Review

„Die Berufene“ von M. R. Carey ist ein Buch, das den Leser auf den ersten Seiten sehr effizient im Unklaren darüber lässt, in was für einer Umgebung die Handlung abläuft. Denn man erfährt aus der Sicht der Protagonistin Melanie lediglich, dass sie in einem sehr ungewöhnlichen – und auf den ersten Blick unmenschlichen – Schulsystem steckt, welches ziemlich verstörend wirkt.

Erst weit danach erfährt der Leser, dass er sich in diesem Buch in England befindet und das zu einer Zeit, in der die Menschheit beinahe durch einen Pilz ausgerottet wurde, der die Menschen – ganz trendgemäß – in stets hungrige Zombies verwandelt.

Lediglich einige wenige Überlebende haben sich in einer Militärbasis verschanzt und untersuchen Kinder, die zwar von dem Pilz befallen sind und demnach tendenziell sehr große Lust verspüren, alle Menschen in ihrer Nähe gründlich anzuknabbern, aber dennoch – im Gegensatz zum „normalen“ infizierten, der eher instinktgesteuert und hirnlos unterwegs ist – über einen ausgesprochen ausgeprägten Verstand verfügen. Eines dieser Kinder ist besagte Melanie, die uns in „Die Berufene“ ihre Geschichte erzählt.

Man könnte also meinen, dass dieses Buch aus der Sicht eines Antagonisten geschildert wird, doch das stimmt nicht. Denn man empfindet extrem schnell eine sehr große Sympathie für Melanie, sodass man regelrecht mitfiebert, wenn es ein wenig dramatischer wird.

Die anderen Hauptfiguren dieses Buches sind weniger klar strukturiert, entsprechend häufig wechselt die Sympathie des Lesers für jene. Dies ist jedoch jedes Mal hervorragend inszeniert, sodass der ständige Wechsel zwischen Hass und Sympathie niemals erzwungen oder nervig wirkt.

M. R. Carey (Copyright: Charlie Hopkinson )

M. R. Carey (Copyright: Charlie Hopkinson )

Generell ist „Die Berufene“ durchgehend stimmig und erklärt sowohl die Endzeitsituation, welche das Grundthema darstellt, als auch die spezifischen Szenen, die sehr fiktiv sind, zu jedem Zeitpunkt glaubwürdig. So fällt es leicht, sich einfach auf diese Geschichte einzulassen, ohne ständig irgendwelche logischen Fehler hinterfragen zu müssen.

„Die Berufene“ fesselt die Leser enorm schnell und lässt sie bis zur letzten Seite auch nicht mehr los. Dazwischen gibt es zwar thematisch bereits bekannten Stoff, der in unzähligen Veröffentlichungsformen durchgekaut wurde, hier aber so innovativ erzählt wird, dass er niemals abgedroschen wirkt. Auch wenn die Geschichte sehr oft recht vorhersehbar ist, gibt es dennoch viele Momente, in denen man vom Buch eiskalt überrascht wird. Insbesondere diese sind es, die „Die Berufene“ so lesenswert machen.

Wer also ein Faible für gut geschriebene Endzeit-Geschichten (mit Zombies!) hat, sollte bei diesem Buch zugreifen. Es ist sicherlich kein Fehler.

Handlung

Großbritannien, in nicht allzu ferner Zukunft: Ein grauen­hafter Parasit befällt die Menschheit. Millionen sind bereits infiziert und bedrohen die wenigen Gesunden. Alle Hoffnungen ruhen auf einer Schar Kinder, die anders auf den Erreger reagieren. Auf einer ent­legenen Militärbasis halten Wissenschaftler sie gefangen – zu allem entschlossen, um ihnen ihr biologisches Geheimnis zu entreißen. Doch es läuft nicht nach Plan …

(Copyright: Knaur Verlag)

Autor

M. R. Carey ist das Pseudonym eines britischen Fantasy-Autors, der bisher besonders im Comic-Bereich erfolgreich war (er schrieb unter anderem für die Reihen „X-Men“ und „Fantastic Four“). Seine eigenen Comics sind regelmäßig auf der New York Times Comic-Bestsellerliste vertreten. Außerdem hat er bereits weitere Romane und ein Hollywood-Drehbuch verfasst.

(Copyright: Knaur Verlag)

Details

Format: Taschenbuch
Veröffentlichung: 01.10.2014
Seitenzahl: 512
ISBN: 978-3-426-51513-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Droemer Knaur

Copyright Cover: Droemer Knaur



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.