Review

Ein weiteres Mal steht die Welt am Abgrund. Ein flammender Spalt hat die Erde aufgebrochen, Asche regnet vom Himmel und der Kampf ums Überleben prägt – nicht immer erfolgreich – den Alltag der Menschen. Ein postapokalyptisches Setting, erdacht von der Autorin N. K. Jemisin in ihrem Roman „Zerrissene Erde“.

Dabei stellt „Zerrissene Erde“ den Auftakt ihrer „Broken Earth“-Reihe dar, mit der sie bereits in ihrer Heimat einige renommierte Preise einheimsen konnte.
Durch den Knaur Verlag und Übersetzerin Susanne Gerold nun auch auf Deutsch erhältlich, kann der Fan von Endzeit-Sagen ab sofort am Schicksal der Protagonistin Essun teilhaben.

Anhang zuerst

Ihre detailreichen Beschreibungen von Schauplätzen, Figuren und Geschehnissen lassen die Leser schnell in die hier erdachte sterbende Welt eintauchen; wenn da nicht zahlreiche Begriffe wären, die dem Verständnis zunächst im Weg stehen. Somit sei an dieser Stelle angeraten, sich vor dem Lesen mit dem Anhang vertraut zu machen. Dort platziert finden sich nicht nur ausführliche Schilderungen zur Chronologie dieser Welt, sondern außerdem Erläuterungen zu wichtigen und immer wieder auftretenden Bezeichnungen.

Grenzenlose Kreativität

Denn N. K. Jemisin kreiert in „Zerrissene Erde“ keine Welt, die es in dieser Form schon einmal gab. Vielmehr erschafft sie sowohl neue Weltordnungen als auch neue Arten von Weltbewohnern. Man muss somit zunächst lernen, sich in Begrifflichkeiten wie Orogenie, Genieur, Gem, Geomest, Kirkhusa, mentasten oder Stillköpfe zurechtzufinden.
Vermutlich weckte gerade diese grenzenlose Kreativität das Interesse des amerikanischen Senders TNT, der inzwischen eine TV-Serie von „Broken Earth“ plant.

Die zwei Seiten des Detailreichtums

Die Visualisierung dürfte der Reihe sehr zugutekommen und vielleicht sogar noch besser überzeugen als die schriftliche Form es tut. Denn so löblich der bereits erwähnte Detailreichtum in „Zerrissene Erde“ (insbesondere für einen guten Zugang zum Buch) auch ist, so ermüdend kann er sein. Und zwar immer dann, wenn ausgiebige Beschreibungen (wie etwa zu Städten, Figuren, zur Architektur oder Gesamtkulisse) zu gehäuft, zu trocken und zu langatmig auftreten.
Während N. K. Jemisin allerdings den innovativen Weg wählt, sich mit einer direkten Anrede an die Protagonistin des Buches, Essun, zu wenden, stellt sie prompt auch einen Draht zum Leser her. Ein vielversprechender Beginn, der die Andersartigkeit des Romans inmitten seiner Genre-Mitstreiter untermauert.

Vulgär ist das neue Elegant?!

N. K. Jemisin (Copyright: privat / Laura Hanifin)

Andersartig und vor allem besonders muss auch der Schreibstil der Autorin sein, verlässt man sich auf das Medienecho von Washington Post oder Publishers Weekly, aus deren Rezensionen auf dem Buchrücken Aussagen wie „elegante[r] Stil“ oder „brillant geschrieben und voller überraschender Wendungen“ zitiert werden. Die Wendungen mag man N. K. Jemisin auch gerne bescheinigen, nur über das Loblied auf ihre Ausdrucksform lässt sich streiten. Besonders in den Dialogen geht es mitunter sehr direkt und damit eher vulgär statt elegant zu, sodass man sich fragt, was heutzutage wohl als elegant und brillant angesehen wird. Immerhin versteht es Jemisin, den Emotionen der Figuren auf diese Weise Ausdruck zu verleihen.

Eine Frage des Geschmacks

Und noch eins muss man der Schriftstellerin lassen: Sie wagt sich mit „Zerrissene Erde“ definitiv über Genregrenzen hinaus, tastet mit Wortneuschöpfungen literarische Möglichkeiten aus und bietet dem Leser letztlich ein Werk, das mit innovativen Ideen aus der Masse hervorsticht. Ob positiv oder negativ, ist dabei allerdings eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Inhalt

Die Fantasy-Endzeit-Saga von New-York-Times-Bestseller-Autorin N.K. Jemisin – ausgezeichnet mit dem HUGO Award

Inmitten einer sterbenden Welt hat die verzweifelte Essun nur ein Ziel: ihre Tochter aus den Händen eines Mörders zu befreien, den sie nur zu gut kennt.
Seit sich im Herzen des Landes Sansia ein gewaltiger Riss voll brodelnder Lava aufgetan hat, dessen Asche den Himmel verdüstert, scheinen immer mehr Menschen dem Wahnsinn zu verfallen. So lässt der Herrscher seine eigenen Bürger ermorden. Doch nicht Soldaten haben Essuns kleinen Sohn erschlagen und ihre Tochter entführt – sondern ihr eigener Ehemann! Essun folgt den beiden durch ein Land, das zur Todesfalle geworden ist. Und der Krieg ums nackte Überleben steht erst noch bevor.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autorin

N. K. Jemisin
stammt aus Iowa City und studierte in New Orleans Psychologie.
Sie lebt in New York City und arbeitet unter anderem für die New York Times. Ihre Bücher wurden für zahlreiche Preise nominiert; für „Zerrissene Erde“ erhielt sie 2016 den renommierten HUGO Award.

(Quelle: Knaur Verlag)

N. K. Jemisin – Homepage
N. K. Jemisin – Twitter

Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 01.08.2018
Seitenzahl: 496
ISBN: 978-3-426-52178-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde