Review

Alles, was er berührt, möge zu Gold werden

Mitten im Wald wird ein Satyr von zwei Wachleuten des Königs Midas festgenommen; schlicht, weil sie dessen Erscheinung als besonders abstoßend empfinden. Der Herrscher rügt jedoch das Verhalten seiner Diener, denn er erkennt, dass es sich bei der unansehnlichen Kreatur um Silenos handelt. Silenos ist kein anderer als der Lehrer des Dionysos, Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase. Als Dionysos von der Gnade des Königs erfährt, gewährt er ihm einen Wunsch. In seiner Einfältigkeit wünscht sich der König, alles was er berührt, möge zu Gold werden. Der selbstgerechte Wunsch wird gewährt, doch Midas bekommt schnell die Konsequenzen seines törichten Wunsches zu spüren.

Die Lage von Midas wird noch schlimmer, als er als Punktrichter in einem musikalischen Wettstreit der Götter eine eher bescheidene Figur abgibt.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen

Mit „Mythen der Antike: König Midas“ liegt das nächste Splitter-Album aus der Sagen-Reihe von Luc Ferry und Clotilde Bruneau über große Epen, mächtige Götter, phantastische Ungeheuer und außergewöhnliche Helden der griechischen Mythologie hierzulande vor.

Leseprobe aus „Mythen der Antike: König Midas“. (Copyright: Splitter Verlag)

Wie der Titel schon sagt, behandelt das neue Album die tragische Geschichte des sagenhaften Königs Midas. Dieser wird mit der Erfüllung seines größten Wunsches konfrontiert: Alles, was er berührt, wird zu Gold. Dadurch mehrt sich schnell der Reichtum des Königs, allerdings kann er nichts mehr berühren, ohne dass es sich auf der Stelle in kaltes Metall verwandelt. Die Hybris des allzu menschlichen Königs, sich göttliche Macht zu wünschen, wird ihm zu Verhängnis. Dem Leser tut der jämmerliche König mit den Niederungen seiner menschlichen Habgier eher leid. So stehen ihm überwiegend überhebliche und rachsüchtige Götter gegenüber.

Die Zeichnungen von Stefano Garau und Giuseppe Baiguera verströmen ebenjenen sagenhaften Charme, der schon die gesamte Reihe bislang auszeichnet. Weder den beiden Künstlern noch Luc Ferry oder Clotilde Bruneau gelingt es jedoch, diese Sage des klassischen Altertums über ihr Potenzial hinaus zu entwickeln. Die Geschichte von König Midas ist schlicht nicht derart aufregend oder abenteuerlich wie „Die Ilias“ oder „Jason und das Goldene Vlies“. Vorliegend haben wir es mit einem recht überschaubaren Lehrstück über Hybris und Vermessenheit zu tun. Die viel besungene Gier und Dummheit des Königs stellen sich für den Leser jedoch eher wie bemitleidenswerte menschliche Schwäche dar.

Fazit

Die Geschichte von König Midas ist sicherlich nicht die interessanteste der bisherigen Mythen-Reihe; die tollen Zeichnungen und der informative Bonus-Teil machen eine Anschaffung dennoch lohnenswert.

Inhalt

Ein sonderbares Wesen, wenn nicht gar Monster, gerät in den phrygischen Wäldern in die Fänge zweier Diener von König Midas. Der sorgt allerdings umgehend für dessen Freilassung, denn er hat Silenos erkannt, Adoptivvater von Dionysos, dem Gott des Weines, der rauschenden Feste und der wilden Natur. Der wiederum bietet Midas zum Dank an, sich etwas wünschen zu dürfen, egal was. Und der König, so habgierig wie dumm, will nichts anderes, als dass alles, was er berührt, zu Gold werde. Nur hat er die Folgen seines törichten Wunsches nicht bedacht: Wie soll man essen, trinken, leben, wenn alles, was man anfasst, sich auf der Stelle in kaltes, kostbares Metall verwandelt? Und das ist erst der Anfang seines Unglücks …

(Quelle: Splitter Verlag)

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 03.07.2020
Seitenzahl: 56
ISBN: 978-3-96219-420-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)