Review

Ungleiche Superhelden 

Mit „Minivip & Supervip – Das Geheimnis des Hin-und-weg“ bringt der Splitter Verlag die rund 280 Seiten starke Comic-Fortsetzung des 1968er Zeichentrickfilms „VIP – Mein Bruder, der Supermann“ des italienischen Zeichentrick-Animators und Regisseurs Bruno Bozzetto zu uns nach Deutschland.

Aus eigener Erfahrung kann ich vorausschicken, dass sich die recht eigenständige Geschichte ohne jegliche Vorkenntnisse lesen lässt. Sie ist einfach zugänglich, überwiegend kindgerecht und daher auch leicht verständlich.

Das Szenario der Comic-Adaption stammt dabei von Bruno Bozzetto höchstselbst, während Zeichner Grégory Panaccione die Geschichte inszeniert. Hauptfiguren der Story sind die Brüder Super-VIP und Mini-VIP, die man auf den ersten Blick nicht für solche halten würde.

Worum gehts hier eigentlich?

Die Erde in nicht allzu ferner Zukunft. Jeder Mensch auf der Welt fährt Auto, die Umwelt ächzt unter der Belastung und die Luftverschmutzung liegt bei 99,999 %. In dieser zukünftigen Welt leben die Superhelden-Brüder Minivip und Supervip, obgleich nur Letzterer ein echter Superheld ist.

Supervip ist ein großgewachsener Frauenschwarm, unverwundbar, übernatürlich schnell und kann selbstverständlich fliegen.

Minivip dagegen ist in nahezu jeder Hinsicht unterdurchschnittlichen Formats – ein überschaubarer Kamerad, dessen einzige Superkraft darin besteht, einige Zentimeter über dem Boden schweben zu können. Allerdings ist er ein großer Erfinder.

Die Erde wird jedoch nicht nur durch die massive Luftverschmutzung bedroht. Im Weltall lauern noch größere Gefahren, namentlich auf dem verregneten Planeten Sparky. Ein ebenso frucht- wie furchtbares Monster plant eine Alien-Invasion, da die verpestete Atmosphäre auf der Erde den besten Nährboden für diese Gattung bereitstellt. Ihren Ziel-Planeten können die Aliens in Sekundenschnelle mit einem hochentwickelten Teleportgerät, dem sogenannten Hin-und-Weg erreichen. Eines Tages soll jedoch Minivip eines dieser Geräte finden und darin auch eine Chance für die Menschheit entdecken. Der mächtige Supervip versinkt derweil in Liebeskummer und freundet sich mit King-Kong-Imitat Sing Song an.

Bewertung

Die eindeutige Hauptfigur des Comics ist der kleine Bruder Minivip, der mit seinem Erfindungsreichtum zur Rettung der Welt beiträgt. Der – vermeintlich – echte Superheld, Supervip, ist überwiegend ein tollpatschiger und jämmerlicher Muskelprotz, der sich mehr mit sich selbst als mit der Welt um ihn herum beschäftigt.

Mit dieser Superheldenparodie betont Bruno Bozzetto schlicht, dass man kein außergewöhnlicher Mensch sein muss, um Außergewöhnliches zu tun. Gerade in Zeiten des Klimawandels sind bereits kleine Taten und Veränderungen von überlebenswichtiger Bedeutung. Neben der Parodie klassischer Superhelden ist „Minivip & Supervip“ auch Zivilisationskritik. Der Comic enthält den eindeutigen Appell, Energie und Umwelt zu schonen, und surft damit auf der Welle des Zeitgeistes.

Leseprobe aus „Minivip & Supervip“ von Bruno Bozzetto und Grégory Panaccione. (Copyright: Splitter Verlag)

Allerdings ist die begrüßenswerte Botschaft des Comics auch ausgesprochen schlicht verpackt. Die Story weist eine gewisse Überlänge auf, plätschert phasenweise vor sich hin und könnte deutlich pointierter erzählt sein.

Stichwort „Pointe“: Der Humor ist meines Erachtens zu plump. Hier gibt es diverse Slapstick-Einlagen, viele gut gemeinte Anspielungen und Hommagen, aber so recht zünden will das alles nicht. Humor ist aber bekanntlich Geschmackssache und so wird manch einer womöglich seine helle Freude mit dem Werk haben. Mir persönlich ist das alles zu drüber.

Ebenso verhält es sich mit dem Stil von Zeichner Grégory Panaccione. Schaut man sich den Trailer des Films „VIP – Mein Bruder der Supermann“ an, so stellt man fest, dass Panaccione stilistisch sehr nahe am Original ist. Wer das mag, kommt hier sicher auf seine Kosten. Der Zeichenstil ist sehr schlicht gehalten und erinnert bisweilen an Cartoonstrips. Das Highlight ist für mich die Gestaltung der Alien-Königin, die mit ihrem verrückten Aussehen auch der Rayman-Videospielreihe entsprungen sein könnte. Im Übrigen finden sich aber nur wenige zeichnerische Finessen.

Fazit

Geschmackssache. Die Superhelden-Story mit Plädoyer für den Umweltschutz ist sicherlich skurril und liebenswert. Allerdings verpuffen viele der Pointen und der Umfang der an sich überschaubaren Story hätte deutlich schlanker ausfallen können.

 

Inhalt

Unsere Erde in nicht allzu ferner Zukunft. Luftverschmutzung: 99,999 %. In dieser von Automobilen beherrschten Welt leben die Vip-Brüder ein typisches Superheldenleben. Das heißt, eigentlich ist nur Supervip ein echter Superheld: Er ist groß, stark, unverwundbar und gutaussehend. Sein Bruder Minivip… eher weniger.

Auf dem weit entfernten und ständig verregneten Planeten Sparky schickt sich derweil ein furchtbares Alienmonster an, seine 500.000 Eier zur Erde zu senden, um dort die Herrschaft zu übernehmen. Aber dafür fehlt eins ihrer Hin-und-Wegs, hochentwickelte Teleportgeräte. Und ausgerechnet Minivip hat es gefunden.

(Quelle: Splitter Verlag)

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Veröffentlichung: 27.09.2019
Seitenzahl: 280
ISBN: 978-3-96219-295-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)