Review

„What the fuck did I just read?“ – Eric Stephensons („They Are Not Like Us“) neue Serie „Nowhere Men“ erscheint aktuell bei Cross Cult. Den ersten Band – „Schlimmer als der Tod“ – habe ich nun nach ein paar recht seltsamen Lese-Sessions hinter mir … aber auch verarbeitet?
Wo Kopfschmerzen und Begeisterung Hand in Hand gehen, lässt einen „Nowhere Men“ halb erschlagen zurück. Wow.

In der neuen Serie, die in den USA bei Image Comics erscheint, sind Wissenschaftler die Rock Stars der Pop-Kultur. Sie sind das Medienthema Nr. 1, die beliebtesten Interviewpartner der Presse, stinkreich und oft auf Drogen.
Simon Grimshaw, Thomas Walker, Emerson Strange und Dade Ellis sind dabei wohl die größten Sterne am Science-Himmel und krempeln mit ihrer Firma „World Corp.“ die Welt gehörig auf links. Ihre Erfindungen sprengen jegliche Vorstellungskraft, revolutionieren das gesellschaftliche Dasein und machen vor allem sich selbst zu beinahe gottgleichen Protagonisten einer futuristischen Szenerie.

Was jedoch kaum bekannt ist: Die heile Welt bröckelt. Skandale und Streitereien sorgen hinter den Kulissen für Unmut und Trennungen. „World Corp.“, in seiner ursprünglichen Form, bricht auseinander.

Einige Jahre später. Ein Forschungsteam der Firma befindet sich auf einer Raumstation, um an einem ambitionierten Projekt zu arbeiten: einer Teleportationsmaschine. Noch vor der Fertigstellung geschehen jedoch einige seltsame Dinge, so wird das Team von einem mysteriösen Virus befallen, das allen Opfern einige unvorhersehbare Veränderungen zufügt. Mutationen physischer wie mentaler Natur. Die Hoffnung auf Rettung längst verloren, sehen sie nur einen Ausweg der Station zu entkommen: die Teleportationsmaschine.

Als Superhelden-Epos für erwachsene Leser wird die Serie beschrieben und trifft damit zumindest teilweise ins Schwarze. Denn mit den Abenteuern unserer geliebten Serien aus dem Marvel und DC Verlag ist „Nowhere Men“ nur bedingt vergleichbar. Die Figuren in „Nowhere Men“ werden nicht durch seltsame Ereignisse zu strahlenden Helden, sondern durchleben Martyrien durch einen viralen Infekt. Irgendwo zwischen Stanislaw Lem und David Cronenberg erfahren sie das Grauen ihres Lebens, verlassen und ohne Hoffnung.

Die "Fab-Four" (Copyright: Image Comics)

Die „Fab-Four“ (Copyright: Image Comics)

Dennoch erinnert das 4-köpfige Protagonisten-Team von „World Corp.“ gut und gerne an eine Mischung aus „Fantastic Four“ und den Beatles. Aber das ist auch der Clou des Comics, Eric Stephensons neuste Schöpfung wirkt wie ein Potpourri popkultureller Querverweise. Der Name selbst entstammt schließlich einem Beatles Song.

Was Stephenson seinen Lesern außerdem bietet, ist eine mehr als komplexe Handlung. Immer wieder wird der Comic von fiktiven Zeitungsartikeln, Interviews, Werbeanzeigen oder Buchauszügen unterbrochen, die die Handlung geschickt weitererzählen und vertiefen. Somit schafft er eine erzählerische Struktur, die den Leser gefangen nimmt, ohne dass er es auf Anhieb merkt, seinen Charakteren Tiefe und vor allem eine Geschichte verpasst. Letztendlich verkompliziert es jedoch auch den Lesefluss, da der Leser förmlich mit Informationen erschlagen wird.

Der Cross Cult Band enthält die ersten sechs Ausgaben der US Serie, die nach dem Leservergnügen wahrscheinlich mehr Fragen als Antworten aufwerfen. „Nowhere Men“ ist Science-Fiction, Mystery und manchmal auch psychedelisch und von der ersten bis zur letzten Seite durchdacht. Teils skurril, manchmal witzig, aber immer originell und komplex. Eric Stephenson tritt hier eine große Tür auf und wenn er das Potenzial auslebt, das der erste Band verspricht, erwartet uns hier Großes. Zwingend empfehlenswert!

Inhalt

Wissenschaft ist der neue Rock ‚N‘ Roll! 
Dieser Ausspruch der vier jungen Wissenschaftler Dade Ellis, Simon Grimshaw, Emerson Strange und Thomas Walker, die mit ihren Forschungsergebnissen und ihrem Unternehmen World Corp. die Welt im Alleingang revolutionieren sollten, ging in die jüngere Geschichte ein. Sie leiteten ein neues Zeitalter der Naturgesetze ein und wurden als „Supergenies“ gefeiert und zu Vorbildern einer ganzen Generation. Doch der Schein trügt, denn hinter den Kulissen ist etwas mächtig schief gegangen … eines der Projekte im Weltall hat sich verselbstständigt und die Rückkehr der Teilnehmer zur Erde wird anders aussehen, als es ihnen versprochen wurde!

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Eric Stephenson (Autor)
Seit 2008 ist Stephenson der Herausgeber und Chef von Image Comics. Unter seiner Führung wurden unter anderem „Saga“ und „The Walking Dead“ zu den US-Vorzeigecomics, die sie heute sind. Außerdem sicherte sich Image Comics den zweiten Platz, als Comicvertrieb mit den meisten Umsätzen, gleich hinter Marvel und sogar vor DC. Bevor er es sich jedoch auf dem Chefsessel des Verlags gemütlich machen konnte, war Stephenson selbst lange Comicbuchautor, was er mit seiner aktuellsten Serie „Nowhere Men“ wieder gekonnt unter Beweis stellt.

(Quelle: Cross Cult)

Eric Stephenson – Image Comics

Nate Bellegarde (Zeichner)
Der Newcomer Nate Bellegarde erarbeitete sich seinen Weg in die Comicbranche größtenteils im Dunstkreis von „The Walking Dead“-Legende Robert Kirkman, indem er zum Beispiel einen Back-Up Strip zu einer der frühsten Werke Kirkmans – „Popeman“ – lieferte. Daraufhin wurde er von Image entdeckt und arbeitet seither an mehreren Mini-Serien mit. „Nowhere Man“ ist die aktuellste Arbeit von Bellegarde und lässt auf eine große Zukunft in der Welt der Comics hoffen.

(Quelle: Cross Cult)

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Details

Format: 16×24, Hardcover
Vö-Datum: 16.09.2014
Originalausgaben: US Nowhere Men 1 – 6
Seitenzahl: 184
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult / Image Comics

Copyright Cover: Cross Cult / Image Comics



Über den Autor

Emu
Emu
“Only nothing is impossible.” - Grant Morrison