Review

In „Der Widersacher“ von Michael Connelly sieht sich sein kultiger Protagonist Harry Bosch mit gleich zwei Fällen konfrontiert. Denn er muss nicht nur einen lange zurückliegenden Mord aufklären, der vor Widersprüchen nur so strotzt, sondern auch einen aktuellen angeblichen Selbstmord des Sohnes eines einflussreichen Politikers aufklären.

Wie man es von Michael Connelly kennt und liebt, ist auch „Der Widersacher“ ein fast typischer amerikanischer Crime-Thriller. Was ihn jedoch deutlich von anderen Veröffentlichungen in diesem Genre unterscheidet, ist die Tatsache, dass Connelly sehr viel authentische Polizeitheorie einfließen lässt. Dieses Vorgehen macht die geschilderten Ermittlungsmethoden unglaublich realistisch und man vergisst oftmals, dass es sich hier um eine fiktive Geschichte handelt.

Dieser Aspekt von „Der Widersacher“ ist keinesfalls aus der Luft gegriffen, denn Connelly hat vor seiner Karriere als Schriftsteller lange als Polizeireporter gearbeitet und kennt sich daher ziemlich gut in der Materie aus. Man muss jetzt allerdings keine Panik haben, denn Michael Connelly versteht es extrem gut, seine Kenntnisse stimmig in die Bücher einfließen zu lassen. Eventuelle Fachbegriffe werden innerhalb des Kontextes – gerne mit Hilfe von Dialogen – erklärt, sodass „Der Widersacher“ zu keinem Zeitpunkt trocken wirkt.

Obwohl dieses Buch nicht – wie viele Titel dieses Genres – mit Blut und Leichen gefüllt ist, ist „Der Widersacher“ von Beginn an extrem spannend. Michael Connelly zieht im Verlauf sogar noch weiter an und erschafft einen unglaublichen Spannungsbogen, der vor allem durch Wendungen und überraschende Ermittlungsergebnisse genährt wird.

Obwohl insbesondere bei einem der beiden Fälle sehr schnell feststeht, wer der Killer ist, wird der Leser immer wieder kalt erwischt und schockiert, sodass es massiv schwerfällt, dieses Buch aus der Hand zu legen.

Auch technisch stimmt bei „Der Widersacher“ wirklich alles. Die Schreibe von Michael Connelly ist stilistisch genau richtig, soll heißen nicht zu locker und nicht zu komplex. Die Fälle sind innovativ und spannend und insbesondere die Figuren sind hervorragend ausgearbeitet.

Michael Connelly (Copyright: Michael Connelly)

Michael Connelly (Copyright: Michael Connelly)

Hierbei gibt sich Michael Connelly immer sehr viel Mühe, denn selbst Nebenfiguren bekommen von ihm ein umfangreiches Profil verpasst, sodass diese sehr plastisch wirken.
Das Highlight ist natürlich der Protagonist Harry Bosch, der zwar einige Eigenschaften besitzt, die in diesem Genre bei vielen Charakteren vorhanden sind, aber dennoch nicht klischiert wirken. Ganz im Gegenteil ist es gerade seine mürrische und kauzige Art, die ihn so liebenswert und es dem Leser unglaublich leicht macht, sich mit ihm zu identifizieren.

Es sei zudem noch gesagt, dass es um Harry Bosch mittlerweile eine Vielzahl von Büchern gibt, die man jedoch nicht gelesen haben muss, um mit „Der Widersacher“ zurechtzukommen. Zum einen schließt Connelly seine Fälle immer innerhalb der Bücher ab und zum anderen fällt es sehr leicht, die Figuren kennenzulernen, ohne das Connelly diese immer wieder explizit vorstellt.

„Der Widersacher“ von Michael Connelly ist ein extrem packender Crime-Thriller, der Fans des Genres sicherlich massiv begeistern wird.
Insbesondere die moralischen Aspekte der Geschichte gefallen sehr gut.

Klappentext

Detective Harry Bosch bekommt zwei Fälle auf den Tisch: Vor über zwanzig Jahren wurde eine Studentin vergewaltigt und umgebracht. Endlich können die DNA-Spuren von ihrer Leiche einem einschlägigen Sexualstraftäter zugeordnet werden. Doch der Mann war damals erst acht Jahre alt.
Der zweite Fall hat sich gerade ereignet: Der zwielichtige Sohn eines einflussreichen Stadtrates von Los Angeles ist auf mysteriöse Weise aus dem siebten Stock eines Luxushotels gestürzt. Selbstmord – oder Mord?

(Quelle: Droemer Knaur)

Autor

Michael Connelly, geboren 1956 in Philadelphia, studierte zunächst Journalismus und Kreatives Schreiben in Florida. Anschließend (ab 1980) arbeitete er für verschiedene Zeitungen in Fort Lauderdale und Daytona Beach, wo er sich auf Polizeireportagen spezialisierte. Nachdem 1986 eine seiner Reportagen für den Pulitzer Preis nominiert worden war, wechselte er als Polizeireporter zur „Los Angeles Times“.
Für sein Thrillerdebüt, „Schwarzes Echo“, den ersten Band der Harry-Bosch-Serie, erhielt er 1992 auf Anhieb den Edgar Award, den renommiertesten amerikanischen Krimipreis. Zahlreiche Bestseller folgten, die ihn zu einem der erfolgreichsten Thrillerautoren der USA machten. Heute lebt er mit seiner Familie wieder in Florida.

(Quelle: Droemer Knaur)

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Reihe

Die „Harry Bosch“-Reihe:

Schwarzes Echo
Schwarzes Eis
Die Frau im Beton
Der letzte Coyote
Das Comeback
Schwarze Engel
Dunkler als die Nacht
Kein Engel so rein
Letzte Warnung
Die Rückkehr des Poeten
Vergessene Stimmen
Echo Park
Kalter Tod
So wahr uns Gott helfe
Neun Drachen
Spur der toten Mädchen
Der Widersacher
Black Box

Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 03.02.2014
Seitenzahl: 464
ISBN: 978-3-426-51135-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Droemer Knaur

Copyright Cover: Droemer Knaur



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.