Review

Aller guten Dinge sind drei – und so stellt Autorin Katja Bohnet nach „Messertanz“ und „Kerkerkind“ ihr Ermittlerduo Rosa Lopez und Viktor Saizew vom LKA Berlin in „Krähentod“ vor einen weiteren kniffligen Fall.

Sniper-Morde in Berlin und Moskau

Dieses Mal sorgen Sniper-Morde in Berlin und Moskau für Spannung in ihrem Thriller, der die Protagonisten nicht nur an diese beiden Schauplätze verschlägt, sondern sie auch zeitweilig getrennt voneinander agieren lässt. Ein Vor- und Nachteil zugleich. Denn während die Handlung durch die beiden Schauplätze neue Dimensionen annimmt, büßt der Roman durch die Trennung des Ermittlerteams stellenweise an dessen einstiger Dynamik ein.

Auch ein Mindestmaß Interesse an bzw. Bezüge zu Russland sollte man als Leser mitbringen, um an „Krähentod“ Gefallen zu finden; immerhin liegt der Fokus des Handlungsgeschehens in ebenjenem Land.

Erfüllt man diese Voraussetzung, nimmt der dritte Fall aus der Feder von Bohnet seinen gewohnt unterhaltsamen und kurzweiligen Lauf.

Stakkatoartig durch den Thriller

Dabei stößt man nicht nur auf einige gelungene Entwicklungen, während die bereits bekannten Figuren an weiterem Profil gewinnen, sondern ebenso auf die für die Autorin typischen kurzen Sätze; bestehend aus manchmal nur zwei Wörtern. Trotzdem (oder gerade deswegen) ist der Lesefluss jedoch alles andere als flüssig. Das wirkt sich zudem negativ auf den Spannungsaufbau aus.

Da Bohnet ihre Leser außerdem gerade zu Beginn häufig in Ungewissheit über die Identitäten neuer Figuren lässt, indem sie lediglich von „er“ schreibt, weckt sie zwar die Neugier und regt zum Mitdenken an, insgesamt dürfte es allerdings eine persönliche Geschmacksfrage sein, inwiefern dies dem Thriller zugutekommt oder nur einen weiteren Leseflussblocker darstellt.

Schön zu sehen ist es hingegen, dass Bohnet über einen großen Wortschatz verfügt. Und so drückt sie sich in „Krähentod“ hervorragend und mit einem gewissen Anspruch aus – fern von alltäglich gebrauchten und gewöhnlichen Begrifflichkeiten. Umso mehr fallen in diesem Zusammenhang dann aber Wiederholungen auf, sodass Worte wie „vermint“ doch sehr inflationär gebraucht werden.

Ein Hoch auf Lektorat & Korrektorat

Katja Bohnet (Copyright: Benedikt Ernst)

Hier hätte das Lektorat Bohnets Begeisterung für den ungewöhnlichen Sprachgebrauch eventuell ein wenig Einhalt gebieten können. Dies ist aber Kritik auf hohem Niveau, denn abgesehen davon – und von dem eher lustigen denn dramatischen Übersehen eines Fehlers auf Seite 210 („türkische Banken“ statt „türkische Banden“) – seien Korrektorat und Lektorat ausdrücklich lobend erwähnt. Kein einfacher Job, sich durch den stakkatoartigen Schreibstil der Autorin auf Fehlersuche zu begeben, wird dabei doch nicht selten die Satzbaulehre von Subjekt, Prädikat (und Objekt) komplett über den Haufen geworfen. Bringt dies – wie bereits erwähnt den Lesefluss des Öfteren zum Erliegen, wirkt sich Bohnets Schreibstil für Textpassagen, die Emotionen transportieren sollen, hingegen förderlich aus.

Allzu gefühlsduselig wird es in „Krähentod“ aber nicht. Ähnlich wie ihre authentisch angelegten eher schroffen, kühlen Charaktere gestaltet sich auch die Atmosphäre des gesamten Thrillers. Dadurch bringt Bohnet entscheidende Szenen wie z.B. brutale Morde jedoch umso mehr auf den Punkt.

Fazit

Im direkten Vergleich zu den Vorgängerbänden, über die der Leser hier definitiv Kenntnis besitzen sollte, um Zugang zu den Hauptfiguren zu finden, deren Nebenhandlungen konsequent weitergeführt werden, wirkt „Krähentod“ insgesamt ein wenig schwächer.

Fans der Autorin kommen hingegen auf gewohnte Weise auf ihre Kosten. Empfehlenswert außerdem für all jene, die sich für kurzweilige Thriller begeistern können, ohne auf Anspruch verzichten zu wollen. Wer jedoch Band 1 und 2 noch nicht gelesen hat, sollte diesen aus genannten Gründen Vorrang vor „Krähentod“ geben.

Handlung

Sniper-Morde in Berlin und Moskau

LKA-Mann Viktor Saizew reist privat in seine alte Heimat. Doch bevor er auch nur den Moskauer Flughafen verlassen kann, wird neben ihm ein Mann kaltblütig erschossen.

Kurz darauf wird in Berlin auf offener Straße eine russische Journalistin mit einem Kopfschuss getötet.

Während sich Viktor in Russland auf die Spur des Täters macht und damit fast sein Todesurteil unterschreibt, übernimmt seine LKA-Kollegin Rosa Lopez in Deutschland den Fall der ermordeten Russin. Gemeinsam treiben die Ermittler auf eine Katastrophe von höchster politischer Brisanz zu.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autorin

Katja Bohnet
Jahrgang 1971, studierte Filmwissenschaften und Philosophie, bevor sie ihr Geld mit Fahrradkurier-Fahrten, Porträtfotos und Zeitungsartikeln verdiente. Sie lebte im Südwesten der USA, in Berlin und Paris, arbeitete im Kibbuz und bereiste vier Kontinente. Jahrelang moderierte sie eine Livesendung auf der ARD und schrieb als Autorin für den WDR. 2012 verfasste sie ihren ersten Roman. Ihre Erzählungen wurden in Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht, u.a. im Rahmen des MDR Literaturwettbewerbs 2013. Heute lebt sie neben vielen Büchern, Platten und Kindern zwischen Frankfurt und Köln.

(Quelle: Knaur Verlag)

Katja Bohnet – Homepage | Katja Bohnet – Facebook | Katja Bohnet – Twitter

Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 01.03.2019
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3-426-52232-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde