Review

Es ist heutzutage extrem schwer, im massiv überbevölkerten Thriller-Segment eine Story zu platzieren, die aus der Masse heraussticht. Mit „Ihr findet mich nie“ hat Robert Wilson allerdings eben dieses geschafft. Denn das Buch beginnt damit, dass die Tochter ausgerechnet einer Polizistin und eines Experten für Entführungsfälle von zu Hause abhaut und in ihrem Abschiedsschreiben großspurig ankündigt, dass ihre Eltern sich anstrengen können, wie sie wollen: Sie werden sie nicht finden. Daher auch der Titel des Buches.

Doch „Ihr findet mich nie“ ist mehr als nur ein Buch, in dem verzweifelte Eltern ihre verlorene Tochter suchen. Denn aus dieser Thematik entwickelt sich ein Thriller, der in mehreren europäischen Ländern spielt und sogar die Drogenmafia involviert. Es ist daher nicht verwunderlich, dass dieses Buch seine Leser bereits auf den ersten Seiten gefangen nimmt und erst nach dem durchaus grandiosen Finale wieder loslässt.

Dazwischen erlebt man alles, was einen genialen Thriller ausmacht: Spannung, unerwartete Wendungen, zerstückelte Leichen und viel knifflige Ermittlungsarbeit.

Dabei setzt Robert Wilson nicht unbedingt auf Gewalt und Ermittlungen, sondern vor allem auf starke, sehr komplex ausgearbeitete Charaktere, die es dem Leser nicht immer leicht machen, sie in „gut“ oder „böse“ einzuordnen. Denn die Figuren in diesem Buch sind derart vielschichtig, dass sie sich im Verlauf der Geschichte immer wieder (zumindest teilweise) neu erfinden oder neue Facetten ihrer Persönlichkeit offenbaren. Dadurch ist es allein schon eine Freude, sich mit den Figuren in „Ihr findet mich nie“ auseinanderzusetzen.

Robert Wilson (Copyright: Gabriel Pecot)

Robert Wilson (Copyright: Gabriel Pecot)

Doch auch der Crime-Aspekt dieses Buches ist nicht zu unterschätzen, denn die Handlungsstränge, die uns Robert Wilson in diesem Werk serviert, sind ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Alle Storylines des Buches sind äußerst spannend und werden sehr authentisch erzählt. Es wird zu keinem Zeitpunkt wirklich übertrieben reagiert, alle Handlungen sind nachvollziehbar. Dennoch überschreitet Robert Wilson in diesem Buch an diversen Stellen gekonnt und bewusst die Grenzen des guten Geschmacks und konfrontiert seine Leser mit wirklich üblen Situationen. Dies wird jedoch so gekonnt verpackt, dass man zu keinem Zeitpunkt an der Logik der Geschichte zweifelt.

„Ihr findet mich nie“ ist definitiv ein Stern am vollgepackten Thriller-Himmel, der in keinem gut sortierten Regal eines Fans dieses Genres fehlen sollte. Denn an diesem Buch hat man sehr viel Freude und wird nicht durch Längen oder nicht plausible Situationen abgetörnt. „Ihr findet mich nie“ ist uneingeschränkt lesenswert.

Handlung

Charlie Boxer ist der Beste, ein gesuchter Spezialist, wenn es um hochkarätige Entführungen geht – doch sein Familienleben ist ein Trümmerfeld, seine Ehe seit langem geschieden, seine siebzehnjährige Tochter Amy eine Fremde für ihn. So trifft es ihn völlig unvorbereitet, als Amy eines Tages spurlos verschwindet. Und in ihrer einzigen Nachricht an die Familie schwört sie, für alle Zeiten unauffindbar zu bleiben. Denn als Tochter einer Polizeikommissarin und eines Spezialermittlers weiß Amy, wie man Spuren verwischt. Doch Boxer lässt nicht locker. Endlich, nach langer Suche, findet er einen ersten Hinweis auf Amys Aufenthaltsort und reist nach Madrid – um dort die Ermittlungen im schlimmsten Fall seiner bisherigen Laufbahn aufzunehmen …

(Copyright: Page & Turner)

Autor

Robert Wilson, 1957 in England geboren, studierte an der Universität von Oxford. Er lebt abwechselnd in England, Spanien und Portugal. Spätestens seit dem Roman „Tod in Lissabon“, für den er den Gold Dagger Award und den Deutschen Krimi-Preis erhielt, wird er als „einer der besten Thrillerautoren der Welt“ (The New York Times) gefeiert.

(Copyright: Page & Turner)

Robert Wilson – Homepage
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Details

Format: Broschiert
Veröffentlichung: 29.09.2014
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3-442-20439-7
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Page & Turner

Copyright Cover: Page & Turner



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.