Review

Ein guter Junge 

Nach dem tragischen Tod der Akrobatenfamilie „Die Flying Graysons“ kommt der junge und gezeichnete Dick Grayson als Mündel in die Obhut von Multimillionär Bruce Wayne. Das bedeutet: Tagsüber Privatschule und des Nachts mit dem Fledermausritter auf Verbrecherjagd gehen.

Während Dick einerseits die vielfältigen Fertigkeiten des Dunklen Ritters erlernen soll, muss er andererseits seine eigene Identität – als Nachwuchsheld, aber vor allem als Persönlichkeit – entwickeln und herausarbeiten. Bruce indessen muss erkennen, dass er zwar einen ausgezeichneten Trainer und Lehrmeister, allerdings einen hundsmiserablen Vater abgibt. Die gute Seele der Bat-Höhle und sein eigener (Zieh-)Vater Alfred Pennyworth mischt sich dankenswerterweise in die Erziehung des jungen Master Dick ein, um ihn zu stärken und aufzurichten. Schließlich hat Alfred dereinst auch den Beginn des Kreuzzugs seines Mündels Bruce begleitet.

Wir sehen ein Triumvirat aus starken Persönlichkeiten und verletzten Seelen.

Zwei wie Licht und Schatten

Ich muss nicht der nächste Batman sein. Ich kann was anderes sein, was besseres

Und das beste daran? 

Ich weiß jetzt, ich muss nicht allein sein, nicht die Dunkelheit

Ich kann Licht sein. 

Ich kann Robin sein.“

(zitiert aus „Robin & Batman – Der Weg zum Helden“, Panini Comics)

Das kreative Duo aus Jeff Lemire und Dustin Nguyen („Descender“, „Ascender“) findet sich abermals zusammen und widmet sich vorliegend dem dynamischen Duo aus Batman und Robin.

Entgegen der üblichen Schreibweise zeigt Vielschreiber und Tausendsassa Jeff Lemire („Black Hammer: Visions 1“, „Family Tree 3: Wald“) bereits mit dem Titel seiner Miniserie „Robin & Batman“ – bzw. hierzulande „Robin & Batman – Der Weg zum Helden“ – an, dass hier ausnahmsweise der jugendliche Sidekick im Fokus des Geschehens stehen soll.
Auf frische Art und Weise wird der Werdegang – oder auch die Origin – des jungen Dick Grayson zu Robin verhandelt. Gäbe es nicht bereits eine Geschichte mit dem Titel „Robin: Das erste Jahr“ (von Chuck Dixon und anderen), so wäre dieser auch hier durchaus passend und einschlägig.

Lemire und Nguyen interpretieren auf neue und einfühlsame Weise, wie der „Wunderknabe“ Richard „Dick“ Grayson, der verwaiste Zirkusakrobat, das bisherige Leben in trauter Zweisamkeit von Bruce und Alfred betritt. Besonders menschlich und nahbar gerät die Story dadurch, dass sie durchgehend aus der Perspektive von Dick geschildert wird, der gleichsam als Erzähler fungiert. So erleben wir das Gefühls- und Gemütsleben des Nachwuchshelden stets aus erster Hand. Und wenn Jeff Lemire etwas besonders gut beherrscht, dann sind das liebevoll-menschliche Geschichten im übernatürlichen Kontext bzw. Familiengeschichten mit starken Charakterköpfen. Mit seinem athletischen und analytischen Fledermaus-Vater hat das Rotkehlchen zwar ein Superhelden-Vorbild; der stolze und (oftmals) hartherzige Vater Bruce verlangt dem Kind jedoch einiges ab.

Leseprobe aus „Robin & Batman – Der Weg zum Helden“. (Copyright: Panini Comics)

Auch hier trifft Lemire die richtigen Emotionen und menschlichen Zwischentöne, wenn er auf die Reibereien zwischen Alfred und seinem Mündel Bruce eingeht. So braucht ein junger Mann, insbesondere ein solcher, der seine Eltern frühzeitig verloren hat, nicht nur hartes Training, sondern auch Anerkennung und Wertschätzung – vor allem ein Bruce Wayne sollte das eigentlich wissen. So muss in dieser Geschichte nicht nur Dick in seine Heldenrolle hineinwachsen, sondern auch und vor allem Bruce verstehen, seine Vaterrolle zu reflektieren und positiv zu gestalten. Mit diesem Vater-Sohn-Konflikt in der Bat-Familie erfindet das künstlerische Team das Rad sicherlich nicht neu. Dessen ungeachtet glückt ein in jeder Hinsicht hoffnungsvoller und warmherziger Blick auf das erste Jahr von Batmans erstem und berühmtestem Sidekick.

Insbesondere zu einer Origin von Dick Grayson, der Bruce gegenüber besonders selbstbewusst sein kann, in seinem Wesen aber empathisch und einfühlsam ist, passen die Zeichnungen Dustin Nguyen herausragend gut. Die gewohnt zart-blass kolorierten Aquarell-Panels unterstreichen die Gemütslage eines traurigen Waisenjungen ebenso gut wie die vorsichtige Hoffnung auf bessere Zeiten. Der Optimismus des Nachwuchshelden prägt die Seiten, denn statt Finsternis wählt Robin das Licht. Und so sehen wir Gotham City überwiegend in ungewohnt freundlichen Farben, die gegen die Dunkelheit aufbegehren.

Fazit 

Lemire und Nguyen legen ihre Version eines modernen „Robin: Year One“ vor und wissen zu überzeugen. Die Geschichte erfindet das Rad sicherlich nicht neu, bietet aber einen schönen Generationenkonflikt und eine sehr menschliche Superhelden-Story.


Robin & Batman – Der Weg zum Helden

Inhalt

Für Fans und Neuleser

Ein eigenständiger Einzelband von den Superstars Jeff Lemire (SWEET TOOTH) und Dustin Nguyen (BATMAN) über die Anfänge von Batman und Robin.

Der junge Dick Grayson zieht trotz der Warnungen seines Mentors auf eigene Faust los, um sein Schicksal als kostümierter Held Robin zu erfüllen. Doch seine Vergangenheit holt ihn ein …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Jeff Lemire
(*21. März 1976) ist ein kanadischer Comicautor und Autor.
Lemire ist bekannt für seine launischen, humanistischen Geschichten und seinen skizzenhaften, filmischen Schwarzweiß-Zeichenstil.

(Quelle: Wikipedia)

Jeff Lemire – Homepage | Jeff Lemire – Twitter

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 12.07.2022
Seitenzahl: 140
Storys: Robin & Batman 1–3
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)