Review

Was macht ein Verlag, der zwei gute, aber ziemlich kurze Geschichten in petto hat und seine Leser nicht abzocken will? Beim Festa Verlag ist die Antwort klar: Einen Doppelband herausbringen.
Die beiden Bücher „Sein Schmerz“ von Wrath James White und „Eine Nacht in der Hölle“ von Nate Southard sind daher in einem extrem schicken Doppelband veröffentlicht worden. Das Besondere daran ist das gelungene Wendecover. Auf beiden Seiten des Buches findet sich das jeweilige Artwork, und wenn man eine Geschichte gelesen hat, dreht man das Buch einfach um. Eine sehr schmucke Idee.

Doch bei diesem Buch gibt es noch eine weitere Besonderheit: Es ist ein Teil der Reihe „Festa Extrem“, was bedeutet, dass es dieses Buch nicht im regulären Buchhandel gibt. Zu beziehen ist es nur direkt über den Verlag und dieser verkauft es zudem nur an Leser über 18 Jahre. Dieses Vorgehen halte ich für absolut gerechtfertigt, denn beide Bücher sind nichts für schwache Nerven. Wirklich nicht!

Da es sich hier um zwei Romane in einem Buch handelt, werde ich diese Rezension entsprechend aufteilen, da es beide Geschichten mehr als verdienen, ausführlich besprochen zu werden.

Wrath James White – Sein Schmerz

Cover (Copyright: Festa Verlag)

Cover (Copyright: Festa Verlag)

Wrath James White hat sich im Bereich der extremen Horrorliteratur längst einen Namen gemacht und ist auch im Programm des Festa Verlages reichlich mit Veröffentlichungen vertreten.
Wer Bücher liebt, die extrem sind, aber durchaus auch eine gute Story bieten, macht bei diesem Autor definitiv nichts falsch. Weitere Highlights von Wrath James White, die man definitiv einmal angelesen haben sollte, sind „Der Totenerwecker“ und „Schänderblut“.

In „Sein Schmerz“ beschreibt Wrath James White das unglaubliche Leiden eines Kindes, welches mit einer seltenen Störung des zentralen Nervensystems geboren wird. Jeder Reiz, sei es körperlich oder sensorisch, verursacht unglaubliche Schmerzen, sodass Jason nahezu die ganze Zeit schreit.
Auch in seiner Jugend bessert sich seine Situation nicht wirklich, bis seine Eltern einen unscheinbaren Mönch entdecken, der Jason helfen kann. Dieser zeigt ihm, wie er seinen Schmerz akzeptieren kann, leider mit sehr blutigen Nebenwirkungen für alle, die engeren Kontakt mit Jason haben …

„Sein Schmerz“ ist ein unglaublich gut aufgebautes Buch. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Veröffentlichungen im extremen Horror-Bereich lässt es Wrath James White langsam angehen. Er konfrontiert den Leser zunächst gemächlich mit der Geschichte von Jason und lässt uns Zeit, ihn, seine Familie und vor allem sein Problem kennenzulernen. Man wird Zeuge der verzweifelten Maßnahmen, die Jasons Eltern unternehmen, um ihm das Leben erträglich zu machen, aber auch wie Jason auf seine Eltern und seine Gefühle reagiert. Durch diese ausführliche Vorgeschichte kann man sich sehr gut in die Situation der Familie hineinversetzen.

Wrath James White (Copyright: Festa Verlag)

Wrath James White (Copyright: Festa Verlag)

Umso mehr freut man sich, als endlich Licht am Ende des berühmten Tunnels sichtbar wird und es eine Heilung für Jason zu geben scheint. Dass „Sein Schmerz“ ab diesem Moment richtig beginnt, merkt man erst, als Jason das erste Mal versucht, jemand anderem seinen Schmerz begreifbar zu machen. Mit tödlichen Folgen für sein Gegenüber.

Dieser Wendepunkt ist es, der das wahre Potenzial von „Sein Schmerz“ offenbart, denn Wrath James White zeigt seine blutige Seite mehr als eindrucksvoll. Sehr detailliert beschreibt er, wie Jason wüten kann, und ist dabei ziemlich kreativ. Genau aus diesem Grund ist „Sein Schmerz“ definitiv nichts für schwache Nerven.

„Sein Schmerz“ ist eine perfekte Kombination aus einer fiktiven, sehr dramatischen Biografie und exzessiver Gewalt, die dem Leser oftmals den Atem stocken lässt.

Nate Southard – Eine Nacht in der Hölle

Cover (Copyright: Festa Verlag)

Cover (Copyright: Festa Verlag)

Nate Southarrd ist ein Autor, von dem ich bisher nichts gelesen hatte. Umso neugieriger war ich auf „Eine Nacht in der Hölle“, welches das zweite Buch in diesem Doppelband ist.

Southard verfolgt einen ganz anderen Ansatz als Wrath James White, denn er lässt seine Leser ohne Vorbereitung direkt mitten in eine bereits eskalierte Situation fallen und gibt ihnen keine Zeit, sich mit dieser zu arrangieren.

Dillon befindet sich in einem Kofferraum. Schlimmer noch, er befindet sich gefesselt in einem Kofferraum und wurde zudem auch noch verprügelt. Neben ihm liegt sein Freund Toby, dem es nicht besser geht. Die beiden führen eine Beziehung, haben dies aber bisher heimlich getan, da es insbesondere Dillons Karriere als aufstrebender Footballstar nicht wirklich gut tun würde, wenn er öffentlich zugeben würde, dass er schwul ist.
Leider sind seine drei besten Freunde hinter dieses Geheimnis gekommen und im wahrsten Sinn des Wortes ausgetickt. Daher haben sie Dillon und Toby verprügelt und in besagten Kofferraum verfrachtet, um mit ihnen zu einem abgelegenen Ferienhaus zu fahren. Dort beginnt für die beiden die wahre Tortur. Während sich die drei Täter aufs Übelste an Toby austoben, muss Dillon zusehen, ohne eingreifen zu können. Immer mehr Wut staut sich in ihm an und als das Schlimmste eintritt, sucht er verzweifelt einen Weg, diese auszuleben …

Nate Southard (Copyright: Nate Southard)

Nate Southard (Copyright: Nate Southard)

„Eine Nacht in der Hölle“ hat mich sehr schnell an „Evil“ von Jack Ketchum erinnert. Auch hier erlebt der Leser eine immer extremer werdende Spirale sinnloser Gewalt, die am Ende eskaliert. „Eine Nacht in der Hölle“ ist jedoch quasi der Schnelldurchlauf dieser Geschichte, denn Nate Southard verschwendet keine Zeit und beweist uns schnell, warum diese Veröffentlichung Teil der Reihe „Festa Extrem“ ist. Das, was er seine Protagonisten durchleben lässt, ist schon sehr krank. Man fragt sich immer wieder, wie man auf solche Ideen kommt, wenn man miterlebt, was Dillon und insbesondere Toby ertragen müssen. Dabei ist „Eine Nacht in der Hölle“ allerdings nicht nur stumpf – okay gegen Ende serviert Nate Southard durchaus stumpfe, extreme Gewalt vom Allerfeinsten – sondern transportiert auch eine durchaus wichtige Botschaft, die man nicht oft genug mitteilen kann: Wider den Schwulenhass!

Der Weg, den Nate Southard für diese Message gewählt hat, mag ein etwas ungewöhnlicher sein, schließlich ist sie in eine Menge übler Gewalt verpackt, dadurch entsteht aber zumindest nicht der Eindruck, dass der Autor uns mit erhobenem Zeigefinger etwas mitteilen will. Vielmehr wird die Moral schön subtil übermittelt.

Fazit

Mit „Sein Schmerz“ und „Eine Nacht in der Hölle“ hat der Festa Verlag zwei absolut lesenswerte Geschichten in einem Band veröffentlicht, die alles haben, was Fans des Genres so lieben. Das besondere an diesen Texten ist – im Vergleich zu anderen Büchern der „Festa Extrem“ Reihe – dass hier absolute Brutalität zwar eine wichtige Rolle spielt, aber durchaus auch in beiden Fällen eine wirklich gute Story transportiert wird. Dies soll nicht heißen, dass die anderen Bücher der Reihe keine Story haben, nur steht diese bei vielen nicht im Vordergrund, sondern dient eher als Mittel zum Zweck.

Ich habe beide Bücher dieses Doppelbandes regelrecht verschlungen und musste mehr als einmal ob der größtenteils sinnlosen Gewalt schaudern.

Inhalt

Eine Nacht in der Hölle – Nate Southards moderner Hardcore-Horror-Klassiker.

Dillon ist ein beliebter Footballspieler auf der High School. Zumindest war er es bis zu dieser Nacht … Denn nun sitzt er geknebelt und an einen Stuhl gefesselt in der Dunkelheit.
Seine Kollegen haben ihn sich geschnappt. Sie können es nicht fassen, dass sie eine „Schwuchtel“ im Team haben. Diese Schande wollen sie tilgen. Deshalb haben sie auch Randy entführt, Dillons Geliebten.
Was mit Demütigungen beginnt, endet in einer blutigen Nacht in der Hölle …

Sein Schmerz  – Wrath James White schrieb eine Novelle voller Sadismus, Lust und transzendentalem Splatter.

Das Leben ist ein einziger Schmerz … zumindest für Jason.

Jason wurde mit einer seltenen Erkrankung des zentralen Nervensystems geboren. Jede Empfindung bringt Schmerz. Jede Berührung, jedes Geräusch, jeder Geruch – sogar jeder Atemzug verursacht qualvolles Leiden. Vollgepumpt mit Betäubungsmitteln vegetiert Jason viele Jahre in einem Raum mit gepolsterten Wänden vor sich hin. Schmerz ist alles, was er von der Welt kennt.

Bis der Yogi Arjunda eintrifft. Er behauptet, Jason helfen zu können. Und tatsächlich verändert sich Jason durch die Behandlung – denn nun will er seinen Schmerz teilen …

(Copyright: Festa Verlag)

Wrath James White

Wrath James White ist ein ehemaliger Kickboxer (World Class Heavyweight) und Trainer unterschiedlicher Kampftechniken. Er lebt mit seiner Frau Christie und den drei Kindern Isis, Nala und Sultan in Austin, Texas.
Wrath (Zorn) schrieb mehrere Romane, die zu den brutalsten und erschütterndsten zählen, die jemals in Amerika erschienen. Zusammen mit dem „Meister des Extreme Horror“ Edward Lee schrieb er Der Teratologe (Verkauf nur über den Verlag, nicht im offiziellen Handel erhältlich).

Copyright: Festa Verlag

Wrath James White – Homepage

Nate Southard

Nate Southard lebt in Austin, Texas. Seine Kurzgeschichten erregten schnell Aufmerksamkeit und seit der Veröffentlichung seines ersten Romans Red Sky (2011) wird er von Thriller- und Horrorfans geradezu verehrt. Nate ist bekannt dafür, unablässig an seinen Texten zu feilen, bis auch der letzte Satz perfekt ist. Viele Leser vergleichen seinen harten, schnörkellosen Stil mit den Filmen von Quentin Tarantino.

(Copyright: Festa Verlag)

Nate Southard – Homepage

Details

Format: Paperback; Umschlag in Festa-Lederoptik
Reihe: Festa Extrem
Veröffentlichung: 11.2014
Seitenzahl: 224
ISBN: Privatdruck ohne ISBN
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Festa Verlag

Copyright Cover: Festa Verlag



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.