle SciFi- und Dystopiefans begeistern.

Am Ende bleibt also nur zu sagen, dass sich das Durchhalten bis zum dritten Teil und Ende der „Shatter me“-Serie lohnt, und wir auch künftig Robin Wasserman im Auge behalten wollen. Vielleicht versucht sie sich das nächste Mal ja an einem Zweiteiler.

Inhalt

Vor einem Jahr starb Lia Kahn. Nur wenige Tage später wachte sie auf. In einem neuen, künstlichen Körper. Sie hatte eine neue Familie: Mechs wie sie. Und ein neues Leben – eines, das für immer währen sollte. Dachte sie zumindest. Denn alles, was man ihr erzählt hat, entpuppt sich nun als Lüge. Jemand beginnt, die Mechs zu zerstören. Lia setzt alles daran, sich selbst und jene zu schützen, ohne die sie nicht sein kann. Doch eines ist gewiss: Alle kann sie nicht retten.

(Quelle: Ravensburger Buchverlag)

Autorin

Robin Wassermans Passion Geschichten zu erfinden, liegt in ihrer Kindheit begründet: Als Einzelkind blieb ihr nicht viel anderes übrig als sich selbst Geschichten zu erzählen, um den Alltag spannender zu gestalten. Und diese Liebe zu Geschichten erhielt sie sich über die Schulzeit. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Kinderbuchlektorin, bis sie das Schreiben zum Beruf machte.
Heute lebt sie in ihrer Lieblingsstadt New York und schreibt Bücher für junge Erwachsene.

(Quelle: script5)

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Trilogie

“Skinned”-Trilogie

01 Skinned
02 Crashed
03 Wired

Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 29.06.2014
Seitenzahl: 384
ISBN: 978-3-473-58470-3
Sprache: Deutsch
Altersempfehlung: 14 – 17 Jahre
Verlagshomepage: Ravensburger Buchverlag

Copyright Cover: Ravensburger Buchverlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer