Review

In Ransom Riggs Romanen sind nicht nur die Figuren besonders, auch die Aufmachung seiner Bücher sticht u.a. durch die wundervolle Idee, alte authentische Fotografien mit seinen Geschichten und Werken zu kombinieren, aus der Fülle an Veröffentlichungen heraus.

In seiner schaurig-schönen Fantasy entführt Riggs seine Leser nach „Die Insel der besonderen Kinder“ nun in „Die Stadt der besonderen Kinder“.
Erneut ist das Buch mit besagten zahlreichen außergewöhnlichen Fotos bestückt, während ihre Dominanz von Schwarz-Weiß und Sepia ungemein zur Atmosphäre des insgesamt stimmungsvollen Romans beiträgt.

Empfangen wird der Leser zunächst mit der illustrierten Vorstellung der wichtigsten Figuren. Angesichts der großen Zeitspanne, die zwischen Band 1 und Band 2 liegt, ist dies sehr hilfreich, um auch nach längerer Lesepause wieder in die Welt der „besonderen Kinder“ hineinzufinden und eine gelungene Übersicht zu erhalten, an denen sich andere Werke ein Beispiel nehmen können.
Anschließend knüpft „Die Stadt der besonderen Kinder“ nahtlos an die Geschehnisse des Vorgängers an und der Leser wird direkt in die Handlung katapultiert.

Die Gruppe der besonderen Kinder ist auf der Flucht. Nicht nur die sogenannten Hollows und Wights sind ihnen auf den Fersen, auch die Zeit sitzt ihnen im Nacken, denn nur wenige Tage bleiben den Kindern, um ihre Headmistress, Alma LeFay Peregrine, aus ihrer Vogelgestalt zu befreien …

Neben der Weiterführung der Handlung aus Band 1 lüftet Ransom Riggs weitere Geheimnisse rund um sein Universum der besonderen Kinder, darunter die Absichten der Gegner unserer Protagonistengruppe. Doch gerade durch die außergewöhnliche Aufmachung des Buches und die detaillierte Ausarbeitung der einzelnen liebenswürdigen besonderen Charaktere geht der Grundgedanke, der sich dahinter versteckt (nämlich sich über die Menschheit zu stellen; diese zu versklaven, statt selbst versklavt zu werden. Ein altbekanntes Motiv, das in Politik und Gesellschaft auch heute noch immer wieder eine Rolle spielt), ein wenig unter und das, obwohl die Grundzüge dazu in Band 2 an Profil gewinnen und konkret benannt werden. Der Mangel an diesbezüglicher Tiefe und die nur oberflächlich zur Geltung kommenden Aspekte verheißen zugleich aber auch spannende Inhalte in einem weiteren dritten Teil.

Ransom Riggs (Copyright: Tahereh Mafi)

Ransom Riggs (Copyright: Tahereh Mafi)

Die Zeitschleifen und die damit einhergehenden Zeitreise-Elemente, auf die man in „Die Insel der besonderen Kinder“ noch vermehrt traf, spielen in „Die Stadt der besonderen Kinder“ nun mehr eine eher untergeordnete Rolle, sodass die Leser und Figuren nicht ständig zwischen verschiedenen Epochen und Settings wechseln. Vielmehr liegt der Schwerpunkt auf der Stadt London im Jahre 1940. Die Auswirkungen und Folgen des herrschenden Kriegs integriert Ransom Riggs zwar gut, doch auch hier lenken die außergewöhnlichen Figuren an sich sowie die optische Darstellungsform des Romans des Öfteren von der Kulisse ab.

Insgesamt wird in „Die Stadt der besonderen Kinder“ also viel geboten, doch ebenso viel rückt auch ungewollt zu sehr in den Hintergrund. Nichtsdestotrotz gewinnt der Leser ein gutes Gesamtbild, dominiert von einer wundervollen Atmosphäre, die mal schaurig, mal emotional und überwiegend spannend ausfällt, das auf einen dritten Band vorbereitet. Damit bleibt die vorliegende Fortsetzung jedoch gleichzeitig hinter den Erwartungen zurück, denn mit dem starken Auftakt der Reihe kann „Die Stadt der besonderen Kinder“ nicht ganz mithalten. Gesamt gesehen ist „Die Stadt der besonderen Kinder“ somit eine klassische Überbrückung innerhalb einer Reihe, die trotzdem die Lust auf weitere Lektüre von Ransom Riggs nicht schmälert.

Inhalt

Die Fortsetzung von „Die Insel der besonderen Kinder“

Mit Müh und Not konnten Jacob und die besonderen Kinder aus der Zeitschleife, der Insel Cairnholm, fliehen. Nun sind sie im kriegsgebeutelten England gestrandet, immer noch verfolgt und ohne Beistand von Miss Peregrine, die sich nicht mehr in ihre Menschengestalt verwandeln kann. Um Miss Peregrine zu retten, brauchen die Kinder eine andere Magierin. Gerüchteweise lebt eine in London, und so machen sie sich auf den gefährlichen Weg in die zerbombte Stadt, nicht ahnend, dass ihnen ausgerechnet dort die größte Gefahr droht.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Ransom Riggs wuchs in einem kleinen Fischerdorf im südlichen Florida auf, einer Region, in der sich viele Amerikaner zur Ruhe setzen. Um nicht vor Langeweile zu sterben, begann er, in Musikbands zu spielen und mit seinen Freunden Filme zu drehen. Später studierte er in Ohio und Los Angeles Literatur und Filmproduktion.
Ransom Riggs dreht heute Werbefilme für Firmen wie Absolut Vodka und Nissan und arbeitet als Drehbuchautor, Journalist und Fotograf.

(Quelle: Knaur Verlag)

Ransom Riggs – Homepage
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Reihe

Band 01 – Die Insel der besonderen Kinder
Band 02 – Die Stadt der besonderen Kinder

Details

Format: Hardcover mit Schutzumschlag
Vö-Datum: 02.02.2015
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3-426-65358-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde