Review

Man kann sich bildlich vorstellen, wie Markus Heitz einst mit Freunden in bester Rollenspieler-Manier Welten und Geschichten erdachte. Darunter auch die Wüstenstadt Wédōra, dessen weitere Ausarbeitung aber zunächst im stadteigenen Sande verlief, und nun, 20 Jahre später, von Heitz selbst wieder ausgegraben wird. Im Nachwort seines neuen Romans „Wédōra. Staub und Blut“ schildert der Autor, wie ihn die Idee um Wédōra zwischen all seinen weiteren schriftstellerischen Ergüssen nie ganz losließ, sodass er sich ihrer jetzt wieder angenommen hat, um daraus einen Fantasy-Kosmos zu entwickeln, der – wie nicht selten bei Heitz – die Option für Folgewerke offen lässt.

Einen ersten Leitfaden in und um die Welt von Wédōra liefern bereits die ersten Seiten seines neuen Romans, denn jene konfrontieren die Leser nicht nur mit Kartenmaterial (von Heiko Jung), um das neue Universum auch visuell ein wenig zu veranschaulichen, sondern zudem mit der Auflistung aller relevanten Figuren, Begrifflichkeiten und den hier zugrunde liegenden Zeiteinheiten. Möge das Rollenspiel – oder besser gesagt das Lesen – also beginnen.

Spannung, Intrigen, Freundschaften, Feindschaften und ein nahender Krieg sind die Eckpfeiler, die schon der Klappentext über „Wédōra“ verrät. Was wie eine vielversprechende und epische Reise in eine andere Welt klingt, gespickt mit bewährten und auch kreativen Fantasy-Elementen, entpuppt sich nach Beenden der insgesamt 608 Seiten jedoch eher wie ein Kurztripp in die Wüstenstadt, bei der man sich sicher ist, dass sie noch viel mehr zu bieten hat, als Heitz bisher zeigt. Gleich einem lang gezogenen Prolog erinnern viele Phasen des Buchs eher an eine oberflächliche Stadtbesichtigung, die den Lesern die Geheimtipps und „Szeneviertel“ jedoch noch vorenthält. Entsprechend blass bleiben Figuren, Hintergründe und der Schauplatz selbst.

Ebenso will sich die Spannung nicht recht einstellen. Eher teilnahmslos verfolgt man lesend das Geschehen und wartet auf überraschende Wendungen oder nennenswerte Kniffe, die zu fesseln vermögen, allerdings bis zum Ende hin fast gänzlich ausbleiben. Die dann doch mal stattfindenden Kämpfe und Konflikte gehen fast unmerklich im Gesamtkontext unter, von Epik und Dramatik fehlt jede Spur. Und obwohl „Wédōra. Staub und Blut“ ein in sich abgeschlossener Roman ist, bleibt das Gefühl, hiermit lediglich einen Auftakt für die noch kommende eigentliche Geschichte vorliegen zu haben.

Markus Heitz (Copyright: FinePic, München)

Markus Heitz (Copyright: FinePic, München)

Die immer wieder integrierten Zwischenkapitel wie „Aus den Aufzeichnungen eines unbekannten Reisenden“ oder „Aus den Stadt-Chroniken“, die sich mit kursivem Druck vom restlichen Text auch optisch abheben, liefern einige Backgroundinformationen, die in ihrer Sachlichkeit und durch die beinhalteten zahlreichen Fakten und Namen den Lesefluss häufig unfreiwillig unterbrechen. Auch dies ist dem Spannungsaufbau nicht unbedingt zuträglich, sorgt stattdessen aber für einen nötigen Kontext, den man eventuell aber interessanter in den Roman hätte einbinden können.

Vieles, was der Klappentext verspricht, bleibt in „Wédōra. Staub und Blut“ insgesamt zu unerwähnt und auch die hohen Erwartungen an das im Vorfeld umfassend beworbene Buch werden nur bedingt erfüllt. Man mag es sehen, wie man möchte, dass sich Markus Heitz auch mit diesem neuen Roman die Möglichkeiten auf Fortsetzungen nicht nehmen lässt, Fakt ist aber, dass sie in diesem Fall mehr als ratsam sind, um Wédōra schließlich mehr Profil und Lebendigkeit zu verleihen.

Trailer

Inhalt

Eine Million Einwohner
Neun intrigante Statthalter
Ein Herrscher, den niemand je zu Gesicht bekommt

Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédōra. Sämtliche Handelswege der 15 Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier, Karawanen, Kaufleute und Reisende finden Wasser und Schutz. In diese Stadt verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija.
Die beiden kommen zum ungünstigsten Zeitpunkt in die Stadt, steht Wédōra doch kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die geheimnisvollen Stämme der Wüste rufen zum Sturm auf die mächtige Stadt.
Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für alle Seiten kriegsentscheidend sein können.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Kein anderer Autor wurde so oft wie er mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet, weshalb er zu Recht als Großmeister der deutschen Fantasy gilt. Mit der Bestsellerserie um „Die Zwerge“ drückte er der klassischen Fantasy seinen Stempel auf und eroberte mit seinen Werwolf- und Vampirthrillern auch die Urban Fantasy. Markus Heitz lebt in Homburg.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 01.08.2016
Seitenzahl: 608
ISBN: 978-3-426-65403-3
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde