Review

Dystopisches Zukunftsszenario mit Dinosauriern

Den Hirten und Nomaden Jarri Tschapalt trifft ein echter Schicksalsschlag. Von einer Sekunde auf die andere verliert er ein 300 Jahre altes Erbe, die Dinosaurier-Herde seiner Familie, und damit seine einzige Einkommensquelle. Schuld ist ein Wetterlaster, der die prähistorischen Kreaturen mit Blitzen erschlagen hat.

Jarri, der die Einöde der Wüste und sein Dorf nie verlassen hat, schwört Rache. Um die Reise in die Stadt zu ermöglichen, muss er sich sogar von seinem ständigen Begleiter, dem Dinosaurier Stygo, trennen.

Die Menschen in der modernen Großstadt werden von einer diktatorischen und despotischen Regierung unterdrückt. Kopf der Regierung ist das große „Netz“, das die Menschheit als eine Bedrohung für die Erde wahrnimmt, und alles tut, um die Natur zu schützen. Im Inneren der Stadt hat sich ein Widerstand der Menschen gebildet und Anführer der Rebellion ist der große Kam. Gemeinsam mit seiner Tochter, dem Hirten und Dinosaurierflüsterer Jarri Tschapalt sowie weiteren Anhängern plant die Gruppe eine Revolte gegen das „Netz“.

Mixtur verschiedener Einflüsse

Mit „Negalyod“ von Vincent Perriot präsentiert der Carlsen Verlag einen dystopischen Endzeitwestern, der sich verschiedener Versatzstücke und Bezüge zu großen Vorlagen bedient.

Die Handlung der Geschichte rund um den Nomaden Jarri Tschapalt ist in einer nicht näher bezeichneten Zukunft angesiedelt. Perriot entwirft hier eine komplett eigenständige und eigenwillige Zukunftswelt, in der fortgeschrittene Technologien und offenbar intelligente Maschinenwesen gleichermaßen existieren, wie prähistorische Dinosaurier.

Der wilde Genre-Mix in „Negalyod“ erinnert dabei bisweilen an große Klassiker des Films wie die Mad Max“-Reihe, Jurassic Park“ oder auch Terminator“. Trotz dieser Vergleiche bleibt die Story indessen durchgehend harmlos, wenig spektakulär und vor allem kindgerecht.

Die recht dünne Handlung wirkt hier leider zuweilen sehr gestreckt, zumal die vereinzelten Actionszenen und Höhepunkte recht spärlich gesät sind. Bei einem derart interessanten Setting wäre sicherlich mehr möglich gewesen.
Auch der recht unscheinbare Nomade Jarri Tschapalt als Protagonist vermag das Ruder da nicht entscheidend herumzureißen.

Blickfang

Das Artwork von Vincent Perriot, dessen detailbesessene Bilder sowie die Farben von Koloristin Florence Breton sind hingegen ein echter Augenschmaus. Gerade die – geflügelten – prähistorischen Kreaturen sind offenbar eine Hommage an Moebius‚ prägenden Stil und dessen Artwork.

Fazit

Leider gelingt es Künstler Vincent Perriot mit „Negalyod“ nicht, seine spannenden Ideen und Ansätze sowie seine interessante Welt in eine wirklich packende Geschichte einzuweben.

Für Freunde frankobelgischer Comics hält das überformatige Album jedoch detailverliebte Panels – im Stil von Moebius – bereit. Diese sind noch dazu großartig koloriert. In ihnen möchte man gerne versinken.

 

Inhalt

Als seine Chasmosaurus-Herde vernichtet wird, beschließt der Nomade Jarri Tschapalt zum ersten Mal in die Stadt zu gehen – um sich zu rächen. Seine Fahndung wird aber zu einer sozialen und politischen Revolte gegen das „Netz“ führen, eine diktatorische Regierung, die Wasser und Land beherrscht und damit die Menschheit unterdrückt.

(Quelle: Carlsen)

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 30.04.2019
Seitenzahl: 208
ISBN: 978-3-551-73433-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)