Review

Mit „Der Atlas der besonderen Kinder“ setzt Autor Ransom Riggs seinen Ausflug in die Besonderenwelt weiter fort.

An ihr erfreuen sich seit drei Teilen und dem Kurzgeschichtenband „Die Legenden der besonderen Kinder“ nicht nur zahlreiche Leser gut geschriebener, innovativer Fantasy, sondern auch Regisseur Tim Burton, der den Auftakt bereits verfilmt hat.

Ein neues Abenteuer

Laut Klappentext ist in „Der Atlas der besonderen Kinder“ das „bislang größte Abenteuer“ der inzwischen ans Herz gewachsenen Charaktere zu erwarten.

Doch bevor es abenteuerlich, geschweige denn spannend losgeht, gönnt Riggs seinen Lesern zunächst eine mehrseitige, sich über viele Kapitel erstreckende Eingewöhnungsphase, um nach längerer Abstinenz (der letzte reguläre Band aus der „Besondere Kinder“-Reihe erschien mit „Die Bibliothek der besonderen Kinder“ schon 2016) wieder in seinem erdachten Universum mit all seinen Anders- und Einzigartigkeiten anzukommen.

Die Besonderenwelt in Amerika

Dabei liegt der Fokus zunächst auf Protagonist Jacob, während Riggs zusätzlich eine Art „verdrehte Welt“ präsentiert. Denn platzierte er bislang seine besonderen Kinder in die ihnen vorbehaltenen Zeitschleifen und somit in die ihnen gewohnte Welt, die gerne auch mal Zeitsprünge (zurück in die Vergangenheit) umfasste, konfrontiert er sie nunmehr mit dem „realen“ Amerika der Gegenwart.

Durch diesen Schauplatzwechsel (von meist England in Band 1-3 nach Amerika) ist es in Band 4 nicht mehr nur an Jacob, sich in der Welt der Besonderen zurechtzufinden, sondern vielmehr an den Besonderen, die Begebenheiten der Neuzeit kennenzulernen.

Diese „Anpassung“ geht nicht selten mit einigen humorvollen Textpassagen einher. Diese gewinnen insbesondere dann an Witz und Charme, sofern der Leser bereits mit den Figuren ein wenig vertraut ist. Diesbezüglich ist es prinzipiell ratsam, die Vorgängerbände bereits gelesen zu haben, um mit den „Fachtermini“ und Charakteren komplikationslos und verstehend umgehen zu können.

Roadtrip ohne Spannungsaufbau

Gelingt dies, entfaltet sich auf 512 Seiten ein fantastischer Roadtrip, der dem Titel „Der Atlas der besonderen Kinder“ Sinn verleiht. Zu kurz kommt dabei aber der Spannungsaufbau. Der Autor verpasst es lange Zeit, bis die Handlung an diesbezügliche Fahrt aufnimmt. Stattdessen gibt es unterhaltsame, aber wenig in der Handlung weiterführende Lehrstunden über Freundschaft, Andersartigkeit und dessen Akzeptanz und Toleranz sowie einige Hintergrundinformationen rund um die Welt der besonderen Kinder.

Lässt ein wahres und gefährliches Abenteuer somit zunächst lange auf sich warten, gibt Riggs im letzten Drittel des Buches alles und beendet den „Atlas der besonderen Kinder“ mit einem Cliffhanger, der die einstige Trilogie weitere Ausmaße annehmen und einen fünften Band erahnen und erwarten lässt – ganz zur Freude seiner Fans.

Für das Auge

Die für den Roman passend ausgesuchten Fotografien integriert Riggs bewährt und hervorragend in die Handlung.

Doch nicht nur im Inneren macht das Buch mit seinen teils farbigen, teils in sepia oder schwarz-weiß gehaltenen Bildern eine gute Figur. Auch das Coverartwork und der Schutzumschlag des Hardcovers können sich sehen lassen und fügen sich – diesmal in blau gehalten – homogen in die Optik der bisherigen Veröffentlichungen der Reihe ein.

Schreiblust führt zu Leselust

Ransom Riggs (Copyright: Tahereh Mafi)

Es ist dem vierten Band der ursprünglich als Dreiteiler angelegten Reihe schon etwas anzumerken, dass die Geschichte um die Besonderenwelt ein wenig gestreckt wurde. Dennoch geht Riggs in seinem erdachten Universum einmal mehr auf. Diese Schreiblust überträgt sich zudem auf die Leselust. Das führt dazu, dass sich die Seiten des Romans beinahe wie von selbst umblättern – auch aus dem Grund, um endlich das angekündigte Abenteuer zu erleben.

Die weiterhin liebevolle Ausarbeitung seiner Figuren findet sich im aktuellen Teil ebenso wieder wie das Buch seinen Platz im Bereich der „besonderen Bücher“ innerhalb des Genres rechtfertigt.

Fazit

Und so geht der Zauber der Besonderenwelt, den die Reihe bislang verströmte, auch dieses Mal nicht wirkungslos am Leser vorbei, wenngleich „Der Atlas der besonderen Kinder“ eher einen Überbrückungsstatus zu einem nächsten Band einnimmt und etwas öfter auf den Punkt hätte kommen können.

Trailer zur Verfilmung

Handlung

Die lang erwartete Fortsetzung von Ransom Riggs‘ herausragender Bestseller-Serie

Sie leben sicher im Verborgenen, an Orten außerhalb der Zeit: die Besonderen, Menschen mit faszinierenden, absurden und skurrilen Fähigkeiten.

Jacob, Emma und ihre Lehrerin Miss Peregrine sind solche Besonderen. Nachdem sie eine große Bedrohung für ihre Welt ausschalten konnten, sind sie in Jacobs Heimat Florida zurückgekehrt. Dort stoßen sie auf zahllose unerforschte Zeitschleifen, in denen die Besonderen ohne Regeln und ohne Beschützer leben. Als Jacob beginnt, das geheimnisvolle Vermächtnis seines Großvaters Abe zu erforschen, beginnt für ihn, Emma und Miss Peregrine ihr bislang größtes Abenteuer.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Ransom Riggs wuchs in einem kleinen Fischerdorf im südlichen Florida auf, einer Region, in der sich viele Amerikaner zur Ruhe setzen. Um nicht vor Langeweile zu sterben, begann er, in Musikbands zu spielen und mit seinen Freunden Filme zu drehen. Später studierte er in Ohio und Los Angeles Literatur und Filmproduktion.
Ransom Riggs dreht heute Werbefilme für Firmen wie Absolut Vodka und Nissan und arbeitet als Drehbuchautor, Journalist und Fotograf.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Reihe

Die Insel der besonderen Kinder (Band 01)
Die Stadt der besonderen Kinder (Band 02)
Die Bibliothek der besonderen Kinder (Band 03)
Der Atlas der besonderen Kinder (Band 04)

Die Legenden der besonderen Kinder

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 01.03.2019
Seitenzahl: 512
ISBN: 978-3-426-22657-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde