Review

Oft genug führte „Providence“ den Stapel meiner zu lesenden Werke an, um dann immer wieder nach unten korrigiert zu werden. Verantwortlich dafür war und ist der Respekt vor dem Comic.
„Providence“ stammt nicht nur von einem der bärtigsten Menschen, Alan Moore, nein, zudem zielt er voll auf die Freunde von H.P. Lovecraft ab und diesbezüglich muss ich gestehen, dass ich bislang keine Berührungspunkte zum lovecraftschen Universum hatte. Viele andere jedoch auch nicht, weshalb ich den Selbstversuch gewagt habe, den Comic zu lesen. Ob also auch Unwissende dieses als „Watchmen des Horrors“ betitelte Glanzwerk genießen können?

Die Story spielt im Jahre 1919. Journalist Robert Black lebt in New York und verdient seine Brötchen beim New York Herald, einer Zeitung. Klingt schon ein wenig nach Comic-/Superhelden-Klischee.

Eingangs werden wir Teil seiner zerbrochenen Liebesgeschichte zu Jonathan. Ja, Robert ist schwul, was in seiner Zeit den Tod bedeuten kann. Beim Herald sucht man indes nach Storys, irgendein Kracher muss her. Robert interessiert sich seit Längerem für okkulte Literatur bzw. für ein Buch, durch das einige Menschen nach dem Lesen gestorben sein sollen. Seine Kollegen und er kommen zu dem Schluss, dass sie aktuell nichts anderes in der Pipeline haben, weshalb Robert den Zuschlag zur Story erhält. Ein gewisser Dr. Alvarez soll ihm hier mehr Auskunft geben können.

Dies ist nur der erste Charakter, den Robert auf seiner Reise trifft. Nach und nach werden ihm bestimmte Personen empfohlen, um seine Wissbegier weiter voranzutreiben. Alle sind sehr interessant und sehr skurril bis total krank. Durch seine Detektivarbeit taucht er immer mehr in das okkulte Hauptthema rund um Mythen, merkwürdige Stämme oder gar Höhlen mit sonderbaren Wesen ein.

Die regelmäßigen Flashbacks gewähren dem Leser einen Eindruck von Robert Blacks Leben. Die Träume, die sich dazugesellen, sind so dermaßen abgedreht und gruselig, dass man nach dem Lesen recht schwierig in den Schlaf findet. Das liegt größenteils an der Möglichkeit, dass solch eine Welt wirklich existieren könnte. Themen wie Inzest, im Keller gehaltene Kreaturen oder nicht heilbare Krankheiten sind kein Hirngespinst, sondern Realität.

Seine Eindrücke hält Robert in einem Tagebuch fest, welches eigentlich als Kollektarium gedacht war. Diese Seiten werdet ihr lesen und das in seiner ungeschönten Form. Sie sind stimmungsvoll und recht anstrengend. Darüber hinaus tragen sie zur düsteren Atmosphäre bei.

In vier Akten erzählt, erlebt man immer eine andere Story, die allerdings insgesamt aufeinander aufbauen. Das zieht den Leser in den Bann, nur ist es für einen Neueinsteiger, wenn auch Alan Moore Freund, unfassbar schwer, hier den roten Faden zu behalten. Viele Anspielungen werden nicht verstanden und erst beim zweiten oder 20. Blick sichtbar. Ohne Hintergrundwissen oder Google werden die meisten verloren sein.

Womit sich allerdings viele anfreunden werden, sind die Zeichnungen. Jacen Burrows bringt die bedrückende und doch lebhafte Welt aus „Providence“ auf das Papier und visualisiert sie nicht nur extrem böse, sondern auch aktiv und voller Energie.

Was bleibt zu sagen? Würde ich „Providence“ Neueinsteigern empfehlen? Auf gar keinen Fall! War er dennoch super? Auf jeden Fall!
Zwar muss man sich sehr viel mit der Materie befassen, aber vielleicht ist gerade das der Start für viele, um sich dem Thema H.P Lovecraft etwas intensiver zu nähern. Die Atmosphäre ist einmalig und die Geschichte noch offen. Eine gewisse Vorfreude auf Kommendes besteht definitiv.

Inhalt

Alan Moore ist der profilierteste Comic-Autor aller Zeiten. Seine neue Serie „Providence“, die das Werk von H. P. Lovecraft dekonstruiert und neu interpretiert, wird als „Watchmen des Horrors“ gefeiert. Und so, wie „From Hell“ eine Meditation über Jack the Ripper war, ist Providence eine intensive Geschichte über Lovecrafts Kosmos und die Welt in den Schatten.

Für alle Leser von Neonomicon, Watchmen und From Hell.

(Quelle: Panini Comics)

Autoren

Alan Moore (* 18. November 1953 in Northampton, Northamptonshire, England) ist ein britischer Schriftsteller und Autor von Comics.

(Quelle: Wikipedia)

Alan Moore – Facebook
Alan Moore – Twitter

Jacen Burrows (Zeichner)
ist ein amerikanischer Comicbuch-Künstler, der für die Arbeit an verschiedenen Büchern von Avatar Press bekannt ist.

(Quelle: Wikipedia)

Details

Format: A4, Softcover
Vö-Datum: 09.12.2015
Originalausgaben: Providence 1-4
Seitenzahl: 176
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Marcus