Review

„Totgelacht“ – so der Titel des humoristischen Kurzgeschichtenbands rund um alles Kriminelle und Kriminalistische aus der Feder Manfred Kochs. Und man weiß nicht, was man sich vor dem Lesen mehr wünschen soll: Dass der Inhalt dem Titel gerecht werden möge, was für reichlich literarische Unterhaltung sprechen würde, aber aus dem Grund schlecht wäre, da diese Rezension anschließend nicht mehr geschrieben werden könnte und die Folgen dann doch zu final scheinen, vor allem in Anbetracht der „lediglich“ 192 Seiten, die nur unschwer den eigenen Tod aufwiegen können, oder dass das Buch nicht das verspricht, was sein Name prophezeit.

Manfred Koch nimmt einem die Entscheidung ganz solide und gentlemanlike ab, denn wie es bei „Anthologien“ der Fall ist, und zu einer solchen kann „Totgelacht“ durchaus zugeordnet werden, gefallen nicht alle hier enthaltenen Geschichten gleichermaßen, sodass für Lacher zwar ausreichend gesorgt wird, die Präferenz des je individuellen Lesers diesen jedoch vor einem frühzeitigen Ableben bewahrt. Und so pendelt sich das Buch insgesamt im guten Mittelfeld ein, wo es einige begeisterte Leser finden, aber auch den Humor anderer nicht treffen wird.

Was in Manfred Kochs „KrimiKillerKrimis“ allerdings immer wieder überzeugt, ist das Sprachgefühl des Autors. Wortwitz und -akrobatik runden so manche Kurzgeschichte in „Totgelacht“ gelungen ab. Ob „Das Tal der tausend Morde“, „Die hohe Schule des perfekten Mordes“ oder der krönende Abschluss des Gesamtwerks „In höchster Not“ spiegeln dies deutlich wider und zeugen davon, dass plump nicht immer gleich gut ist, sondern auch ein gewisser Intellekt von Vorteil und unterhaltsam sein kann.

Wortgewandt und intelligent sind einige Geschichten in „Totgelacht“ also schon einmal, doch darüber hinaus gibt es zudem reichlich Skurriles, Makaberes, Bitterböses, Schwarzhumoriges, Satirisches, aber auch Flaches. Doch so unterschiedlich der Stil der facettenreichen Erzählungen, 20 an der Zahl, ausfällt, so differieren jene außerdem in (sich aufs Lesetempo auswirkende) Länge, Qualität und Inhalt.

Immer wieder präsentiert Manfred Koch neue Ideen rund um alle erdenklichen kriminellen Energien, darunter beispielsweise Betrug, Mord und Totschlag. Auch der uns vor allem durch die kultige Serie bekannt gewordene Tatortreiniger findet seinen Platz in einer Geschichte („Mordssauerei“) und räumt dort auf seine ganz eigene Art auf.

Es geht also sehr abwechslungsreich in „Totgelacht“ zu. Ein Defizit stellen allerdings die Pointen der einzelnen Geschichten dar. Teilweise verliert sich der Autor in unnötigen Längen, welche die Geschichte schließlich daran hindern, auf den Punkt zu kommen, sodass sich der beabsichtigte Gag verflüchtigt, an anderer Stelle zünden die Pointen nicht richtig, da etwa der nötige Pepp fehlt, sie zu vorhersehbar sind oder der Autor sie zu akribisch „erklärt“. Und Witze, die man erst erklären muss oder „kaputt erzählt“, das wissen wir, sind letztlich nicht mehr lustig. Gut aber, dass hier 20 verschiedene Kurz- und Kürzestkrimis geboten werden, worunter insbesondere die Perlen wie „In höchster Not“ schnell über enttäuschendere Erzählungen hinweghelfen.

Manfred Koch (Copyright: MAnfred Koch / Styria)

Manfred Koch (Copyright: MAnfred Koch / Styria)

Da Autor und Verlag in Österreich ansässig sind, trifft der Leser hin und wieder auf ein bisschen Lokalkolorit, dieses hält sich jedoch derart in Grenzen, als dass man zu keinem Zeitpunkt über unverständliche Passagen stolpert.
Positiv ist in diesem Zusammenhang vor allem die Vorliebe der Österreicher für das Makabere, denn daran mangelt es „Totgelacht“ nicht.

Der Titel des Buches mag nicht bei jedem auch gleichzeitig als Devise des Werkes gelten, nichtsdestotrotz hat Manfred Kochs „Totgelacht“ seine Momente und sogar Highlights. Rundum „empfehlenswert“ für Krimi-Fans mit Humor und solche, die es noch werden wollen.

Inhalt

Manfred Kochs „KrimiKillerKrimis“ sind Krimis, die Krimis killen.
Kriminell schräge Geschichten für hartnäckige Krimifans, Krimi-Overkill-Geschädigte und Immer-schon-Krimi-Verächter. Ein mordsmäßig grimmiges Lesevergnügen, böser, satirischer, schwärzer, verrückter, witziger, frecher und intelligenter, als es die Kriminalpolizei erlaubt.

(Quelle: Styria)

Autor

Manfred Koch wurde 1950 in Graz geboren und lebt seit 1971 in Salzburg. Er war Werbetexter, Dramaturg und Regieassistent und ist seit 1980 freier Schriftsteller. Bekannt wurde er u. a. mit seiner satirischen Kolumne „Eingekocht“ in den „Salzburger Nachrichten“ und als Mitbegründer und Textautor des Salzburger Affronttheaters (ARD/ORF/SRG-Kabarettpreis „Salzburger Stier“ 1995).
Neben Arbeiten für TV, Hörfunk und Theater schrieb Manfred Koch mehrere Bücher. Bei Styriabooks: 2011 „Hexenspiel“ (Psychokrimi), 2013 „Kaltfront“ (Psychothriller) – nominiert für den „Friedrich-Glauser-Preis 2014“ (Kategorie: Bester Kriminalroman).

(Quelle: Styria)

Details

Format: Taschenbuch; Broschur
Vö-Datum: 17.06.2015
Seitenzahl: 192
ISBN: 978-3-222-13506-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Verlagsgruppe Styria

Copyright Cover: Styria



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde