Review

Es wäre manchmal interessant zu wissen, welche Substanzen manche Autoren genommen haben, um auf die Ideen für ihre Werke zu kommen. Markus Niebios ist so ein Fall, denn sein Buch „Kopflos im Kofferraum“ ist eine absurde Achterbahnfahrt, die sich zwischen Thriller/Krimi, Humor und Skurrilität bewegt. Hinzu kommt ein amtlicher Schuss Ironie, der immer wieder für ein breites Grinsen beim Leser sorgt.

Die Geschichte ist relativ einfach: Borg und Romanov sind die beiden Protagonisten, die gemeinsam eine Detektei mit dem Namen „Mystica“ betreiben. Sie kombinieren in ihrem Geschäft klassische Detektivarbeit mit Wahrsagerei und Magie und ziehen so verständlicherweise eher sonderbare Kunden an. So ist es nicht verwunderlich, dass eines Tages ein Mann auf ihrer Matte steht, für den sie ein exotisches Tier, welches eigentlich gar nicht existieren dürfte, ausfindig machen sollen.

Dieser offenbar einfache Auftrag entwickelt sich zu einer absurden und ziemlich blutigen Geschichte, in der Nazis, Türken, sehr einflussreiche Menschen und natürlich ein absonderlicher Bestatter eine Rolle spielen.

Was Markus Niebios in diesem Buch veranstaltet, ist kaum in Worte zu fassen. Das Grundgerüst ist ein ziemlich gut inszenierter Thriller, der jedoch in einen aberwitzigen Rahmen verpackt wurde. Die Story wird sehr schnell absurd und man muss ziemlich offen für die in letzter Zeit wieder florierende Trash-Kultur sein, um sich mit diesem Buch anfreunden zu können. Wenn man diese Voraussetzung aber mitbringt, wird man auf knapp 300 Seiten köstlich unterhalten und sich zudem den einen oder anderen Lacher nicht verkneifen können.

Diverse ziemlich blutige und vor allem kreative Szenen sorgen für den Spannungsaspekt in diesem Buch, der ebenfalls nicht zu kurz kommt.

Markus Niebios (Copyright: Markus Niebios)

Markus Niebios (Copyright: Markus Niebios)

Es gibt aber dennoch etwas an „Kopflos im Kofferraum“ zu kritisieren: Da die Geschichte sich zu einem ziemlich komplexen Gewirr entwickelt und eine Vielzahl an Figuren eine mehr oder weniger wichtige Rolle in dieser Geschichte spielt, hätte Markus Niebios sich durchaus mehr Raum – sprich mehr Seiten – nehmen können. Oftmals sind die Wendungen zu abrupt, einige Szenen werden in Lichtgeschwindigkeit abgearbeitet und die einzelnen Figuren sind nicht ideal ausgearbeitet. Es ist teilweise ziemlich schwer, der streckenweise sehr schnell erzählten Geschichte zu folgen und eine mehrtägige Lesepause wirkt sich fatal aus; die Wahrscheinlichkeit, dass man den Faden verliert, ist sehr hoch.

Dennoch macht es ziemlich viel Spaß, dieses Buch zu lesen, sofern man eine Affinität für Geschichten abseits des Mainstreams hat.

Inhalt

Eine irre Mischung aus „Kluftinger“ und „Kreutzer kommt“ mit einem Schuss „Tatortreiniger“!

Wer seine Detektei Mystica nennt und einen Leichenwagen als Dienstgefährt benutzt, legt es darauf an, die Kundschaft aus schrägen Vögeln zu rekrutieren. Dass sich Borg und Romanov bei ihrer Suche nach einem seltenen Krebs allerdings mit Sargdesignern, Kryptozoologen und einem Hippie-Medium herumschlagen müssen, geht selbst ihnen ein bisschen zu weit.

Als Borg ein Mord angehängt wird, und sein Nachfolger als Leiter der Mordkommission alles daran setzt, ihn hinter Gitter zu bringen, beginnt eine fulminante Jagd nach Antworten.

Warum nagelt jemand einen türkischen Totengräber an ein Hakenkreuz? Was verheimlicht das Bestattungsunternehmen? Wie oft kann man lebendig begraben werden, ohne den Verstand zu verlieren? Wer serviert wem vom Aussterben bedrohte Tiere und wie kommt der Kopf des Klienten in den Kühlschrank der Detektei?

Von der Polizei und zwei Killern durch halb Dortmund gehetzt, finden Borg und Romanov heraus, dass es dem Vorsitzenden einer rechtsradikalen Bürgerinitiative um weit mehr geht, als den Bau eines Minaretts zu verhindern.

(Quelle: KBV)

Autor

Markus Niebios wurde 1968 in Dortmund geboren und belegt in seiner Geburtsstadt trotz einer Studiendauer von 20 Semestern lediglich den zweiten Platz in der Bestenliste ewiger Studenten der FH Sozialpädagogik. Bekannter wurde er als Sänger der Dortmunder Formation „Van Winkle“, die es in den 90ern immerhin zu einem Plattenvertrag bei DD-Records brachte. Zu alt, um als Rockstar jung zu sterben, beschloss er 2006, den Berg des Lebens auf der Literaturseite zu besteigen.

Nachdem mehr als zwanzig seiner Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht wurden, folgte sein erster Roman. Der Krimi spielt im Ruhrgebiet, schließlich war sein Vater Wachleiter in Dortmund-Hombruch, die Schwester arbeitet bei der Kripo und wer einen Bergmann zum Großvater hat, erfährt schon als Kind, was in den zugeschütteten Schächten der Zechen schlummert.

Er schreibt mit einer Vorliebe für überraschende Wendungen, skurrile Charaktere und Plots, in denen Subjektivität von Wirklichkeit und Wahnsinn zutage tritt.

So gesehen verdient er sein Geld in einem Traumberuf: Er leitet einen Seniorentreff.

(Quelle: KBV)

Markus Niebios – Homepage

Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 00.09.2014
Seitenzahl: 290
ISBN: 978-3-95441-190-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: KBV

Copyright Cover: KBV



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde