Review

Das Erbe von Dan Slott

Seine großen Abenteuer in den letzten Jahren erlebte der Netzschwinger Peter Parker unter der Federführung von Autor Dan Slott. Dieser verpflanzte nicht nur Spider-Mans Erzfeind Dr. Octopus – vorübergehend – in den Körper und das Leben von Peter Parker und machte ihn zum fiesen Superior Spider-Man, nein, er machte den Spinnenheld – zeitweilig – auch zum Industriekapitän und Chef seiner eigenen international agierenden Firma Parker Industries und noch so vieles mehr. Nicht zuletzt ersann Slott mit „Spider-Man: Spider-Verse“ rund um alle Parallelwelt-Netzköpfe auch die maßgebliche Vorlage für Marvels oscarprämierten Animationsfilm „Spider-Man: A New Universe“.

Doch der Mann, der zehn Jahre lang die Welt von Spidey prägte, führt nun Iron Man in die Ära von „Fresh Start“. Den Auftakt mit „Tony Stark – Iron Man 1: Die Rückkehr einer Legende“ haben wir bereits unter die Lupe genommen.

Frischer Wind

Nunmehr übernimmt der begnadete „Captain America“– und „Secret Empire“-Autor Nick Spencer die monatliche Spidey-Heftserie und hinterlässt nach dem ersten Heft – wie erwartet und erhofft – einen sehr positiven Eindruck.

Peter ist wieder in seiner Paraderolle als notorischer Pechvogel und Pleitegeier unterwegs, allerdings mit der Aussicht, wieder mit der einzig wahren Mary Jane Watson anzubändeln.

Der spektakuläre Spider-Man

Dessen ungeachtet darf sich Autor Chip Zdarsky in der Serie „Peter Parker: The Spectacular Spider-Man“ austoben, die hierzulande im Paperback-Format erscheint.

In seinem Auftakt-Band „Peter Parker – Der spektakuläre Spider-Man 1: Im Netz der Nostalgie“ schickt er Spider-Man, seine „Schwester“ Teresa und J. Jonah Jameson, der mittlerweile die wahre Identität des Wandkrabblers kennt und ihn tatkräftig unterstützt, in die Vergangenheit.
Vordergründiger Zweck dieser verrückten Zeitreise ist es, eine künftige Katastrophe abzuwenden, für die der geniale Superschurke Tinkerer verantwortlich sein soll.

Indes gibt dieser nostalgische Trip dem Kreativteam die Gelegenheit, ikonische Szenen neu zu beleuchten, ohne entscheidenden Einfluss auf die Kontinuität der Marvel-Hauptwelt zu nehmen. 

Zeitreise-Abenteuer mit dem Netzschwinger

In einer alternativen Vergangenheit wollen Spidey, seine Schwester (?) Teresa und J. Jonah Jameson Informationen über eine bevorstehende Alien-Invasion der Vedomi sammeln.
Dort treffen sie vor allem auf einen noch grünschnabeligen Pete – zum Glück ohne Konsequenzen „für das Raum-Zeit-Kontinuum“ („Doc“ Brown lässt grüßen) – sowie auf Nick Fury und Spideys Nemesis, den Grünen Kobold.

Das Eingreifen der drei Zeitreisenden resultiert allerdings in einer düsteren, alternativen Zukunftsvision, in der Peter Parker sein Kostüm an den Nagel gehängt hat, der skrupellose Grüne Kobold herrscht und die Avengers sich in den Untergrund zurückgezogen haben. 

So muss unser kostümierter Held feststellen, dass er in der Vergangenheit einen Fehler gemacht hat, und sein Parallel-Ich nun daran erinnern, dass mit großer Kraft auch große Verantwortung einhergeht.

Bewertung

Leseprobe aus „Peter Parker – Der spektakuläre Spider-Man 1: Im Netz der Nostalgie“ (Copyright: Panini Comics)

Meines Erachtens tut der geneigte Leser gut daran, die vorliegende Spidey-Story nicht allzu sehr auf Logik abzuklopfen. In diesem Zusammenhang könnte er sich nämlich durchaus die Frage stellen, warum Autor Chip Zdarsky den freundlichen Netzschwinger aus der Nachbarschaft, Teresa und J.J.J. in die Vergangenheit einer alternativen Welt schickt, um dort Informationen über Ereignisse in ihrer Realität aufzuspüren. Womöglich ist mir dieser Aspekt des Zeitreise-Abenteuers aber auch entgangen.

Wie dem auch sei. Denn abgesehen davon ist „Peter Parker – Der spektakuläre Spider-Man 1: Im Netz der Nostalgie“ einfach purer nostalgischer Spaß, der wunderbar kurzweilige, wenn auch recht belanglose Unterhaltung bietet.

Die Begegnung mit dem jungen Peter Parker gelingt herrlich charmant und humorvoll. Die Zeitreise-Konstellation gibt die Möglichkeit, klassische Momente der Spidey-Historie in abgewandelter Form neu zu präsentieren. Darüber hinaus ist Zdarsky die Figurenzeichnung gelungen. Petes „Schwester“ Teresa bekommt emotionale Momente und Tiefe und insbesondere der gute alte Jonah gewinnt in seiner neuen Rolle als Unterstützer des Netzschwingers noch mehr an Profil und Sympathie.

Das Artwork

Zudem profitiert der Auftakt von einem wahren Künstlerkollektiv, in dem sich ausgewählte und wunderbare Zeichner finden: Adam Kubert, Joe Quinones, Pop-Art-Genie Mike Allred („Silver Surfer Megaband: Was Surfer wollen“), Chris Bachalo sowie Goran Parlov veredeln das Erzählte.

Fazit

Die Idee von Marvel Neustart – Die echten Helden sind zurück!“ wird in diesem Auftakt auf den Punkt gebracht: Neue Ideen verpackt in eine Zeitreise-Geschichte mit Retro- und Pop-Art-Artwork. Der Band liefert mehr als eine Andeutung der Qualitäten, die in Chip Zdarsky stecken. Wir sind gespannt, wo das noch hinführt.

Inhalt

Spidey auf Zeitreise!

Um die Welt vor einer Alien-Invasion zu retten, reisen Spider-Man, seine „Schwester“ Teresa und J. Jonah Jameson in die Vergangenheit. Dort treffen sie den jungen Peter, Nick Fury und den Grünen Kobold. Doch auch die Zukunft wird zum gefährlichen Ort, obwohl Peters bester Freund Präsident ist und seine große Liebe lebt …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Chip Zdarsky
(*21. Dezember 1975) ist ein kanadischer Comiczeichner, Schriftsteller, Journalist, Illustrator und Designer.
Er arbeitete u.a. über ein Jahrzehnt und bis 2014 für die National Post als Illustrator und Humorist (als Steve Murray).

Er verwendet das Zdarsky-Pseudonym für Comics-bezogene Arbeiten.

(Quelle: Wikipedia)

Chip Zdarsky – Homepage
Chip Zdarsky – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 08.01.2019
Originalausgaben: Peter Parker: Spectacular Spider-Man 300(II) / 301-305 / Annual 1
Seitenzahl: 156
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)