Review

Abseits der klassischen Superhelden-Comics von Marvel oder DC gibt es noch massig andere, darunter der noch Ende letzten Jahres erschienene zweite Band zu „Outcast“.
Dabei handelt es sich um das neue Werk des Horrormeisters Robert Kirkman, besser bekannt als Zombieliebhaber und Erfinder der allseits beliebten Comic- und Serienreihe „The Walking Dead“.
In „Outcast“ geht es jedoch nicht um die Hirnlosen, sondern um das Thema Exorzismus und den unfassbar vielen Fehlern von Figur Kyle.

Kyle hat Schlimmes erlebt. Sein ganzes Leben ist von Trauer, Leid und Einsamkeit gezeichnet. Auch jetzt noch tut er vielen Leuten in seinem Umfeld weh. Doch er hat nun die Chance, etwas Gutes zu tun.
In Band 1, „Outcast 1: Im Reich der Finsternis“, wurde seine Herkunft und aktuelle Lebenslange thematisiert. Der aktuelle Band, „Outcast 2: Unermesslicher und endloser Zerfall“, geht einen Schritt weiter und zeigt ihn beim Aufbau eines neuen Lebens.

Kyle umgibt eine merkwürdige Macht, sodass er von Besessenen als „Outcast“ bezeichnet wird. Was es damit auf sich hat, wird wohl erst in den folgenden Bänden etwas durchsichtiger. Jetzt ist aber schon klar, dass die Story endlich an Fahrt aufnimmt und langsam beginnt, interessant zu werden: Reverend Anderson, nebenher Exorzist, der in der Nachbarschaft gerne mal aushilft und versucht, Kinder und Erwachsene zu heilen, hat direkt mit dem Teufel zu tun und Kyle versucht, einiges aus seiner Vergangenheit wieder ins Reine zu bringen.
Teilweise blieb mir persönlich die Spucke weg, wie viel Schlechtes einem Menschen widerfahren kann. Klar ist das hier nur ein Comic, aber gerade wenn jener so zu packen weiß, steckt einfach mehr dahinter.

Vor allem muss man diese völlig fertigen Charaktere, die Kirkman erschafft, einfach lieben; dazu die stereotypen amerikanischen Personen. Er erschafft ein Phantasie-Universum um eine reale Welt, die sich nach und nach selbst auseinandernimmt.

Kirkman hat zudem ein Händchen für parallele Handlungsstränge. Die funktionieren in „Outcast“ ebenfalls wieder richtig gut und sind extrem spannend. Das liegt wohl auch an den derben Themen, die er aufgreift. Vergewaltigung, Mord und Verstümmlung sind keine Unbekannten und finden in Bezug auf den Exorzismus natürlich ihren Platz in diesem Band. Den Zwiespalt, den die beiden Hauptpersonen fühlen und nicht wissen, ob sie das Richtige tun oder gar seit Jahren vergebens agieren, bindet Kirkman außerdem gut in die Story ein.

Leseprobe aus "Outcast #2" (Copyright: Cross Cult)

Leseprobe aus „Outcast #2“ (Copyright: Cross Cult)

Überzeugend fallen auch die filmischen Elemente aus. Beispielsweise treffen sich zwei Personen in einem Café und Kirkman nutzt ein Panel, um die Unterhaltung aus der Ferne zu zeigen. So etwas sieht man sonst nur im Film. Im Comic öffnet das die gesamte Szenerie. Wirklich interessant zu sehen!

Auf dem Cover benutzt Zeichner Paul Azaceta extreme Neonfarben, die für Beklemmung sorgen. Abseits davon bleibt „Outcast“ farblich recht leblos, was bei der Grundstimmung der Reihe wie die Faust aufs Auge passt. Düster, traurig und depressiv beschreibt die bisherigen „Outcast“-Bände sehr gut. Ein wenig Hoffnung schwingt zwar mit, aber die ist verschwindend gering.

Lag „Outcast #1“ eher im Winterschlaf, ist dem zweiten Band ein deutlicher Schritt in Richtung Handlung gelungen. Langsam driften wir in diese verquere Welt ab und lassen uns von ihr einsaugen. Dabei kann der Band mit normalen Charakteren wie auch mit den besonderen überzeugen. Kirkman ist einfach ein Meister der Handlung. Wer also langsam genug von den Hirnfressern hat, der sollte sich hier sehr gut unterhalten fühlen. Einzig die dennoch langsam in Gang kommende Handlung ist etwas belastend, aber dadurch kann man sich immer wieder auf das neuste Werk freuen.

Inhalt

Im Lichte jüngster Enthüllungen glaubt Kyle, nach und nach Antworten auf seine Fragen zu erhalten und dass sich die Dinge langsam zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Doch während sich für ihn dadurch ein neuer Daseinsgrund ergibt, scheint Reverend Andersons Leben in die Brüche zu gehen. Und so muss Kyle schließlich mit ansehen, wie der Reverend eisern darum kämpft, seinen Wert im Angesicht unerbittlicher Niederlagen zu beweisen.

(Quelle: Cross-Cult)

Autor

Robert Kirkman (Autor):

Robert Kirkman (*30. November 1978 in Richmond, Kentucky) ist ein US-amerikanischer Comic- und (Dreh-)Buchautor, bekannt durch die Comicserie „The Walking Dead“.

(Quelle: Wikipedia)

Robert Kirkman – Twitter

Paul Azaceta (Zeichner):

Paul Azaceta ist ein in New Jersey ansässiger Künstler mit einem einfachen, aber kühnen Stil. Seine bisherige Arbeit umfasst Daredevil, Spider-Man, Punisher Noir und BPRD 1946.

(Quelle: Cross Cult)

Paul Azaceta – Blog
Paul Azaceta – Twitter

Details

Format: A4, Hardcover
Vö-Datum: 21.12.2015
Seitenzahl: 160
ISBN: 978-3-86425-805-3
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Marcus
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