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Ray Bradbury, verstorben 2012, war amerikanischer Schriftsteller. Er zählte Jules Verne, H. G. Wells, Edgar Allan Poe, Flash Gordon, Buck Rogers und Mary Wollstonecraft Shelley zu seiner literarischen Familie. Rund ein Jahrhundert zu spät für seine Idole schaffte es Bradbury selbst zur Ikone. Zumindest in seiner Heimat; hierzulande zählt er vielleicht eher als Geheimtipp. Warum „S is for Space“ ein gelungener Zugang zum Gesamtwerk des Autors ist, klären wir jetzt.

Neben elf Romanen widmete sich Bradbury vor allem den Kurzgeschichten. Über 400 soll er verfasst haben, diese sind sowohl in Sammlungen als auch in anderen Formen veröffentlicht. Schon 1966, also 46 Jahre vor seinem Tod, wählte er für „S is for Space“ 16 der Kurzgeschichten aus, die stellvertretend für sein Werk sein sollen.

Im Schwerpunkt widmet er sich dabei, wie auch bei seinem Gesamtwerk, der Science-Fiction. Angesichts der Tatsache, dass ein halbes Jahrhundert seit dem Schreiben ins Land gegangen ist, überrascht es wenig, dass man hier kein Hochglanz-Technikfeuerwerk in Schriftform findet. Es kommt bei Bradburys Storys eben nicht darauf an, ob Captain Hart in „Der Mann“ beispielsweise mit einem Warp- oder einem Sporenantrieb durchs Weltall reist. Die Message, die der Autor vermitteln will, liegt in den zwischenmenschlichen Beziehungen.

Hier zeigt sich ganz deutlich das Erbe von Verne, Wells und Co., die es ebenfalls meisterlich verstanden haben, durch bewusste Lücken und Auslassungen Raum für reale technische Entwicklung zu lassen. Dadurch bekommen die Geschichten etwas Zeitloses. Wer allerdings gerade den technischen Aspekt von Sci-Fi mag, wird vielleicht etwas enttäuscht sein.

Ebenso wird es denen ergehen, die viele Protagonisten, Schauplätze und Entwicklungen lieben. Was George R. R. Martin mit „Game of Thrones“ auf die Spitze getrieben hat, findet hier seinen absoluten Gegensatz. Die Storys von Bradbury sind geradlinig, schlicht und meistens nicht einmal überraschend. Das ist jetzt ganz wertfrei gemeint, denn eigentlich ist es bewundernswert, wie viel Spannung doch in einer Story verbleibt, wenn man sich nicht auf Umwege und Beiwerk verlässt. Den Höhepunkt dieser, man möchte beinahe „literarische Zartheit“ dazu sagen, ist „Der Spaziergänger“. Die Handlung ist derart reduziert und konzentriert, dass es objektiv betrachtet fast banal wirkt. Trotzdem erwächst aus dem Subtext eine bedeutende Message, die zum Nachdenken anregt.

Ray Bradbury (Copyright: Tom Victor)

Wer also die Klassiker gerne liest und Bradbury nicht kennt, muss hier definitiv zugreifen. Sonst entgeht dem Sci-Fi-Fan ein großartiger, zeitloser Autor. Zumal sich die Kurzgeschichten optimal als Happen zwischendurch eignen. Wer epochale Großwerke oder Technikfirlefanz sucht, ist hier aber an der falschen Adresse.

Ergänzend sei noch angemerkt, dass sich nicht alle 16 Kurzgeschichten auf Sci-Fi festlegen lassen.
„Der Spaziergänger“ kommt eher als Dystopie daher, auch wenn durchaus noch Sci-Fi-Anklänge vorhanden sind. Andere Storys, beispielsweise „Feuersäule“ oder „Der unsichtbare Junge“ bewegen sich schon eher im Bereich Horror oder Mystery.
Dennoch alles lesenswert, besonders „Feuersäule“, da es sich hierbei um einen kleinen Zyklus handelt.
Ein bisschen thematische Offenheit muss der Leser also auch mitbringen. Dann steht dem Genuss aber nichts mehr im Wege.

Inhalt

Steven Spielberg nennt ihn seine Inspiration, die Washington Post einen Mythenschöpfer, der Guardian vergleicht ihn mit Edgar Allan Poe: Kaum ein Autor hat das literarische und filmische Schaffen im Bereich der Science-Fiction derart geprägt wie Ray Bradbury.

Seine 1966 erschienene Kurzgeschichten-Sammlung mit 16 von Bradbury selbst ausgewählten Storys liegt nun erstmals auch in deutscher Übersetzung vor und macht einen visionären wie zeitlosen Klassiker der Science-Fiction-Literatur einem breiten Publikum zugänglich.

Bradburys Geschichten spielen auf der Erde, im All und auf dem Mars und zeigen das volle Spektrum eines Ausnahmeautors, von Horror bis Humor.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Ray Bradbury 
(*22. August 1920 in Waukegan, Illinois; † 5. Juni 2012 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Drehbuchautor, zu dessen Schwerpunkten Science-Fiction, Horror und Phantastik zählten.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Taschenbuch, e-Book
Vö-Datum: 01.09.2017
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3-426-52073-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer