Review

An spannender Stelle hat Autor Robert McCammon seine deutschen Leser in Band 1 von „Wolf’s Hour“ verlassen, nun kehrt er mit „Wolf’s Hour: Berserker (Band 2)“ ebenso fulminant zurück.

Nahtlos wird hier die Geschichte fortgesetzt, dessen einbändige Originalausgabe der Festa Verlag in einem Zweiteiler präsentiert. Der Status der Fortsetzung wird zudem von der Kapitelnummerierung widergespiegelt, denn die Leser werden gleich mit Kapitel 7 empfangen. Der Cut an der richtigen Stelle des ersten Bandes sowie die immer wieder subtil eingestreuten relevanten Hintergrundinformationen aus Teil 1 ermöglichen aber auch Neulesern einen unkomplizierten Einstieg in „Wolf’s Hour“.

Ebenso ergeht es Quereinsteigern wie Altlesern mit den Figuren. Die Ausarbeitung der Charaktere ist – abgesehen vom Protagonisten, der vor allem durch Rückblenden mehr Profil erlangt – nicht unbedingt tiefgründig, dafür aber ausreichend umfassend, sodass schnell Beziehungen zwischen ihnen und den Lesern aufgebaut werden können. Passagen, die mitfühlen lassen, treten diesbezüglich genauso auf wie Antipathien weckende Momente gegenüber den hier dargestellten Kriegstreibern.

Und ein weiteres Mal stellt sich die fast schon philosophische Frage „Wer sind die wahren Monster? Die Wölfe oder vielleicht doch die Menschen?“. Diese und weitere Ernsthaftigkeiten bettet Robert McCammon hervorragend in seinen historisch-fantastischen Plot, der es versteht, das Werwolfmotiv auf eine neue Stufe zu heben und dabei auf gängige Klischees zu verzichten. Dies betreffend steht Band 2 seinem Vorgänger in nichts nach, und weil es sich ursprünglich um einen einzigen Roman handelt, der hier auf zwei Bücher gesplittet wurde, wird der Leser auch schreibstilistisch keine Brüche oder unwillkommenen Überraschungen erleben.

Robert McCammon (Copyright: Stephanie Pfitzer)

Robert McCammon (Copyright: Stephanie Pfitzer)

Überraschungen der anderen Art hält McCammon dennoch parat, denn hin und wieder wartet seine Handlung mit schönen Wendungen auf, die zusätzlich dafür sorgen, dass man am Ball bleibt.
Wie es sich für einen Mix aus Horror, Historie und Fantasy gehört, werden jeweilige Genre-Elemente auch in „Wolf’s Hour: Berserker (Band 2)“ berücksichtigt – und dies stets auf eine glaubwürdige und nachvollziehbare Art und Weise.

Angekündigt als „bissiger und blutiger US-Bestseller“, mangelt es zudem an entsprechenden Szenen nicht. So werden neben den Gräuel des Naziregimes einige actionreiche Szenen integriert, in denen beispielsweise nicht nur die tierische Nebenrolle, Falke Blondie, einige Federn lassen muss.

Wer bereits Band 1 von „Wolf’s Hour“ gelesen und für gut befunden hat, wird am Finale nicht vorbeikommen. Darüber hinaus sollten all jene hier einen Blick riskieren, die sich für ein etwas anderes Werwolfmotiv interessieren und dabei einen authentischen geschichtlichen Kontext nicht verschmähen. Robert McCammon sorgt mit kreativem Plot, innovativer Genrekombination und lebendig-dynamischer Schreibe für hervorragende Unterhaltung.

Handlung

Wer sind die wahren Monster? Die Wölfe oder vielleicht doch die Menschen?

Im Auftrag des britischen Geheimdiensts kämpft sich Michael Gallatin, Meisterspion und Werwolf, vom besetzten Frankreich bis nach Berlin durch. Er soll herausfinden, was sich hinter „Iron Fist“ verbirgt, der angeblichen Wunderwaffe der Nazis.
Auf seinem Weg begegnet Michael einigen skurrilen Gestalten, etwa dem grausamen Nazioffizier Jerek Blok mit seinem hünenhaften Schützling Treter, der seine Opfer am liebsten zu Tode trampelt, oder dem sadistischen Großwildjäger Harry Sandler, der stets von seinem aggressiven Falken Blondi begleitet wird …
Es sind nur noch wenige Stunden bis zum D-Day, als Michael in die Hände von Dr. Hildebrand fällt, einem wahnsinnigen Wissenschaftler, der Giftgasexperimente an Kriegsgefangenen durchrührt …

(Quelle: Festa Verlag)

Autor

Robert McCammons (geboren 1952 in Birmingham, USA) erster Roman „Baal“ erschien 1978. Bis 1992 folgten elf weitere, mit denen er einer der erfolgreichsten Autoren des Booms der US-amerikanischen Horrorliteratur wurde (von Ende der 1970er bis in die frühen 1990er Jahre).
Danach zog er sich ganz aus der Öffentlichkeit zurück. Erst seit 2002 erscheinen wieder neue Werke von ihm, u.a. „Speaks the Nightbird“, „The Five“, „The Border“ …

Robert McCammon – Homepage
Robert McCammon – Facebook
Robert McCammon – Twitter

(Quelle: Festa Verlag)

Details

Format: Paperback, Umschlag in Festa-Lederoptik
Veröffentlichung: 20.07.2016
Originaltitel: The Wolf’s Hour
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3-86552-420-1
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Festa Verlag

Copyright Cover: Festa Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde