Review

Veganismus vs. Fleischkonsum – das und die damit einhergehende Streitkultur beider Parteien (und der Vegetarier dazwischen) sind das große Thema der unter dem Titel „Fleischlos glücklich? Oder: Dürfen Veganer Pudelmützen tragen?“ versammelten Cartoons.

Bevor die Cartoonisten Piero Masztalerz und André Sedlaczek jedoch mit ihren visuell vorgebrachten Argumenten und ihrer optischen Debatte loslegen, steuert Vegan-Kochbuchautor Attila Hildmann zunächst das Vorwort des Buches bei. Und was bereits im ersten Absatz deutlich wird: Er hats erfunden! Scheinbar, denn nicht gerade sympathisch und bescheiden wirkend präsentiert sich Hildmann als Vegan-Veteran zunächst in seinen einleitenden Worten, die da lauten

„Wir schreiben das Jahr 2015 … und Veganismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sicher zu einem Großteil durch meine veganen Kochbücher, die über eine Millionen Mal verkauft wurden, und unzählige TV-Auftritte, […], in denen ich über Jahre unermüdlich versucht habe, die Menschen für dieses wichtige Thema zu begeistern und ein neues Image eines Veganers zu erschaffen: statt schlaff, missionierend und dogmatisch lieber locker, stylisch, sportlich und charmant.“ (Seite 4)

Was dann allerdings folgt, ist ein Vorwort, das – gespickt von persönlichen Eindrücken und Schilderungen – bewegt, zum Teil aufklärt und ein Fürsprechen darstellt, das dem Ziel Hildmanns, Veganismus nicht missionarisch und dogmatisch den Menschen näherzubringen, mehr als gerecht wird.

Anschließend geht es auch schon direkt mit den ersten Cartoons los. Strukturen gebende Elemente wie Überschriften, Gliederungen oder dergleichen sucht man im gesamten Buch zwar vergebens, jene sind aber auch insofern nicht erforderlich, da das Prinzip von „Fleischlos glücklich?“ durchaus selbsterklärend ist.

Masztalerz und Sedlaczek duellieren sich sowohl verbal als auch optisch und ihre Cartoons tragen ganz offensichtlich ihre jeweils eigene Handschrift. Jene wird allerdings eine Frage des eigenen Geschmacks bilden, denn während die einen Betrachter die Zeichnungen als ausdrucksstark und kunstvoll ansehen werden, empfinden sie (vor allem die des Cartoonisten Piero Masztalerz) andere als detailarm, simpel und wenig abwechslungsreich.
Dass die beiden Künstler ihr Handwerk jedoch verstehen, beweisen schließlich immer jene Cartoons, die auch ohne viel Text für sich sprechen.

Ebenso wie die Optik ist natürlich auch der Humor immer eine sehr subjektive Angelegenheit. Worüber einige lachen, schütteln die nächsten nur den Kopf. Insgesamt kann man „Fleischlos glücklich?“ jedoch eine breit angelegte Humorpalette, die von bitterböse und zynisch bis hin zu intelligent und tiefsinnig reicht, bescheinigen.

Diesbezüglich bedienen sich die beiden Künstler natürlich auch an zahlreichen Klischees und Vorurteilen, die mal sinnvoll aufgegriffen und visuell umgesetzt werden, mal jedoch auch sehr erzwungen wirken. So wird das Thema der veganen, vegetarischen und fleischorientierten Ernährungsweise stellenweise ziemlich rabiat in Gags gepresst, was zur Folge hat, dass die Cartoons nicht immer die gewünschte Wirkung erzielen, wie es eigentlich beabsichtigt gewesen wäre. Daneben gibt es einige Gags, die so bereits in einem anderen Kontext existieren, nun allerdings thematisch angepasst präsentiert werden. Dies alles führt letztlich dazu, dass die Gagdichte eher gering ausfällt.

Das Konzept hinter „Fleischlos glücklich?“ überzeugt – unabhängig von dem je individuellen Gefallen an Zeichnungen und Gags – an sich auf ganzer Linie. Die Idee, sich auf diese Weise dem Thema bzw. den Themen zu nähern oder sich mit ihnen auseinanderzusetzen, ist gut und wird kreativ umgesetzt. Dass die Cartoonisten dabei zusätzlich sehr kritisch vorgehen und mit reichlich Stoff zum Nachdenken aufwarten, begeistert. Wer sich daher auch noch mit dem Humor und der stilistischen Ausrichtung anfreunden kann, erkenntlich wird beides bereits ansatzweise durch das Cover, der sollte hier einen Blick ins Büchlein riskieren.

Inhalt

„Vegan“ liegt voll im Trend. „Fleisch“ aber auch.
Zwei Cartoonisten, Piero Masztalerz und André Sedlaczek, der eine Vegetarier, der andere Fleischesser, hauen sich witzige Cartoons um die Ohren.

Wer am Ende gewinnt, entscheiden die Fans. Das perfekte Buch für“Misch-Ehen“, wo beim Abendbrot das Mettbrötchen neben der Tofuwurst liegt.

Abgerundet wird dieser bildgewaltige Diskurs durch ein Vorwort von Deutschlands bekanntestem veganen Koch: Attila Hildmann.

Für mehr Spaß beim Essen, auf beiden Seiten!

(Quelle: Edition 52)

Zeichner

Piero Masztalerz
Jahrgang 1970, lebt und arbeitet in Hamburg. Er veröffentlichte bisher u.a. auf Spiegel Online, EULENSPIEGEL, TITANIC, Lübecker Nachrichten, Handelsblatt, Fi­nancial Times Deutschland, Schweriner Volkszeitung und der BRAVO. Er ist der Zeichner der NDR2-Radiocomedy/Trickfilmserie „Frühstück bei Stefanie“.

(Quelle: Edition 52)

Piero Masztalerz – Homepage
Piero Masztalerz – Facebook

André Sedlaczek
Am Nikolaustag des Jahres 1967 in Detmold geboren, etwas zu früh, um den Weihnachtsbraten nicht zu verpassen.
Dann noch schnell das Studium der Visuellen Kommunikation an der FH Bielefeld, Schwerpunkt Illustration, absolviert.
Seit 1996 als freiberuflicher Cartoonist und Comic-Zeichner tätig. Seine Cartoons erscheinen u.a. in dem Satiremagazin Eulenspiegel.
Eine weitere aktuelle Buchveröffentlichung ist „Supermänner“, erschienen 2015 bei Lappan.

(Quelle: Edition 52)

André Sedlaczek – Homepage

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 07.10.2015
Seitenzahl: 80
ISBN: 978-3-935229-55-5
Sprache: Deutsch
Extras: mit einem Vorwort von Attila Hildmann
Verlagshomepage: Edition 52

Copyright Cover: Edition 52
Copyright Auszug des Vorworts: Attila Hildmann, 2015



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde