Review

Der alte Mann und der Weltraum

Erst in jüngster Vergangenheit hat Autor Ethan Sacks mit „Old Man Hawkeye 1 (von 2): Auge um Auge“ & „Old Man Hawkeye 2 (von 2): Das Vermächtnis“ gekonnt eine Vorgeschichte zu Mark Millars und Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ inszeniert (immerhin Platz 7 unserer Comic-Highlights des Jahres 2019). In der dystopischen, postapokalyptischen Zukunftsvision verfolgen die Leser den brutalen Kreuzzug des fast blinden Bogenschützen Hawkeye Clint Barton – großartig bebildert von Zeichner Marco Checchetto.

Nun widmet sich Sacks erneut dieser verwüsteten Ödnis voller Gewalt und Trostlosigkeit. Protagonist im neuerlichen Auftakt „Old Man Quill 1: Star-Lords Vermächtnis“ ist indessen – wie der Name schon sagt – Star-Lord alias Peter Quill alias Anführer der Guardians of the Galaxy.

Der Weltraumabenteurer hatte mit der Welt von Old Man Logan bislang herzlich wenig zu tun. Man darf also gespannt sein, wie der Autor den Draufgänger, galaktischen Glücksritter und Outlaw in diese düstere Welt von Morgen integriert.

Der erste Band umfasst die US-Ausgaben „Old Man Quill #1-6“ der insgesamt zwölfteiligen Mini-Serie.

Inhalt

In einer fernen Zukunft sind Frohnatur Star-Lord und seine Guardians of the Galaxy getrennte Wege gegangen. Der einstige Weltenbummler ist jedoch kein isolierter Space-Avenger geworden, sondern Star-Lord, der angesehene König von Spartax. Er ist inzwischen ein verheirateter Mann und Vater und hat sein Leben als Gauner hinter sich gelassen.

Eines Tages bekommt es der Ex-Anführer der Guardians allerdings mit der fanatischen universellen Kirche der Wahrheit zu tun, einem alten Feind aus früheren Tagen. Spartax wird vernichtet. Peter Quill ist ein gebrochener Mann, der weder seine Familie, noch seine Heimatwelt schützen konnte.

Doch dann kehren die ruhmreichen Guardians of the Galaxy um Drax, Rocket Raccoon, Gamora und Mantis in sein Leben zurück – lediglich das liebenswerte Baum-Alien Groot fehlt. Der verbitterte alte Mann soll für eine weitere Mission als Anführer der Krieger des Alls rekrutiert werden. Telepathin Mantis gibt dem König von Spartax zu verstehen, dass es seine Bestimmung sei, im Baxter Building ein Relikt zu finden und die universelle Kirche der Wahrheit aufzuhalten.

In der düsteren Welt „Old Man Logan“ müssen die Space-Avengers feststellen, dass die Helden fielen und das Böse triumphierte. Schurken wie Dr. Doom, Red Skull, Kingpin & Co. haben die Welt unter sich aufgeteilt und eine Schreckensherrschaft errichtet. In dieser trostlosen Welt gelingt es Peter Quill, dem Held auf Abwegen, einen Funken Hoffnung zu entfachen. In einer Gladiatoren-Arena treffen die Guardians auf Peter Parkers Enkelin und Clint Bartons Tochter, Ashley Barton alias Spider-Woman, die sich dem Regime ebenfalls widersetzt.

Bewertung

Im Gegensatz zum Prequel um Ex-Superheld Hawkeye, den meisterhaften Bogenschützen mit ausgeprägter Sehschwäche, der ohnehin schon Bestandteil der klassischen Geschichte und düsteren Welt von „Old Man Logan“ war, wirkt die Verpflanzung von Peter Quill und der Guardians of the Galaxy in diese verwüstete Erde etwas willkürlich. Bisher gelingt es Ethan Sacks auch noch nicht, dem Leser klarzumachen, warum es ausgerechnet der früher so leichtfertige Heißsporn Star-Lord sein soll, der dazu bestimmt ist, die ungerechte Einöde zu erretten. Immerhin wird der Space-Outlaw schon nach kurzer Zeit als einzige legitime Hoffnung der Menschheit dargestellt.

Peter Quill in seiner ungewohnten Rolle als König von Spartax in „Old Man Quill 1“. (Copyright: Panini Comics)

Die Beziehung zwischen den Guardians und ihrem früheren Anführer wird hingegen ganz schön und mitunter auch gefühlvoll in die Story eingearbeitet. Hier gibt es auch noch einige bisher wenig beachtete Aspekte zu erkunden. Wie kam es in dieser Welt zum Ende der Guardians of the Galaxy? Aus welchem Grund hat Weltraumabenteurer Quill seine geliebte Gamora, Ziehtochter des wahnsinnigen Titanen Thanos, zurückgelassen? Und was ist aus dem wortkargen Holzkopf Groot geworden? Noch haben wir sechs weitere Ausgaben vor uns, um zu sehen, ob Sacks all diese Aspekte als eigenständige, zufriedenstellende Geschichte verpacken kann.

Das Artwork der Zeichner Robert Gill und Ibraim Roberson fängt die Eigenheiten dieser postapokalyptischen Zukunft gekonnt ein. Allerdings muss man doch konstatieren, dass die Bilder bislang weder den fantastischen Vorgängern von Steve McNiven, noch den hervorragend nachempfundenen von Zeichner Marco Checchetto in Gänze das Wasser reichen können.

Fazit

„Old Man Quill 1: Star-Lords Vermächtnis“ ist ein von Ethan Sacks überaus solide inszenierter Auftakt einer zukünftigen Guardians of the Galaxy-Geschichte. Die Hintergründe zu Drax, Groot, Rocket, Gamora und Mantis bleiben bisher allerdings weitgehend blass. Star-Lord ist als Retter des Universums eindeutig der Mittelpunkt der Geschichte. Die Verortung des Guardians-Abenteuers in der düsteren Welt von „Old Man Logan“ wirkt eher zufällig. So kann man sich zumindest bis jetzt in gewisser Weise des Eindrucks nicht erwehren, es mit einem Trittbrettfahrer zu tun zu haben.

Inhalt

Ein neues Abenteuer mit den Guardians of the Galaxy in der postapokalyptischen Welt von Old Man Logan!

Der alt gewordene Star-Lord Peter Quill hat alles verloren und gibt sich seiner Verbitterung hin. Trotzdem brauchen ihn die Guardians für eine letzte Mission, die auf eine verwüstete Erde führt, wo Dr. Doom und andere Bösewichte das Sagen haben …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Ethan Sacks
schreibt seit mehr als zwanzig Jahren als Journalist für die New York Daily News über Filme, Fernsehen, Comics und die Geek-Kultur. Außerdem war er Teil eines Teams, das 2009 über die Notwasserlandung eines Airbus und das sogenannte “Wunder vom Hudson” berichtete, wofür er und seine Kollegen Preise von der Society of Silurians und dem New York Press Club erhielten. Eine Zeit lang war er sogar für die amerikanische Comic-Fachzeitschrift Wizard tätig, aktuell schreibt er noch für RealClearLife.

Er porträtierte schon viele Hollywoodstars und startete ein wohltätiges Filmvorführprogramm für Kinder, das durch Auftritte von Marvel-Schauspielern wie Chris Pratt, Paul Rudd, Chris Evans und Robert Downey Jr. unterstützt wird.

Mit seiner Story über Spider-Woman, J. Jonah Jameson und Kraven in SECRET EMPIRE SONDERBAND 3 feierte Sacks sein Debüt als Comic-Autor.

(Quelle: Old Man Hawkeye 2 (von 2): Das Vermächtnis, Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 10.12.2019
Originalausgaben: Old Man Quill 1-6
Seitenzahl: 140
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)