Review

Marvel-Zombie-Horror

Abermals haben wir einen Hardcover-Band aus der Panini-Reihe für euch, welche die wichtigsten, einflussreichsten und legendärsten Abenteuer aus dem Haus der Ideen versammelt (zuletzt: „Marvel Must-Have: Doctor Strange – Der Eid“) – diesmal: „Marvel Must-Have: Marvel Zombies“.

Für diese ungewöhnliche fünfteilige Miniserie haben sich „The Walking Dead“-Schöpfer Robert Kirkman („Invincible 7“, „Fire Power 1“) und Marvel Comics im Jahr 2006 zusammengefunden, um Marvels Helden wie Iron Man, Captain America, Thor, Hulk, Spider-Man & Co. in einer alternativen Wirklichkeit als fiese Zombies und abstoßende Kreaturen in Szene zu setzen.

Während der gefräßige Marvel-Zombie-Horror bereits für (die unterwältigende) Episode 5 der Disney+-Animationsserie „What If…?“ als Vorbild und Inspiration diente, wollen wir einen Blick zurück auf die Comic-Anfänge werfen.

Weltenverschlinger verschlungen

Den Inhalt können wir kurz abhandeln. Die entstellten Marvel-Helden fressen ihren gesamten Planeten leer. Nur vereinzelte Nicht-Zombies wie Magneto und Black Panther konnten sich der menschenfeindlichen Seuche bislang entziehen. Die hungrigen Kreaturen kennen jedoch kein Erbarmen.

Eines Tages tauchen der kosmische Weltenverschlinger Galactus und sein Herold Silver Surfer auf. Während Planeten und ihre Bevölkerung bei deren Erscheinen üblicherweise in Panik und Angst erstarren, sehen die Super-Zombies nur eines: Beute.

Das Motto der tumben Kreaturen lautet nunmehr: Die Welt ist nicht genug.

Nichts für Zartbesaitete

Robert Kirkman ist hier natürlich voll in seinem Element. Mit Zombies kennt der Mann sich aus.

Überraschenderweise sind seine Marvel-Zombies – insbesondere für Zombie-Verhältnisse – geradezu geschwätzig und redselig. Mit schlurfenden, allenfalls grummelnden Untoten haben diese „Helden“ jedenfalls nichts gemeinsam. Ernsthafte und tiefgreifende Dialoge sollte die Leserschaft naturgemäß trotzdem nicht erwarten. Das Zombie-Virus hat ganze Arbeit geleistet. Abgesehen von der Suche nach und Gesprächen über die nächste Beute haben sich die Monster nicht mehr viel mitzuteilen.

Die Miniserie bietet eine durchgehend hartgesottene, irgendwie kurzweilige und unterhaltsame Geschichte; eine Story, die man innerhalb kürzester Zeit am Stück „weglesen“ kann und möchte.

Für Marvel-Verhältnisse kommt die Story geradezu unerhört schonungslos daher – sowohl im Umgang mit den klassischerweise heldenhaften Figuren; aber auch im Hinblick auf die teils derbe Sprache sowie die expliziten Gewaltszenen. Wenn die hiesige Meute Heißhunger auf Menschenfleisch hat, dann werden auch schon bald die Fetzen fliegen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach Kirkmans und Phillips‘ ursprünglicher Saga haben die Marvel-Zombies mittlerweile allerhand Abenteuer erlebt, wie z.B. „Marvel Zombies – Auferstehung“. (Copyright: Panini Comics)

Beispielhaft sei erwähnt, dass der gammelige Red Skull vorliegend in einem Zweikampf mit seiner Nemesis, dem ranzigen Captain America, Teile dessen Gehirns aus dem offenen Schädel pflückt. An anderer Stelle sehen wir Giant-Man Hank Pym, der den noch nicht zu einem Zombie verrotteten Black Panther in seinem Labor konserviert, um diesen erst nach und nach zu zerstückeln und zu verspeisen. Es lässt sich hieran ablesen: „Marvel Zombies“ ist keinesfalls etwas für Zartbesaitete.

Ein Stück weit mangelt es hier womöglich an Sympathiefiguren, um die Leserschaft gänzlich mitzureißen. Im Fokus stehen die Marvel-Recken in ihrer ungewohnten Rolle als fleischfressende Ungeheuer. T’Challa alias Black Panther und eine kleine Gruppe Überlebender dieser verrückten alternativen Realität bekommen etwas zu wenig Raum, als dass Leser:innen hier allzu großen Anteil an deren Schicksal investieren würden. Im Fokus steht die Etablierung einer dystopischen Hölle auf Erden und keine klassische Heldengeschichte, wie wir sie sonst aus dem Haus der Ideen gewohnt sind.

Das Artwork von Sean Phillips kommt – im besten Sinne – ranzig und verwest daher. Wenn die Marvel-Zombies sich nach dem nächsten Imbiss verzehren und dabei nach und nach zerfleddern, dann könnte das meiner Ansicht nach nicht passender in Szene gesetzt sein als hier. Phillips hat an jeder Stelle das passende Gespür dafür, wie er seine vorherigen Einfälle und Illustrationen nochmals übertrumpfen kann. Wie bei Kirkmans Story hat man auch bei den Zeichnungen den starken Eindruck, dass die beiden Kreativen von Marvel mehr oder weniger freie Hand bekommen haben, um all ihre Ideen und makabren Geistesblitze in die Tat umzusetzen.

Fazit

Allein für seine Ungewöhnlichkeit und Eigenständigkeit hat „Marvel Zombies“ einen Platz in dieser erlesenen Reihe bereits verdient. Wenn die eigentliche Story auch recht unscheinbar daherkommt, so ist der Eigenwille von Kirkman und Phillips, etwas Abgefahrenes zu erschaffen, das nachhaltig in Erinnerung bleibt, überrascht und manch einen womöglich aufwühlt, schlechterdings nicht von der Hand zu weisen.


Marvel Must-Have: Marvel Zombies

Inhalt

Die große Marvel-Horror-Saga von Robert Kirkman!

In einer Alternativwelt wurden Iron Man, Captain America, Thor, Hulk, Spider-Man und viele andere in Zombies verwandelt. Als der Silver Surfer auf ihrer Welt erscheint, ahnen die Super-Zombies nicht, was ihm folgen wird.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Robert Kirkman
(*30. November 1978 in Richmond, Kentucky) ist ein US-amerikanischer Comic- und (Dreh-)Buchautor, bekannt durch die Comicserie „The Walking Dead“.

(Quelle: Wikipedia)

Robert Kirkman – Twitter

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 22.02.2022
Originalausgaben: Marvel Zombies 1-5
Seitenzahl: 148
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)