Review

Nils Oskamp bringt mit der Graphic Novel „Drei Steine“ seine Geschichte zum Thema Rechtsextremismus zu Papier. Dabei handelt es sich um eine autobiografische Erzählung, wie er selbst in den 80er Jahren die Verbreitung der rechten Gesinnung unter seinen Mitmenschen, deren Propaganda und sogar deren Gewalt am eigenen Leib erfahren hat. Das Werk umfasst einen grafischen und einen informativen Teil, der die Entwicklung des Rechtsextremismus von 1970 bis 2015 schildert.

Schauplatz des Ganzen ist das Dortmund-Dorstfeld der 80er, wo Oskamp mit seiner Familie lebt und zur Schule geht. Schon zu Beginn beschreibt er sein Umfeld, welches sich durch die „Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“ bereits zu verändern beginnt und eine neue Generation von Neonazis hervorbringen sollte. Im Laufe seiner Geschichte zeigt der Autor, zu welchen Extremen diese Menschen fähig sind.

Nils Oskamp taucht seine Zeichnungen in einen blauen Farbton; wohl um ein Gefühl des Rückblicks zu erzeugen, da er immer wieder kurze Schnitte zu seinem erwachsenen Ich zieht, welches seinem Sohn über seine Vergangenheit erzählt. Obwohl auch hier überwiegend Gebrauch von Sepia gemacht wird, wirkt die Szenerie deutlich wärmer und sympathischer. Ein weiteres Stilmittel, um die Handlungsstränge voneinander zu differenzieren.

Ebenfalls wechselt der Stil oft von gescribbelten Bildern auf konstante Linien und wieder zurück. Häufig an den Stellen, in denen Oskamp in seiner Geschichte selbst emotional zu zittern droht. Allerdings kann man davon ausgehen, dass einige Leser aufgrund der Zeichnungen selbst auf Distanz gehalten werden. Man erkennt deutlich Oskamps Hang zum Cartoon, was auch die Dynamik der Geschehnisse ein wenig einschränkt. Stellenweise gibt es dann wiederum ernstere Situationen, in denen sich sein Charakter begibt. Sich als Leser aber selbst in das Ganze einzufinden, fällt dann doch deutlich schwerer.

Vom Musikexpress zu großem Ärger. (Copyright: Panini Comics / Nils Oskamp)

Vom Musikexpress zu großem Ärger. (Copyright: Panini Comics / Nils Oskamp)

Die Informationen im zweiten Teil dieser Graphic Novel lassen den Betrachter das Vorherige schließlich noch einmal mit anderen Augen sehen. Ziemlich nüchtern, aber dennoch detailliert, werden hier Fakten präsentiert, wie sich der Rechtsextremismus in unsere heutige Zeit integriert hat. Einige Aspekte werden einem sicherlich neu sein, daher wirkt „Drei Steine“ mehr wie eine repräsentative Darstellung als nur wie eine Autobiografie. Und mit dem Hintergrund wahrer Geschehnisse wird die Novel dann auch noch authentischer.

Abseits davon stecken in „Drei Steine“ auch noch viele Details wie zum Beispiel ein Protagonist, der sich trotz allem Hasses nicht unterkriegen lässt.
Zudem muss man sich heutzutage sicherlich ein Grinsen bei Namen wie „SS-Heinz“ oder „Skinhead-Erwin“ verkneifen, besonders weil der junge Nils Oskamp selbst den rechten Aktionen mit viel Humor entgegentritt. Man merkt allerdings im weiteren Verlauf, dass es irgendwann nichts mehr zu Lachen gibt. Unter anderem beschreibt Oskamp den Besuch seines besten Freundes Thomas bei einem Propaganda-Treffen in einer Wohnung. Eine der besten Stellen der ganzen Novelle, weil sie einfach so drückend bedrohlich wirkt und gleichzeitig die Ideologie als das darstellt, was sie ist: als kompletten Wahnsinn.

Man kann „Drei Steine“ mit vielen Worten beschreiben. Sie ist unterhaltsam, sie ist informativ und vor allem aufklärend. Oskamp zeigt die Taten auf, zu welchen solche Individuen bereit sind und schafft Bewusstsein für diese Bedrohung, die sich scheinbar unsichtbar ausbreitet und nicht unterschätzt werden sollte. „Drei Steine“ zeigt aber letztlich ebenso auf, dass man sich von Rechtsextremismus nicht unterkriegen lassen sollte.

Trailer

Handlung

Nils wächst in den Achtzigerjahren in Dortmund-Dorstfeld auf. Weil er sich nicht seinen Mitschülern anschließt, die behaupten, der Holocaust sei eine einzige Lüge gewesen, stellen sie sich gegen ihn. Als Schüler kämpft er um sein Überleben, ohne dabei selbst zum Täter zu werden. Die Neonazis, in deren Visier er als Jugendlicher geriet, waren von den Kameraden geworben worden und machen mit dem rechtsextremen Terror, den sie verbreiten, heute noch Schlagzeilen.

Ergreifende Graphic Novel gegen rechte Gewalt mit autobiografischen Zügen. Unterstützt von der Amadeu Antonio Stiftung – Initiativen für Zivilgesellschaft und demokratische Kultur.

(Quelle: Panini)

Autor

Nils, 1969 in Bochum geboren, wächst in Dortmund auf. Neun Jahre später will er, nach einer Überdosis Asterix, Comiczeichner werden. Mit 15 hat er seinen ersten Auftrag als Zeichner.

(Quelle: Nils Oskamp Homepage)

Nils Oskamp – Homepage

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 28.06.2016
Seitenzahl: 144
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Christopher