Review

Dass die Hör-Thriller der „Mord in Serie“-Reihe von Markus Topf spannend, actionreich und unterhaltsam sind, gehört genauso zu den Markenzeichen wie die stimmungsvollen CD-Cover. Nummer 20 der Serie namens „Gekauftes Glück“ ziert ein blutiger Puppenkopf, der verlassen im Wald liegt – klingt doch erst mal recht vielversprechend!

Nun hatte der äußerst produktive Autor – immerhin hat er nicht nur diese, sondern auch noch andere Serien unter seinen Fittichen – vielleicht einen kleinen Durchhänger, denn eher selten beginnt ein Thriller in einer gynäkologischen Praxis, obwohl hier das Ehepaar Schäfer schlimme Nachrichten erhält, denn die beiden haben bei einer künstlichen Befruchtung schon wieder keinen Erfolg gehabt. Eher resigniert als betrübt will Nadine Schäfer die Praxis wieder verlassen, als ihr eine Sprechstundenhilfe eine Adoptionsagentur in Luxemburg empfiehlt, die „ganz kurzfristig“ und „ganz legal“ Kinder vermitteln kann.

Ohne größere Bedenken stürzen sich die zwei hoffnungslosen Eheleute mit einem kleinen Vermögen in dieses offensichtlich krumme Geschäft. Es kommt, wie es kommen musste: Geld weg, kein Kind da. Und was macht man in so einer Situation? Richtig, man fährt zum angeblichen Sitz der Firma und stellt Nachforschungen an. Als die Situation immer brenzliger wird und das erste Blut fließt, driftet die Story dann langsam ins Absurde ab. Am schleierhaftesten bleibt die Frage, warum sich das Ehepaar nicht einfach irgendwann mal an die Polizei oder andere Behörden gewendet hat, denn auch wenn dieser Auftrag nicht ganz legal war, verdienen die Aktionen der „Adoptionsagentur“ behördliche Aufmerksamkeit. Dass sich der reiche IT-Bürohocker dabei auch mit Waffen auskennt und die Story eine unangenehme Wendung in Richtung Terrorismus nimmt, vervollständigt den Gesamteindruck, dass hier einfach zu viele Ansätze und Ideen glattgebügelt werden mussten.

Die ständigen „frischen Einwürfe“ sorgen leider dieses Mal eher für Irritation als Spannung, obwohl auf der anderen Seite einige Wendungen auch wieder zu offensichtlich sind, um wirklich aufregend zu wirken. Damit wirkt die Story von „Gekauftes Glück“ genauso unausgegoren wie ein Geschäftsmodell, das immer nur ein krummes Geschäft erlaubt und anschließend einen ganzen Umzug der Scheinfirma voraussetzt.

Markus Topf (Copyright: Sandra Then-Friedrich)

Markus Topf (Copyright: Sandra Then-Friedrich)

Auch wenn die Story hier ihre Schwächen hat, ist auch der zwanzigste „Mord in Serie“ zumindest ein Ohrenschmaus. Wie üblich sind Stimmen und Geräuschkulisse optimal aufeinander abgestimmt. Die Hintergrundakustik erzeugt eine fesselnde Atmosphäre, die sich je nach Setting anpasst. Den Tontechnikern sei an dieser Stelle einmal besonders gedankt.

Die Sprecher überzeugen ebenfalls durch solide und kraftvolle Sprechleistungen. Sicherlich glänzen die erfahrenen Stimmen auch durch eine meistens realistische Gesprächsgestaltung. Nur beim Ehepaar Schäfer wäre noch eine Prise mehr Verzweiflung angebracht gewesen; vielleicht hätte damit auch ein Verbindungsstück zu den so unterschiedlichen Storyelementen geschaffen werden können.

Wenn man sich darüber beklagen muss, dass ein Autor zu viele Ideen einbringen wollte, handelt es sich im Gegensatz zu bloßer Ideenlosigkeit natürlich um ein Deluxeproblem. Aber die Überfrachtung zerfasert den Thriller hier in eine belanglose Sammlung einzelner Anekdoten, die durch Verwirrung die Spannung zerstören – dabei weiß Markus Topf erfahrungsgemäß ganz genau, was er tut.

Eine stärkere Fokussierung auf ausgewählte Elemente ist für den nächsten „Mord in Serie“ wünschenswert, dann erhält der Hörspielfan auch wieder „Gekauftes Glück“.

Inhalt

Nadine Schäfer und ihr Mann Tobias wünschen sich verzweifelt ein Kind.
Als eine Adoptionsagentur ihnen den kleinen Waisenjungen Mohan vorstellt, sind sie bereit, jeden Preis zu zahlen. Doch es scheint, als seien sie Betrügern ins Netz gegangen. Kurzerhand reisen die beiden nach Luxemburg, dem Sitz der Adoptionsvermittlung. Dort bringen sie ihre Nachforschungen jedoch nicht nur in Lebensgefahr – plötzlich stehen sie ganz oben auf der Fahndungsliste der Polizei!

(Quelle: Contendo Media)

Autor

Markus Topf
studierte Germanistik in Bonn und arbeitete anschließend im Bereich der TV- und Hörspielproduktionen. Seit 2010 ist Topf freier Autor und Formatentwickler TV.

Markus Topf – Homepage

Serie

01 Das 12. Opfer
02 Wolfsnacht
03 Die schwarzen Witwen
04 Feuerengel
05 Todgeweiht. Die Lazarus-Verschwörung
06 Kalter Tod
07 Das Netzwerk
08 Doragon – Brut des Drachen
09 Fair Play. Tödliches Rennen
10 Atemlos
11 Bei Anruf Angst
12 Gier
13 Was sich liebt, das killt sich
14 Eingemauert
15 Todesangst – Urban Explorerz
16 Tod über den Wolken
17 Terror hinter Gittern
18 Krypta – Tödliches Geheimnis
19 Countdown. Gegen die Zeit
20 Gekauftes Glück

Details

Mord in Serie – Homepage

Format: Hörspiel
Veröffentlichung: 15.01.2016
Spielzeit: ca. 60 Minuten
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Contendo Media

Copyright Cover: Contendo Media



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer