Review

Der „Großmeister der deutschen Phantastik“ schlägt wieder zu.
Markus Heitz wandelt mit seinem neuesten Werk „Exkarnation“ abermals in den Bereichen der Urban Fantasy, verknüpft diese aber – nicht zum ersten Mal – zusätzlich mit Elementen des Thrillers.

Erneut erfreut er seine Leser dabei mit neuen Ideen, denn nach u.a. Werwolfromanen („Ritus“ und „Sanctum“), einem Vampir-Dreiteiler („Judas“-Trilogie) und Romanen über Dämonen („Blutportale“) hat sich Heitz für „Exkarnation“, der Titel mag es schon verraten, den unterschiedlichen Vorstellungen von der Seele angenommen und den Schwerpunkt auf die Idee der Seelenwanderung gelegt.

Zu diesem Thema gibt es verschiedene wissenschaftliche Zugänge, und man merkt, dass sich der Autor damit intensiv auseinandergesetzt hat, doch wissenschaftlich, sachlich und trocken geht es in „Exkarnation“ natürlich nicht zu.
Der Roman spiegelt eine deutliche Vorstellung über die Seelenwanderung wider, gleichzeitig verknüpft Heitz diese gelungen mit einem fiktiven Plot, der für reichlich Spannung und Action sorgt.

Und doch stehen vermutlich einige am Ende des Buches da und sagen: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“. Denn einerseits hält der Roman zahlreiche positive Aspekte parat, andererseits sind es genau diese, die womöglich viele Leser stellenweise zwiegespalten zurücklassen.

Wer Heitz kennt, der weiß, dass sich dieser nicht mit einer simplen, stringenten Handlung zufriedengibt. So finden sich auch in „Exkarnation“ viele vereinzelte Handlungsstränge, die früher oder später mal mehr und mal weniger lose zusammengeführt werden.

Im Rahmen dieser unterschiedlichen Erzählstränge trifft man neben zahlreichen neuen Figuren ebenfalls auf alte Bekannte, denn auch „Exkarnation“ weist – wie bereits „Blutportale“ oder „Judastöchter“ zuvor – vereinzelte Verflechtungen und Überschneidungen zu vorangegangenen Veröffentlichungen des Autors auf.
Dass Markus Heitz seine Bücher immer mal wieder auf unterschiedliche Weise Bezug zueinander nehmen lässt, ist also nicht neu, in vorliegendem Roman fallen aber die Charaktere Eric und Sia deutlich auf, da ihre Geschichte einen gesamten Handlungsstrang füllt. Obwohl Heitz die Verwebung der Figuren in die neuen Handlungen gut gelingt, sodass keine Vorkenntnisse vonnöten sind und gleichzeitig das gesamte Heitz-Universum sehr komplex erscheint, könnte man die Absicht dieses Vorgehens hinterfragen, denn auch ohne die zusätzliche Ebene um Eric und Sia liefert „Exkarnation“ bereits genügend Stoff, um einen Roman wunderbar zu füllen.
Anlass zur Kritik gibt dies allerdings für mich nicht, denn immerhin kündigen das offene Ende – und auch die Danksagungen des Autors – eine Fortsetzung an, die vermutlich mehr Licht ins Dunkel bringt. Und das, obwohl Heitz stets darauf bedacht ist, Mysteriöses mysteriös und Unerklärliches unerklärlich bleiben zu lassen. Dies betreffend macht auch „Exkarnation“ keine Ausnahme. Für seine Leser ist dies Segen und Fluch gleichermaßen, Fans des Autors werden aber nichts anderes erwarten.

Wir haben also viele Handlungsstränge und zahlreiche Figuren, doch auch an (nationalen sowie internationalen) Schauplätzen mangelt es im Buch nicht, allerdings werden nicht alle derart detailreich beschrieben wie der Ausgangspunkt Leipzig. Hier liest man klar die Leidenschaft des Autors zu dieser Stadt heraus. Und das ist gut so, denn zum einen ist es schön, an der Faszination Heitz‘ teilzuhaben, zum anderen sind die weiteren Orte ausreichend ausgeführt, ohne den Leser mit zu vielen unnötigen Informationen zu behelligen.

Markus Heitz (Copyright: FinePic, München)

Markus Heitz (Copyright: FinePic, München)

In Anbetracht der Tatsache, dass „Exkarnation“ phasenweise lange braucht, um auf den Punkt zu kommen, Heitz neigt auch in „Exkarnation“ zum ausschweifenden Stil, könnte dies zu unzufriedenen Lesern führen. Zwar nimmt die Atmosphäre dadurch zu, einige könnten sich aber durch besagte vom Lektorat nicht rausgekürzte Stellen im Lesefluss gestört fühlen und vom eigentlichen Inhalt zu sehr abgelenkt werden. Vielleicht liegt in der Kürze oftmals doch die Würze und die ist letztlich eine reine Geschmackssache. Ich persönlich finde es insofern nicht störend, da der Schreibstil Heitz‘ derart fesselt, dass man auch die langatmigeren Passagen gerne und interessiert passiert.

„Exkarnation“ ist alles in allem ein Roman, der sehr schlüssig und komplex ausfällt und zudem die bisherige Heitz`sche Urban Fantasy-Welt berücksichtigt, indem Personen und Orte harmonisch in den hier gebotenen Kontext integriert werden.
Es spricht für den Autor, dass er diese Verbindungen knüpfen kann, ohne den Eindruck entstehen zu lassen, man habe etwas verpasst, sofern man die bereits erschienenen Heitz-Romane nicht kennt. Auch ist die Idee der Seelenwanderung sehr gut verarbeitet und verspricht, hier noch Großes erwarten zu dürfen. Letztlich können zwar genau die Stärken des Buchs für einige die nennenswerten Schwächen sein, der dabei entstehende Zwiespalt wird sich aber legen, sobald man den Roman ein wenig sacken lässt und ihn in Bezug auf einen weiteren Teil sieht.

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Inhalt

Mein Name ist, nein, war Claire. Mein neues Leben begann an dem Tag, als ich ermordet wurde.

Ein Wagen rast unvermittelt auf sie zu und überrollt sie. Claire stirbt an Ort und Stelle, obwohl sie ihrem Mann noch helfen wollte, der vor ihren Augen bei einem ­Überfall erschossen wird – doch ihre Seele verlässt die Erde nicht. Beherrscht von dem Wunsch, den Mörder zur Rechenschaft zu ziehen, fährt sie in den Leib der Selbstmörderin Lene von Bechstein. Doch Lenes ­Körper war eigentlich für jemand anderen vorgesehen, und Claire gerät mitten hinein in einen uralten Krieg.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Kein anderer Autor wurde so oft wie er mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet, weshalb er zu Recht als Großmeister der deutschen Fantasy gilt. Mit der Bestsellerserie um „Die Zwerge“ drückte er der klassischen Fantasy seinen Stempel auf und eroberte mit seinen Werwolf- und Vampirthrillern auch die Urban Fantasy. Markus Heitz lebt in Homburg.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Quality Paperback
Vö-Datum: 01.08.2014
Seitenzahl: 608
ISBN: 978-3-426-51623-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde