Review

Unerschöpflicher Ideenreichtum des Markus Heitz‘

Nach den Stand Alone Romanen „Die Klinge des Schicksals“ und „Des Teufels Gebetbuch“ ließ Markus Heitz noch im selben Jahr nicht lange auf Lesenachschub warten und veröffentlichte mit „Doors“ 2018 den Start eines Projekts, das mit jeder zu lesenden „Tür“ einen Ausflug in ein neues Genre eröffnete. Da seine Ideen scheinbar nicht auszugehen drohen, folgt abseits von den Fortsetzungsbänden zu „Doors“ bereits jetzt ein weiterer – vermeintlich eigenständiger und abgeschlossener – Roman des Autors im Knaur Verlag.

„Die dunklen Lande“ lautet der Titel des History-Dark-Fantasy-Epos, für das Heitz sein ehemaliges Studium der Germanistik und Geschichte zugutekommt.
Gebettet in den historischen Kontext des Dreißigjährigen Krieges entfaltet er auf 560 Seiten ein spannendes Abenteuer mit charismatischen Figuren.

Aenlin Kane: Eine Hommage an Robert E. Howards

Allen voran ist es diesbezüglich eine starke Frauenfigur, die sich tapfer und mit Unterstützung einer bunten Truppe von Söldnern nicht nur den Herausforderungen der damaligen Zeit um 1629, sondern auch fantastischer Elemente wie der Bedrohung durch dunkle Magie und Dämonen stellen muss.

Heitz‘ Inspirationsquelle für diese Figur namens Aenlin Kane ist Solomon Kane, ein erfundener Charakter des „Conan“-Schöpfers Robert E. Howard. Als Hommage an ihn nimmt Aenlin Kane in „Die dunklen Lande“ die Funktion der Erbin dieser einstigen Romanfigur ein. Diese kreierte Konstellation erweist sich als ein nettes ehrerweisendes Gimmick von Heitz, das für die Handlung als solche allerdings nicht dringend nötig gewesen wäre.

Vielfältiges Heldenensemble

Komplettiert wird die illustre Runde an Recken durch ein vielfältiges Ensemble diverser Helden, die dem Leser schnell ans Herz wachsen. Zugang zu den unterschiedlich angelegten Typen findet man daher ebenso zügig wie man Sympathien und Antipathien zu einigen Charakteren entwickelt.

Insgesamt hat sich Markus Heitz hinsichtlich seiner Figurenauswahl jedoch ganz offensichtlich für die „pfiffigsten“ Zeitgenossen entschieden, sodass einige Denk- und Verhaltensmuster eher modern wirken und damit teilweise etwas aus dem Rahmen des historischen Kontextes fallen.
Stellenweise erscheint auch das Handeln der Protagonistin nicht ganz plausibel; zu schnell wächst sie über sich hinaus und mutiert von einer Frau auf der Suche nach ihrem Erbe zu einer erfahrenen Kämpferin.

Die visuellen Extras

Indes überzeugen interessante Schauplatzwechsel (u.a. Hamburg, Bamberg, Mühlhausen und Magdeburg), die anhand einer abgedruckten Karte im Buch auch visuell nachvollziehbar sind.

Neben diesem Kartenmaterial sind dem Roman zudem historische Illustrationen von Erich Lessing hinzugefügt worden. Sie vermitteln dem Leser einen optischen Eindruck der damaligen Geschehnisse und Bedingungen, welche von Heitz auch innerhalb der Handlung eingebunden werden. Dies immer ohne lehrmeisterhaft zu wirken, sondern vielmehr in der Funktion, der Geschichte Details und – auf geschichtlicher Ebene – Authentizität zu verleihen.

Markus Heitz (Copyright: Stefan Freund)

History meets Fantasy

Der historischen Komponente, in die zusätzlich durch das der Geschichte vorangestellte Kapitel „Zur Lektüre des Romans: Das reale Szenario 1629“ eingeführt wird, damit ausreichend gerecht werdend, sorgen Werwesen, Nixen, Dämonen und dunkle Magie für die Dark Fantasy-Nuancen in „Die dunklen Lande“. Nichts, was in einem Genre-Roman überraschen würde, dafür aber alles – von Figuren über Sprache bis hin zur Zitatauswahl vor jedem Kapitel – äußerst stimmig miteinander verwoben.

Wenig überraschend – zumindest für Heitz-Verhältnisse – fällt schließlich auch das Ende des Buches aus. Dieses wirkt zwar abgeschlossen, lässt aber gleichzeitig ein paar Fragen respektive Geheimnisse und damit eine Aussicht auf eine Fortsetzung offen.

Kooperation mit Blind Guardian

Erste Antworten und Weiterführungen könnte es schon im November geben, wenn die Band Blind Guardian ihr neues Album „The Legacy Of The Dark Lands“ veröffentlicht. Denn wie beispielsweise schon Christoph Hardebusch mit seinem Roman „Feuerstimmen“ gemeinsame Sache mit der Band Van Canto und ihrem dazugehörigen Album „Voices of Fire“ gemacht hat, tat sich Heitz für „Die dunklen Lande“ mit Hansi Kürsch und seinen Mannen zusammen.

Ob mit oder ohne Musik – Markus Heitz‘ erneute Rückkehr zur Fantasy gelingt mit „Die dunklen Lande“ hervorragend und sorgt für einige unterhaltsame, spannende Lesestunden.

Teaser

Handlung

Ein blutiger Krieg, finstere Mächte und Magie – zwei mutige Frauen stellen sich dem Bösen

1629. Der Dreißigjährige Krieg erschüttert Europa und tobt besonders gnadenlos in Deutschland. Die junge Abenteurerin Aenlin Kane reist in die neutrale Stadt Hamburg, um das Erbe ihres berühmten Vaters Solomon Kane zu finden. Dazu nimmt sie zusammen mit ihrer Freundin Tahmina, einer persischen Mystikerin, den folgenschweren Auftrag der West-Indischen Compagnie an: Eine zusammengewürfelte Söldnertruppe soll sich nach Bamberg durchschlagen und fünf Personen abholen, um sie sicher in die Hansestadt zu eskortieren. Was sie nicht wissen: Bamberg ist die Stadt grausamster Hexenprozesse. Und der Anführer der Truppe, Nicolas, verbirgt ein düsteres Geheimnis. Schon bald geht es für die Söldner nicht länger nur um den Auftrag, sondern um alles oder nichts. Um zu überleben, müssen Aenlin und Tahmina ihre Klingen mit der dämonischen Macht kreuzen, die die Wirren des Krieges zu ihrem Vorteil nutzen will.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Er schrieb über 40 Romane und wurde etliche Male ausgezeichnet. Mit der Bestsellerserie um „Die Zwerge“ gelang dem Saarländer der nationale und internationale Durchbruch. Dazu kamen erfolgreiche Thriller um Wandelwesen, Vampire, Seelenwanderer und andere düstere Gestalten der Urban Fantasy und Fantastik. Die Ideen gehen ihm noch lange nicht aus.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 01.03.2019
Seitenzahl: 560
ISBN: 978-3-426-22676-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde