Review

So hatte ich mir mein Leben nicht vorgestellt. Niemals. Aber man hat nicht immer die Wahl, oder? Und seien wir ehrlich… inzwischen kann ich es ganz gut. Menschen umbringen. Solche, die es verdient haben.

Bei dem 28-jährigen Dylan läuft es alles andere als zufriedenstellend. Nicht nur, dass er immer noch Student ist, von einer Erbschaft und Studienunterstützung lebt und die meisten seiner Freunde schon heiraten und Kinder bekommen, zu allem Überfluss verbringt seine beste Freundin Kira, für die er mehr empfindet, ihre Zeit am liebsten damit, mit seinem Mitbewohner und (ehemaligen) Kumpel Mason auf der Couch der gemeinsamen Wohnung zu knutschen. Eines Tages hört Dylan zufällig, dass er Kira leidtut.

So beschließt der Langzeitstudent, sich das Leben zu nehmen. Wie durch ein Wunder überlebt er seinen Selbstmordversuch beinahe unversehrt und erfreut sich kurzfristig seiner unerwarteten zweiten Chance. Doch auch diese Begeisterung währt nur kurz und der Blindgänger gerät vom Regen in die Traufe. Eines Nachts erscheint ihm ein düsterer schattenhafter Dämon, der von ihm verlangt, er müsse jeden Monat einen Mord an einem schlechten Menschen begehen, da sonst sein eigenes Leben ende. Nur ein geringer Trost ist, dass Dylan selbst entscheiden darf, wer den Tod verdient. So nimmt sein Leben eine unvorhergesehene Wendung und er muss feststellen, dass es gar nicht so leicht ist, einen anderen Menschen zu töten.

Mit „Kill or be Killed. Band 1: Buch 1“ präsentiert der Splitter-Verlag Comic-Lesern hierzulande die nächste „Image„-Perle. Comic-Autor und -Zeichner Ed Brubaker ist sowohl Marvel- als auch DC-Anhängern bestens bekannt, etwa durch seine erfolgreichen Storys „Captain America: Der Tod von Captain America“ oder auch „Gotham Central“.
Mit dem hiesigen Zeichner Sean Phillips hat Brubaker auch früher bereits zusammengearbeitet, beispielsweise an den Serien „Criminal“ oder auch Incognito“; daneben ist hier noch Elizabeth Breitweiser mit von der Partie. Diese drei erweisen sich hier durchaus als Comic-Dream-Team und präsentieren uns eine aus dem Leben gegriffene Welt.

Leseprobe aus „Kill or be Killed. Band 1: Buch 1“ (Copyright: Splitter-Verlag)

Brubakers Story besticht durch toll gezeichnete, plastische Charaktere, wobei das Hauptaugenmerk eindeutig auf Protagonist Dylan liegt, der alles andere als ein Sympathiebolzen und ganz bestimmt kein klassischer „Held“ ist. Dylan fungiert dabei nicht nur als Hauptfigur der Geschichte, sondern auch als Ich-Erzähler, wodurch dem Leser permanent eine intensive und emotionale Innensicht ermöglicht wird. Dylan, aber auch Kira sind als Personen durchgehend greifbar und die Gedanken des jungen Mannes sind stets lebensnah formuliert. Möchte man hier etwas kritisieren, dann, dass die Geschichte den Aspekt des übernatürlichen Dämons – gefühlt – gar nicht gebraucht hätte. Eine weniger surreale und realistischere Zwangslage hätte womöglich noch eher zu dieser bodenständigen Erzählung und ihren Figuren gepasst.

Dessen ungeachtet kann man sich nach dem ersten Schmökern direkt eine FSK-18-Verfilmung des Stoffes vorstellen und stellt erste Gedankenspiele hinsichtlich einer passenden Besetzung an; womöglich Miles Teller als Dylan?

Das Artwork von Sean Phillips und Elizabeth Breitweiser ist durchgehend äußerst gelungen und atmosphärisch. Düstere und eisige Farben, eine tief verschneite Stadt, Schneetreiben und mittendrin immer wieder ansprechende emotionale Panels, die perfekt die jeweilige Stimmung einfangen.

„Kill or be Killed“ ist eine Reihe, die nicht nur eine fesselnde Prämisse zu bieten hat, sondern mit ihrem Erstling auch auf hohem Niveau abliefern kann. Comic-Fans sollten sich das nicht entgehen lassen.

Inhalt

Die Frage ist einfach: Wärst du bereit, jemanden zu töten, um weiter leben zu können?

Für den 28-jährigen Dylan ist sie zur Realität geworden. Nach einem Suizidversuch aus Liebeskummer ist er – ohne es zu wollen – einen dämonischen Pakt eingegangen und muss jeden Monat einen Mord begehen, sonst ist es sein eigenes Ende. Der einzige Lichtblick ist, dass er seine Opfer selbst auswählen darf. Darum knöpft Dylan sich nur Menschen vor, die es seiner Meinung nach wirklich verdient haben. Aber schon sein zweites Ziel, ein von der russischen Mafia betriebenes Bordell, stellt ihn vor unvorhergesehene Schwierigkeiten. Gleichzeitig hat Dylans neue Beschäftigung als Mörder wider Willen drastische Konsequenzen auf sein ohnehin problematisches Sozialleben.

Comic-Starautor Ed Brubaker erschafft eine realistische Story über Selbstjustiz und ihre Folgen auf das Leben eines desillusionierten jungen Mannes, dessen Welt in einen Abgrund verwandelt wird.

(Quelle: Splitter-Verlag)

Autor

Ed Brubaker
(*17. November 1966 in Bethesda, Maryland) ist ein US-amerikanischer Comicautor und -zeichner.

(Quelle: Wikipedia)

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 16.11.2017
Seitenzahl: 128
Band: 1 von X
ISBN: 978-3-96219-033-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)