Review

Marc Ritter wurde insbesondere für seine Thriller „Kreuzzug“ und „Bluteis“ viel gefeiert. Doch Ritter kann nicht nur packende Thriller, sondern durchaus auch amüsante Regionalkrimis schreiben. Das beweist er eindrucksvoll mit „Stieranger“.

Dieses Hörbuch besticht nicht nur durch den ausgefuchsten Fall, sondern vor allem durch das „Drumherum“, welches den eigentlichen Kriminalfall fast ein wenig in den Hintergrund rückt. Denn Marc Ritter parodiert gekonnt das Genre der Alpenkrimis sowie die Lebensart in kleinen, bayerischen Dörfern. Dabei rutscht er selten in den Klamauk, sondern bleibt stets niveauvoll und stößt niemanden vor den Kopf. Vielmehr stellt er Sitten, Gebräuche und häufige Persönlichkeitsmerkmale der entsprechenden Bevölkerung leicht überspitzt dar und bringt so seine Leser zum Schmunzeln.

Doch „Stieranger“ ist selbstverständlich keine Komödie – zumindest nicht ausschließlich – denn Ritter bringt auch viel Politik – vor allem aktuelle – in seine Geschichte ein. So gibt es Anspielungen auf den Hoeneß-Skandal, den NSU-Prozess sowie die viel gehasste NSA. Diese Momente sollen aber nicht die Meinung des Lesers (bzw. in diesem Fall Hörers) prägen oder gar verändern, sondern ihm lediglich derartige Themen auch auf diesem Wege noch einmal vor Augen führen, ohne aufdringlich zu wirken. Diesbezüglich sind die Situationen sehr schön in die Story integriert.

Marc Ritter (Copyright: www.foto-schwabing.de)

Marc Ritter (Copyright: www.foto-schwabing.de)

Obwohl es sich bei „Stieranger“ um eine gekürzte Lesung handelt, bleibt die Geschichte in sich stimmig und man vermisst nichts, solange man nicht die Buchversion kennt. Die Kürzung wurde also mit Bedacht und Vernunft umgesetzt, ohne „Stieranger“ zu beschädigen oder gar zu zerstören.

Der Sprecher – Michael Schwarzmaier – ist exakt die richtige Wahl für „Stieranger“ gewesen. Er hat eine sehr angenehme Stimme, der man gerne zuhört, ohne Gefahr zu laufen, die Konzentration zu verlieren.

Zudem betont er sehr schön und spielt hin und wieder – aber nicht zu oft – mit seiner Stimme, um einzelnen Figuren einen individuellen Klang zu verleihen. Dieser ist auch gerne einmal dialektal, es besteht jedoch keine Gefahr für „Nicht-Bayern“, dass man nichts versteht. Ebenfalls rutscht Schwarzmaier nicht in den Slapstick ab, was das gesamte (Hör)buch ins Lächerliche ziehen würde.

Unterm Strich kann man also sagen, dass „Stieranger“ von Marc Ritter durch den Audio Media Verlag perfekt als Hörbuch umgesetzt wurde.

Man sollte Freund des regional geprägten Krimis sein, um mit diesem Buch etwas anfangen zu können, wenn dies zutrifft, wird man aber eine Menge Freude an dieser Hörbuchversion haben.
Marc Ritter bedient sich in „Stieranger“ eines sehr angenehmen Humors, der lediglich hin und wieder ins Plumpe abrutscht, was zwar in diesen Momenten durchaus auffällt, die Qualität aber nicht nachhaltig mindert.

Klappentext

Es ist was faul im Staate Bayern

Dass ausgerechnet er, Lokalreporter Karl-Heinz „Gonzo“ Hartinger, sich um den Unternehmer Oliver Klammert kümmern muss, der in Garmisch-Partenkirchen einen neuen Standort sucht, ist schlimm genug. Dass dies auch noch joggenderweise passieren muss, weil Klammert sich als Fitnessfreak entpuppt, macht die Sache nicht besser. Aber spätestens als sie das Grand Hotel Sonnenbichl erkunden und Hartinger auf dem Dachboden ein bekannter, höchst unangenehmer Geruch in die Nase strömt, ist mal wieder klar, dass hier etwas ziemlich zum Himmel stinkt …

(Quelle: Audio Media Verlag)

Autor

Marc Ritter, geboren 1967 in München, wuchs ab dem sechsten Lebensjahr in Garmisch-Partenkirchen auf, wo er nach dem Abitur Zivildienst machte und für eine Lokalzeitung über Politik, Sport und Nachtleben berichtete. Zum Studium von Germanistik, Politikwissenschaften und Werbepsychologie sowie für eine Marketingausbildung kehrte er nach München zurück. Ritter arbeitet als Manager für ein Online-Unternehmen.

Von Marc Ritter erschienen bislang die Kriminalromane „Josefibichl“, „Herrgottschrofen“ und „Stieranger“ (Piper) sowie „Transalp“ (neobooks), letzerer in Zusammenarbeit mit „Deutschlands Rätselpapst“ CUS.
Die Thriller „Kreuzzug“ und „Bluteis“ erschienen bei Droemer Knaur. Ritters erstes Sachbuch erschien als Kooperation mit Deutschlands wahrscheinlich bestem Buchgestalter Tom Ising. In „Das Allerletzte. Was Sie schon immer über den Tod wissen wollten“ (Riemann) erfährt der Leser alles, was er schon immer über den Tod wissen wollte. Vielleicht sogar mehr.

(Quelle: Marc Ritter)

Marc Ritter – Homepage
Marc Ritter – Facebook

Details

Format: 5 CDs
Veröffentlichung: 01.04.2014
Spielzeit: ca. 350 Minuten (mehr als 6 Stunden)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-86804-794-3
Verlagshomepage: Audio Media Verlag

Copyright Cover: Audio Media Verlag



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.