Review

In zwei bisher erschienen Bänden kämpfte sich ein dreißigjähriger, verwitweter Anwalt aus der spanischen Provinz mit Katze durch ein ziemliches Chaos, angerichtet durch einen Zombie-Virus. Nach einer Erkundungstour auf Spaniens Festland und Teneriffa schickt Manel Loureiro seinen Protagonisten in „Apokalypse Z. Zorn der Gerechten“ samt aller Anhänge nun nach Amerika. Erwartet sie dort endlich die „schöne, neue Welt“?

Der Anwalt befindet sich mit seinen zwei Begleitern, der hübschen Lucía und dem toughen Prit, wieder auf hoher See. Gerade weil die Insel Teneriffa quasi zombiefrei war, erfolgte der Abschied nicht ganz freiwillig: Politische Unruhen bestimmten nicht nur die Handlung des recht schwachen Mittelteils der Trilogie, sondern zwangen die Freunde auch, wieder alle Zelte abzubrechen und einer hoffentlich besseren Zukunft entgegen zu schiffen.

Schlecht vorbereitet und nur mit kleinem Segelboot unter dem Hintern sehen sie schon ihre Felle davonschwimmen, als ein gigantischer Sturm aufzieht. Wie durch ein Wunder werden aber alle von einem Öltanker gerettet. Freundlich werden die drei Überlebenden willkommen geheißen, dieses Mal erwartet sie weder Quarantäne, noch Folter, nur ein paar ehrliche Christenmenschen auf der Suche nach Öl.
Nachdem sie erfolgreich (und sogar ohne die Hilfe des Anwalts) das begehrte Gut an sich genommen haben, geht es zurück in das beschauliche Gulfport, den Heimathafen des Tankers und der Besatzung. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, zumindest wenn man weiß ist. Alle Menschen mit anderen Hautfarben oder Nationalitäten haben eher schlechte Karten, sie werden auf Geheiß des übergeschnappten Stadtvaters Reverend Greene in Ghettos eingepfercht, misshandelt, auf jede erdenkliche Art diskriminiert und ermordet. Während der Anwalt den Kopf einzieht, sich über das neue Zuhause freut und endlich mal wieder Bürokrat sein darf, will sich die feurige Lucía für die Unterdrückten einsetzen. Der daraus resultierende Beziehungsstreit setzt schließlich den Startpunkt für eine Entwicklung, an deren Ende Revolution, Krieg und Infektion stehen könnten – es bahnt sich also ein spannendes Finale an!

Angesichts dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit und dem Streit in der kleinen Gruppe verblassen beinah die übrigen brisanten Neuigkeiten, denn im letzten Band lässt sich Loureiro wirklich nicht lumpen: Zu dem schon interessanten Plot mischt er noch ein mögliches Heilmittel, einen Schwachpunkt der Zombies und ein Nordkorea, das ohne Verluste die Apokalypse überlebt hat! Nach Teil 2 kommt das Ende also richtig dick. Nett ist, dass es hier nicht immer nur um Politik und Rassismus geht, sondern dass auch den Zombies mal wieder eine Rolle zugedacht wurde. Insgesamt also vielversprechend.

Manel Loureiro (Copyright: Paulo Otero)

Manel Loureiro (Copyright: Paulo Otero)

Jedoch hinterlassen diesmal die Details einen schalen Beigeschmack. Zwar erzählt der Autor erneut spannend, die gelegentlichen Gewaltausbrüche wollen aber nicht so recht dazu passen. Man muss nicht lesen, dass ein zerschossener Schädel „wie Marmelade mit Knochenstückchen“ aussieht. Besonders schade ist zudem die viele sinnlose Gewalt, die sich gegen Frauen richtet. Eine weibliche Nebenfigur einer brutalen Gruppenvergewaltigung im rassistischen Kontext zu unterziehen und sie anschließend zu erschießen, brachte beispielsweise überhaupt nichts für den Fortgang der Geschichte. Einen besonders dicken Schnitzer liefert sich Loureiro schließlich mit einem ungelenken Vergleich: Statt „zahm zum Schlachthof führen lassen wie die Juden im Holocaust“ (S. 299) hätte er sicherlich auch eine passendere Bezugsgröße finden können. Dass schließlich auch der Abschlussband nicht an die Erzähltechnik von Teil 1 anknüpfen kann, schmälert den Genuss, verblasst aber im Vergleich zu den anderen Kritikpunkten.

Wer nach dem Vorgänger also noch nicht abgeschreckt ist und über die technischen Makel hinwegsehen kann, wird in „Apokalypse Z. – Zorn der Gerechten“ viel Neues über Loureiros Untote lernen. Aber allein, um nach drei Bänden Rumgedruckse endlich den Namen des dreißigjährigen, verwitweten Anwalts aus der spanischen Provinz mit Katze zu erfahren, sollte man bei dieser actiongeladenen Dystopie zugreifen.

Inhalt

Sicherheit hat ihren Preis
Europa liegt in Trümmern: Ein mysteriöses Virus hat neunzig Prozent der Bevölkerung in hungrige Untote verwandelt. Drei Überlebende treten die gefährliche Reise in die USA an in der Hoffnung, dass dort noch ein Stück menschliche Zivilisation zu finden ist – nur um festzustellen, dass auch Amerika von den Zombies zerstört wurde. Einzig das kleine Städtchen Gulfport, Mississippi, ist bisher verschont geblieben. Doch Sicherheit hat ihren Preis: die Freiheit …

(Quelle: Heyne Verlag)

Autor

Manel Loureiro wurde 1975 in Pontevedra, Spanien, geboren. Er studierte zunächst Jura an der Universität von Santiago de Compostela, bevor er als Moderator verschiedener TV-Sendungen bekannt wurde.
Seinen ersten Roman „Apokalypse Z“ veröffentlichte er zunächst auf seinem Internetblog, wo er sich schnell zum Kultphänomen entwickelte.
Der Autor lebt und arbeitet in Pontevedra.

(Quelle: Heyne Verlag)

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Manel Loureiro – Twitter

Details

Format: Paperback, Klappenbroschur
Vö-Datum: 11.05.2015
Seitenzahl: 512
ISBN: 978-3-453-31664-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Heyne Verlag 

Copyright Cover: Heyne Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer