Review

Sie isst nicht, sie schläft nicht, sie stirbt nicht und sie sieht für die, die sie kennen, vollkommen anders aus. Nein, Lia Kahn, die Protagonistin in „Skinned“ ist kein Vampir. „Lia Kahn ist tot. Ich bin Lia Kahn.“

Diese ersten zwei Sätze, die Autorin Robin Wasserman einem Teenager in den Mund legt, könnten nicht verwirrender sein. Erst nach und nach, zusammen mit der Betroffenen selbst, entdeckt der Leser ihre wahre Bedeutung.

Nach einem schweren Autounfall schwebte Lia zwischen Leben und Tod. Ihr Körper wurde zwischen kaltem Metall und verzehrenden Flammen derart verletzt, dass nicht einmal die MedTech der futuristischen Welt, in der das beliebte Mädchen lebt(e), ihn wieder heilen konnte. Doch es gab noch einen letzten Rettungsanker für ihre Familie: ein mechanischer Ersatzkörper.
Das Verfahren, das sich hinter dem Begriff „Download“ versteckt und nicht weniger brutal, als der Autounfall selbst ist, zwang ihr Bewusstsein in einen menschlich aussehenden Computer. Nach drei Monaten „Reha“, in denen ihre künstliche Nervenbahnen Metal, Silikonhaut und Elektronikteile so weit durchdrungen haben, dass der Teenager sich wie ein Mensch gebaren kann, hofft sie nun nach Hause, in ihr Zimmer, zu ihrer Familie, sogar zu ihrer streitsüchtigen kleinen Schwester Zoe – eben in ihr gesamtes altes Leben – zurückkehren zu können.

Denn Lia Kahn war beliebt. Was gemeinhin als Cheerleader-Klischee in amerikanischen Filmen suggeriert wird, lebt(e) sie in vollen Zügen: Sportlich, ein Gewinnertyp, gut aussehend, oberflächliche Freundinnen, Trendsetterin, ein passabler Freund – Lia hatte und war all das. Kein Wunder, denn sie nutzte – im Gegensatz zu Zoe – die perfekten genetischen Anlagen, die ihre wohlhabenden Eltern vor ihrer Geburt auswählten. Doch genauso wie genetische Anlagen nun keine Rolle mehr spielen, scheint auch ihre Umwelt die neue Erscheinungsform nicht zu akzeptieren. Selbst in einer dauervernetzten, digitalaffinen Welt ist es nicht akzeptabel, ein „MechHead“ zu sein. Nach und nach muss sich Lia eingestehen, dass nun alles anders ist. Um den neuen „Lebensabschnitt“ zu meistern und die Verwirrung zu komplettieren stellt die Autorin ihr zwei mögliche Weggefährten zur Seite. Soll sich Lia für Auden, einem menschlichen Mitschüler, oder für Jude, einem „MechHead“ wie sie, entscheiden?

Vielleicht gibt es am Ende des Jugendromans, der zwischen Utopie und Dystopie changiert, noch einen dritten Weg. Und auch wenn man sagen kann, dass die einzelnen Bestandteile der Story bereits bekannt und beliebt sind, muss doch festgestellt werden, dass Wasserman souverän an ihrer Geschichte strickt.

Durch die Egoperspektive fühlt man sich der Protagonistin nah, und selbst wenn man in seiner Schulzeit nicht zur gesellschaftlichen Spitze gehörte, kann man Lias Verluste nachvollziehen.

Handwerklich gut gemacht ist neben dem Schreibstil auch die Übersetzung, denn die Sprachwahl ist der jugendlichen Hauptdarstellerin angepasst, ohne aufgesetzt zu wirken.

Robin Wasserman (Copyright: Robin Wasserman)

Robin Wasserman (Copyright: Robin Wasserman)

Die erfahrene Jugendbuchautorin wählt sich hier mit Tod, Wiedergeburt, Unsterblichkeit und neuen Technologien Themenbereiche, die gleichsam aktuell und klassisch sind. Viel philosophisches Potenzial, dass sicherlich auch junge Erwachsene fesseln würde, wird in diesem Trilogie-Auftakt jedoch verschenkt. Die Protagonistin ist auf 384 Seiten ausschließlich mit sich selbst beschäftigt und scheinbar unfähig, eigene Entscheidungen zu treffen. Selbst die entscheidende Wendung am Ende ist allein externen Faktoren geschuldet, sodass sie meist zum Spielball ihres Schicksals wird.

Für hartgesottene Sci-Fi- und Dystopie-Fans könnten sich die nicht ganz neue Story und der Narzissmus der Protagonistin als Fallstricke erweisen. Doch immerhin – am Ende steht endlich ein Neuanfang. In diesem Sinne war das hoffentlich nur die Aufwärmphase, um im nächsten Teil aus den Vollen zu schöpfen.

Inhalt

Lia Kahn: schön, reich, beliebt. Ein It-Girl. Doch nach ihrem fast tödlichen Unfall erwacht sie in einem künstlichen Körper, ihr Gehirn wurde durch einen Download gerettet. Ist sie mit diesem Körper überhaupt noch sie selbst?

Lia Kahn ist reich, schön und beliebt – bis ein Unfall sie beinahe tötet. Im Krankenhaus wacht sie in einem perfekten künstlichen Körper auf. Lia wird nie wieder Schmerz empfinden, nicht altern, nicht sterben. Doch der Preis dafür ist hoch: Alles, was ihr einst wichtig war, scheint verloren. Was ist sie? Ein Mensch? Eine Maschine? Ein Monster? Auf der Suche nach einer Antwort vollzieht Lia eine erstaunliche Wandlung und lernt, was Liebe bedeutet.

(Quelle: Ravensburger Buchverlag)

Autorin

Robin Wassermans Passion Geschichten zu erfinden, liegt in ihrer Kindheit begründet: Als Einzelkind blieb ihr nicht viel anderes übrig als sich selbst Geschichten zu erzählen, um den Alltag spannender zu gestalten. Und diese Liebe zu Geschichten erhielt sie sich über die Schulzeit. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Kinderbuchlektorin, bis sie das Schreiben zum Beruf machte.
Heute lebt sie in ihrer Lieblingsstadt New York und schreibt Bücher für junge Erwachsene.

(Quelle: script5)

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Trilogie

„Skinned“-Trilogie

01 Skinned
02 Crashed
03 Wired

Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 01.05.2013
Seitenzahl: 384
ISBN: 978-3-473-58449-9
Sprache: Deutsch
Altersempfehlung: 14 – 17 Jahre
Verlagshomepage: Ravensburger Buchverlag

Copyright Cover: Ravensburger Buchverlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer