Review

Was als erfolgreiche Blogreihe von nun Vollzeitautor Manel Loureio begann, wurde 2012 in Buchform zu einem erfolgreichen Endzeit-Roman: „Apokalypse Z“ hatte zwar seine Schwächen, machte aber als Auftakt Lust auf mehr. Es blieb zu hoffen, dass der Autor in der Fortsetzung die verbleibenden Fehler ausbügeln konnte – auf der anderen Seite könnte „Apokalypse Z: Dunkle Tage“ aber auch zu einem trilogietypisch schwachen Mittelteil verkommen.

Der immer noch namenlose verwitwete Anwalt mit Katze aus der spanischen Provinz rettete sich, wie sich der Leser vermutlich noch erinnern kann, ganz gut durch Teil 1. Wer etwas vergesslicher ist, kann sich im ersten Drittel der Fortsetzung davon noch einmal überzeugen, denn auf gut 130 Seiten werden die vergangenen zwölf Monate seit dem Ausbruch des Zombie-Virus und der anschließenden Flucht des Protagonisten ausführlich und mehrfach wiedererzählt – einmal sogar von einer Eidechse. Während dieser Flashbacks gelangt der Protagonist aber zum vorläufigen Ziel seiner Reise: Teneriffa.
Mittlerweile reist er auch nicht mehr allein mit seiner hinderlichen Fellkugel Lúculo, ihn begleiten der mutige Hubschrauberpilot Prit, die tapfere Schwester Cecilia und der hübsche Teenie Lucía.
Gemeinsam, mit schwindender Kraft und dem letzten Tropfen Kerosin erreichen sie die Inselgruppe und stellen entsetzt fest, dass es auch hier Untote gibt! Sollte alle Hoffnung umsonst gewesen sein? Nein! Denn die anderen Inseln sind vollkommen frei von Zombies und beherbergen ca. 1,5 Millionen Überlebende. Bevor sie sich ins Gewusel der Stadt werfen können, müssen sie jedoch einen Monat Isolation auf einem Quarantäneschiff über sich ergehen lassen. Getrennt voneinander haben sie erste Begegnungen mit ihren neuen Landsleuten: Von neuen Freundschaften über sexuelle Übergriffe bis hin zu Schlägereien ist leider alles dabei. Da Schwester Cecilia bei einer Auseinandersetzung schwer verletzt wird, können nur drei des Quartetts ihre neue Unterkunft auf dem Festland beziehen. Und schon bald steht dem Trio auch noch ein neuer Abschied bevor. Prit und der Anwalt werden verpflichtet, an einem Manöver zur Beschaffung von Medikamenten auf dem spanischen Festland teilzunehmen. Als wäre das nicht gefährlich genug, verstricken sich die drei Freunde auch noch in politische Wirren, die auf der Insel ausgebrochen sind.

Manel Loureiro (Copyright: Paulo Otero)

Manel Loureiro (Copyright: Paulo Otero)

Ganz kurz zusammengefasst erreichen die Protagonisten in diesem fast 400 Seiten starken Buch also die Insel und müssen an einer Mission teilnehmen. Nicht besonders viel Handlung, nicht wahr? Leider bestätigt sich diese Vermutung auch beim genaueren Hinsehen. Die Handlungen sind zäh, die Erzählweise langweilig. Auch vom Tagebuchstil bleibt nichts über, im Gegenteil wird die Geschichte aus wechselnder Perspektive erzählt. Die spannenden Wege des Realismus hat Loureio damit nicht nur wegen des Fortgangs seiner Erzählung verlassen müssen, durch den stark veränderten Stil fehlt dem Ganzen einfach der Hauch Realität, der in Band 1 großen Anteil am Thrillergefühl hatte. Da hilft es auch nicht mehr, dass endlich die ganzen glücklichen Zufälle weniger werden.

Nett ist aber, dass der Leser endlich ein paar Hintergrundinformationen bekommt. In der Konsequenz entwickelt sich dadurch der Actionroman aber in eine komplett andere Richtung: Statt Zombieaction, Flucht und „MacGyver“-Momenten wird es politisch. Garniert wird das Ensemble von einer merkwürdigen Liebesgeschichte, die mal wieder wirklich nicht hätte sein müssen.

Fazit: Weniger von allem, der veränderte Schreibstil, immer noch eine verrückte Katze als Anhängsel und erstaunlich wenig Untote nehmen dieser Fortsetzung einige Charakteristika, die den Trilogieauftakt so besonders machten. Dazu noch die schwache Story und die Enttäuschung ist perfekt. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass es Loureio trotzdem irgendwie schafft, den Leser immerhin bis zum Schluss bei der Stange zu halten und ihn dann mit einem unmöglichen Cliffhanger doch noch auf den Abschlussband neugierig zu machen.

Inhalt

Seit ein geheimnisvolles Virus aus Russland die Menschen in blutrünstige Zombies verwandelt hat, liegt Europa in Schutt und Asche. Nur auf der Kanareninsel Teneriffa soll ein normales Leben noch möglich sein. Eine kleine Gruppe Überlebender – darunter ein junger Anwalt, der das Ende der Welt in seinen Tagebuchaufzeichnungen dokumentiert – macht sich auf den Weg dorthin. Doch zwischen ihnen und der Insel der Seligen steht eine Armee von Toten. Und in diesen dunklen Tagen sind die Toten schneller als die Lebenden!

(Quelle: Heyne Verlag)

Autor

Manel Loureiro wurde 1975 in Pontevedra, Spanien, geboren. Er studierte zunächst Jura an der Universität von Santiago de Compostela, bevor er als Moderator verschiedener TV-Sendungen bekannt wurde.
Seinen ersten Roman „Apokalypse Z“ veröffentlichte er zunächst auf seinem Internetblog, wo er sich schnell zum Kultphänomen entwickelte.
Der Autor lebt und arbeitet in Pontevedra.

(Quelle: Heyne Verlag)

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Details

Format: Paperback, Klappenbroschur
Vö-Datum: 13.10.2014
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3-453-31637-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Heyne Verlag 

Copyright Cover: Heyne Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer