Review

Bevor ich in die eigentliche Rezension einsteige, eine kleine Warnung: Das Buch „Quäl das Fleisch“ von Monica J. O’Rourke ist nicht umsonst Teil der Reihe „Festa Extrem“ des Festa Verlages. Dabei handelt es sich um Bücher, die zu krass für den deutschen Buchmarkt sind und daher als Privatdruck ohne ISBN Nummer nur über den Verlag und nur von Personen, die über 18 Jahre alt sind, bezogen werden können. Dies ist kein Marketinggag, sondern durchaus angebracht, da diese Bücher – so auch „Quäl das Fleisch“ – definitiv nichts für zarte Gemüter sind!

Nun zum eigentlichen Titel: „Quäl das Fleisch“ ist schon insofern etwas ganz besonderes, da es von einer Frau geschrieben wurde. Es ist extrem selten, dass sich das weibliche Geschlecht an derart extremen Horrorbüchern versucht, doch Monica J. O’Rourke scheint definitiv ein Händchen für dieses Genre zu haben. Denn „Quäl das Fleisch“ liest sich extrem flüssig und schafft es binnen kürzester Zeit, dem Leser den Atem zu rauben.

Es passiert in diesem Buch ziemlich oft, dass man einfach geschockt innehält und erst einmal eine kleine Lesepause einlegt, da eines der Talente von O’Rourke offensichtlich darin besteht, unfassbare Grausamkeiten möglichst detailgetreu darzustellen. Dabei legt die Autorin Wert auf eigens gesetzte Prioritäten: So wird beispielsweise eine Vergewaltigungsszene relativ schnell abgehandelt, bei schlimmen Folterszenen erliegt die Autorin hingegen scheinbar einem Schreibwahn.

Dementsprechend ist auch die Handlung eine Achterbahnfahrt. Während sie für die Protagonistin des Buches die Definition eines Höllentrips ist, erlebt der Leser ein Auf und Ab der Grausamkeiten. Es wird also keine linear aufsteigende Brutalitätskurve genutzt, sondern durch die wechselnde Intensität der Geschehnisse bewusst mit unerwarteten Schockmomenten beim Leser gespielt.

Diese funktionieren sehr gut und sorgen dafür, dass man „Quäl das Fleisch“ nur schwer aus der Hand legen kann, wenn man einmal angefangen hat. Denn der Leser ist ja zum Glück nur der Voyeur der Geschehnisse und kann sich an dem ergötzen, was sich in diesem Buch so abspielt.

Monica J. O'Rourke (Copyright: Monika J. O'Rourke)

Monica J. O’Rourke (Copyright: Monika J. O’Rourke)

Technisch handelt es sich bei „Quäl das Fleisch“ fast um einen typischen extremen Horrorroman, das heißt, der Fokus liegt klar auf der Gewalt. Charakterentwicklung und Handlung spielen nur eine untergeordnete Rolle, ersteres sicherlich vor allem, weil viele Charaktere in diesen Büchern einfach sehr schnell das Zeitliche segnen.

Die Rahmenhandlung ist im Grunde genommen wenig spektakulär, reicht aber völlig aus, um die Geschehnisse zu erklären, die der Protagonistin widerfahren. Auch diese lernen wir nur am Rande kennen, ebenfalls aber ausreichend genug, um ihre Motive zu verstehen und ihre pure Verzweiflung zu erkennen.

„Quäl das Fleisch“ ist ein Paradebeispiel für extreme Horrorliteratur und hat selbst mich als Menschen, der einiges ertragen kann, oftmals kalt erwischt. Insbesondere Personen, die sensibel auf Themen wie Vergewaltigung, Gewalt und Folter an Frauen oder Sexfolter reagieren, sollten jedoch einen großen Bogen um dieses Buch machen.

Klappentext

Zoey wusste nicht, was echter Schmerz ist.

Nachdem sie in Manhattan entführt wurde, wird Zoey in einen Bunker verschleppt und Opfer der abartigen Fantasie eines kranken Mannes. Doch sie ist nicht die einzige Gefangene, in Käfigen vegetieren dutzende Frauen vor sich hin. Täglich werden sie gequält…

Doch sie lernt schnell: Echter Schmerz ist etwas zwischen Ekstase und Pein…

(Copyright: Festa Verlag)

Autorin

Die Amerikanerin Monica J. O’Rourke hat mehrere Anthologien herausgegeben und über 100 Geschichten veröffentlicht, dazu vier Romane: Suffer the Flesh (Quäl das Fleisch), What Happens in the Darkness, Poisoning Eros 1 und 2 (in Zusammenarbeit mit Wrath James White). Sie gehört zu den ganz wenigen Frauen, die brutalen Hardcore-Horror schreiben.

(Copyright: Festa Verlag)

Details

Format: Paperback; Umschlag in Festa-Lederoptik
Veröffentlichung: 07.06.2014
Seitenzahl: 160
ISBN: Privatdruck ohne ISBN
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Festa Verlag

Copyright Cover: Festa Verlag



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.