Review

„Wir werden die Technologie zerstören, die die Jugend unserer Nation ihres wahren Lebens und ihrer wahren Seele beraubt, die bekümmerte Eltern im ganzen Land mit der Illusion betrügt, ihre verstorbenen Kinder wären zu ihnen zurückgekehrt, die die Unversehrten und Gesunden verführt, alles wegzuwerfen – und wofür? Für das verlogene Versprechen von Unsterblichkeit! Für die Hölle auf Erden, für immer in einem Fegefeuer aus Eisen und Stahl eingesperrt zu sein.“ (S. 50)

Lia Kahn ist Teil dieser Technologie, die Savona, der Anführer einer aufstrebenden religiösen Bewegung, vom Erdboden tilgen möchte. Das junge Mädchen, welches in „Skinned“ den Konflikt zwischen Mensch und Maschine noch allein mit sich und ihrem unmittelbaren Umfeld austragen musste, nachdem ihr Bewusstsein per „Download“ aufgrund eines tragischen Unfalls in einen vollkommen mechanischen Körper übertragen werden musste, versucht sich im Nachfolgerband „Crashed“ von Robin Wasserman mit dem Leben als „Mech“ anzufreunden.

Noch am Ende des ersten Buches wandte sich Lia von ihrer wohlhabenden „Org-Familie“ ab, um ihnen, ganz im Sinne von Savonas Predigt, weiteres Leid zu ersparen. Auch Auden, der ihr in der Übergangszeit eine große Stütze war und einen lebensbedrohlichen Unfall erlitt, für den sie sich die Schuld gibt, hat sie zurücklassen müssen. Vorerst hat sie sich für Judes Weg entschieden. Dank ihrer neuen „Mech-Familie“ muss sie sich um materielle Dinge dennoch keine Sorgen machen. So kann sie ihre Tage mit den Versuchen füllen, wieder etwas annähernd Menschliches zu fühlen – die Angst beim Fallschirmspringen zum Beispiel, oder das Gefühlschaos, das die „Dreamer“ hinterlassen. Während Lia scheinbar in ihrer eigenen Welt lebt, beginnt sich im gesellschaftlichen Hintergrund einiges zusammenzubrauen: Eine Grundsatzdiskussion über die moralische Zulässigkeit des „Downloads“ wird immer wieder angedeutet, bis Lia schließlich unfreiwillig zu einer Zentralfigur der Debatte wird.
Von Jude beauftragt, sollte sie zusammen mit Judes bestem Freund Riley in einer Konzernanlage einen scheinbar harmlosen Auftrag erledigen. Statt einer diskreten Übergabe neuer Technologie kam es jedoch zum Giftgasanschlag, bei dem mehr als 40 Menschen starben. Natürlich werden sofort die beiden „Skinner“ verdächtigt, die sich erst mal auf die Flucht begeben.

Spätestens an dieser Stelle sollte sich Lia so langsam darüber Gedanken machen, dass hier ihre – wenn auch mechanische – Existenz von allen Seiten bedroht ist: Die korrupte Gesellschaft wird zum Spielball der wirtschaftlichen Mächte oder durch religiöse Fanatiker aufgehetzt, sie selbst wird eines Verbrechens beschuldigt, dass sie nicht begangen hat, und doch gibt sich Lia immer wieder bloß endlosen Monologen hin. Obwohl sie durchaus immer wieder das Gefühl hat, etwas tun oder sagen zu müssen, bleibt es doch zumeist bei der Idee – oder bei pseudophilosophischen Rechtfertigungsversuchen. Auf etwas mehr als 450 Seiten tritt die Geschichte daher oft auf der Stelle und am Ende des zweiten Bandes stehen wir mit der Protagonistin fast wieder am Ende des ersten Teils.

Robin Wasserman (Copyright: Robin Wasserman)

Robin Wasserman (Copyright: Robin Wasserman)

Künstliche Intelligenz und Unsterblichkeit, Leben und Tod, Freundschaft und Loyalität, – Robin Wasserman hat auch im zweiten Teil der Trilogie wieder die Gelegenheit, Philosophie mit einer spannenden Geschichte zu verbinden. Doch während in Band 1 noch ein ausgewogenes Verhältnis von innerer und äußerer Handlung herrschte, verstrickt sich die Autorin nun in komplizierten Gedankenkonstrukten von Unsicherheit und Zweifel der Protagonistin. Gesellschaftliche Hintergründe, Motive von Nebenpersonen und der Fortschritt der Geschichte bleiben dabei leider auf der Strecke.

Die Hoffnung des ersten Teils, dass die erfahrene Jugendbuchautorin nur ein wenig Aufwärmzeit brauchte, hat sich leider nicht bestätigt. Dafür findet man hier einen klassischen zweiten Teil einer Trilogie: einen Lückenfüller. Trotzdem bleibt wegen der interessanten Themenwahl am Schluss wieder der Lichtblick, dass im finalen Band doch noch etwas Leben in die Geschichte kommt.

Inhalt

Lia ist ein Mech: ein Mensch mit künstlichem Körper. Mechs schweben jedoch in großer Gefahr, denn die Menschen wollen sie vernichten. Bei einer Gruppe von Rebellen trifft Lia auf ihre große Liebe. Wird der Kampf um ihresgleichen sie beide vernichten?

Vor dem tödlichen Unfall war Lia glücklich. Beliebt. Verliebt. Ein Mensch. Jetzt existiert Lia Kahn nur noch in einer menschenähnlichen Maschine, in der ihr Bewusstsein gespeichert ist. Sie ist ein „Mech“. Lia hat ihr Schicksal akzeptiert und sogar Gefallen an der sorgenfreien Existenz als Mech gefunden: Wer nichts mehr zu verlieren hat, braucht auch nichts zu fürchten. Aber die Angst kehrt zurück, denn ausgerechnet der Junge, den sie einst liebte, will alle Mechs auslöschen.

(Quelle: Ravensburger Buchverlag)

Autorin

Robin Wassermans Passion Geschichten zu erfinden, liegt in ihrer Kindheit begründet: Als Einzelkind blieb ihr nicht viel anderes übrig als sich selbst Geschichten zu erzählen, um den Alltag spannender zu gestalten. Und diese Liebe zu Geschichten erhielt sie sich über die Schulzeit. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Kinderbuchlektorin, bis sie das Schreiben zum Beruf machte.
Heute lebt sie in ihrer Lieblingsstadt New York und schreibt Bücher für junge Erwachsene.

(Quelle: script5)

Robin Wasserman – Homepage
Robin Wasserman – Facebook
Robin Wasserman – Twitter

Trilogie

“Skinned”-Trilogie

01 Skinned
02 Crashed
03 Wired

Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 01.02.2014
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3-473-58460-4
Sprache: Deutsch
Altersempfehlung: 14 – 17 Jahre
Verlagshomepage: Ravensburger Buchverlag

Copyright Cover: Ravensburger Buchverlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer