Review

Auch wenn der ganz große globale Hype rund um das Mobile-Spiel „Pokémon GO“ inzwischen vorüber ist und die Menschen nicht mehr allerorts mit ihren Smartphones durch die Gegend laufen, um sich alle Pokémon zu schnappen, so bescherte das Spiel den kleinen Monstern zum 20. Geburtstag im Jahr 2016 (20-jähriges Jubiläum der ersten Game Boy-Spiele von 1996) doch so etwas wie ihren zweiten Frühling. Ebenfalls 2016 erschienen dann auch noch zwei neue Pokémon-Titel für den Nintendo 3DS, und zwar „Pokémon Sonne“ und „Pokémon Mond“.

In diesem Zusammenhang ist es erfreulich zu sehen, dass auch Panini Manga die nostalgischen Gefühle seiner Leser befriedigen möchte und mit dieser Ausgabe bereits den sechsten Teil der „Pokémon – Die ersten Abenteuer“-Reihe auf den deutschen Markt bringt.

Im Vordergrund dieser Story steht (grundsätzlich) Rot, ein in Pokémon vernarrter Junge, der zu einer aufregenden Reise aufbricht. Die Hauptfigur mag Ash Ketchum, dem Hauptcharakter des Pokémon-Animes, zwar zum Verwechseln ähnlich sehen, ist aber ein (gänzlich) anderer Charakter; er basiert eher auf dem Held der ersten Game Boy-Spiele aus den Editionen Blau und Rot. In „Pokémon – Die ersten Abenteuer: Bd. 6“ ist Rots Rolle jedoch weniger prominent, denn seit seinem Duell mit Bruno von den Top Vier gilt er als vermisst.

Damit kommen wir auch direkt zur Handlung der vorliegenden Ausgabe: Die eben erwähnten Top Vier, bestehend aus den Mitgliedern Agathe, Bruno, Lorelei und Siegfried (Kanto-Top Vier der ersten Generation), sind eine Gruppe von äußerst fähigen Pokémon-Trainern, die sogar die Arenaleiter in den Schatten stellen. Im Gegensatz zu den Game Boy-Spielen ist die Gruppe hier jedoch etwas radikaler ausgestaltet, denn sie möchte nichts anderes, als sich eines Großteils der Menschheit zu entledigen. Lorelei erklärt das folgendermaßen:

Die Koexistenz von Menschen und Pokémon könnte sich als schwierig herausstellen (…) Wenn man nur eine handvoll fähige Trainer übriglassen und die Menschen von dieser Erde vertreiben könnte, wäre das eine ideale Welt für Pokémon.

Es handelt sich also um eine Art Tierschutz 2.0 (in extremer Ausprägung). Um dieser globalen Gefahr begegnen zu können, müssen sich die Trainer Grün, Blau, Gelb, Bill und Arenaleiter Pyro mit den drei Vorständen von Team Rocket, nämlich Sabrina, Koga und Major Bob zusammentun, denn der „Feind des Feindes ist sozusagen ein Verbündeter“. Die Kämpfe können beginnen!

Vorweg muss man sagen, dass Rot einfach ein sehr viel angenehmerer Hauptcharakter als Ash, der Held aus dem Anime, ist. Ein ums andere Mal dürfte Ash nicht nur den Verfasser in seiner Jugend in den Wahnsinn getrieben haben, wenn er etwa seine am weitesten entwickelten Pokémon, wie z.B. Smettbo, Tauboss oder (zwischenzeitlich) Glurak, freigelassen oder in Kämpfen zwar mit großem Mut und Ehrgeiz, aber auch mit ebenso großer Unwissenheit und Dilettantismus geglänzt hat. Nicht so aber Rot aus Alabastia, der auch der beste Pokémon-Trainer der Welt werden will, sich dabei aber längst nicht so ungeschickt anstellt; denn Rot verfügt nicht nur über hoch entwickelte und besonders mächtige Pokémon, sondern weiß diese auch noch virtuos einzusetzen. Im Zweifel ist das Geschmackssache, aber auf Dauer macht der versierte Held wohl mehr her als der charmante und ehrgeizige „Loser“.

„Pokémon – Die ersten Abenteuer“ mischt hervorragend Nostalgisches mit innovativen Ideen; da macht es auch nicht allzu viel aus, dass die Story in diesem Band nicht brillant ist. Autor Hidenori Kusaka entwickelt hier eine selbstständige Story mit einem ganz eigenen Ton.

Zeichner Mato nimmt sich in Bezug auf die (klassischen) Pokémon erfreulicherweise in seiner Kreativität zurück, sodass diese ihren hergebrachten Charme versprühen. Durch den gelegentlichen Einsatz des Chibi-Stils gewinnt die Serie aber auch optisch an Eigenständigkeit dazu.

Gerade für Pokémon-Fans der ersten Stunde liefert die Serie „Pokémon – Die ersten Abenteuer“ somit eine wunderbare Mischung aus Nostalgie und Neuschöpfung.

Inhalt

Auf der Suche nach dem verschollenen Rot begegnet Gelb Pyro, dem Arenaleiter der Zinnoberinsel …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Hidenori Kusaka
ist der Autor verschiedener Pokémon-Manga, insbesondere des Mangas Pocket Monsters SPECIAL, an dem er seit dem 1997 erschienenen ersten Band arbeitet. Darüber hinaus verfasste er auch die Handlung des exklusiv für Mitglieder des Pokémon Daisuki Clubs veröffentlichten Pokémon-Ranger-Mangas. Seinen eigenen Angaben zufolge spielt er leidenschaftlich gerne Videospiele und hat sich von diesen zu den von ihm verfassten Manga inspirieren lassen.

(Quelle: PokéWiki)

Hidenori Kusaka – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 28.02.2017
Seitenzahl: 212
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)