Review

Die Tastatur bei Autorin Katja Bohnet steht nicht still, und so wartet mit dem Thriller „Fallen und Sterben“ ein weiterer kniffliger Fall auf ihr Ermittlerduo Rosa Lopez und Viktor Saizew vom LKA Berlin.

Wer fällt, wer stirbt?

Das soll an dieser Stelle – der Spannung wegen – natürlich nicht konkret verraten werden. Auf zahlreiche Todesopfer muss allerdings nicht verzichtet werden. So entsinnt Bohnet einen Fall, der mit einem Sechsfach-Mord am Alexanderplatz startet, scheinbare Verbindungen zu Interpol aufweist, Stippvisiten in einer Psychiatrie gewährleistet und letztlich auch das Thema Kannibalismus streift.

Hier tut sich einiges

Während sich die Spannung peu à peu aufbaut, fügen sich die gewonnenen Erkenntnisse (sowohl die der Figuren als auch jene der Leser) zu einem großen Ganzen zusammen. Dieses Roman“puzzle“ nimmt zunehmend ein vollständiges Bild an, was jedoch etwas vorschnell an Konkretheit gewinnt. Nicht nur durch die Kapitelaufteilung auch durch Bohnets allzu früh erwähnte Details lassen sich Vorahnungen hinsichtlich des Täters ausmachen, denen auch überraschende Wendungen nur noch bedingt entgegenwirken. Hier hätte die Autorin definitiv noch länger ihre Leser „hinhalten“ können.

Zugute kommt dieser Ansatz jedoch dem Täter innerhalb des Romans. Denn indem über ihn schon früh viele Informationen bekannt sind, erscheinen seine Motive und Hintergründe klar und nachvollziehbar. Die Empathie der Leser ist geweckt und damit einhergehend auch ein gewisses Verständnis und Mitgefühl für besagte Person.

Ohne jegliche Kritik kommt die Charakterausarbeitung aus.

„Das Team, das Hansen [und die Leser bis dato] kennengelernt hatte[n], war keines mehr. Kaputte Typen, die mehr eigene Probleme hatten, als ratsam für eine erfolgreiche Karriere war.“

(„Fallen und Sterben, S. 289)

Diesbezüglich integriert Bohnet dieses Mal die „privaten“ Handlungsstränge rund um die Hauptermittler sehr ausgewogen in das geschilderte kriminelle Geschehen und lässt sie somit nicht zu dominant erscheinen. Mehr noch fügen sich die „Probleme“ und die „kaputten Typen“ in den Kontext des Thrillers hervorragend ein und bedingen einander.

Hervorragend fallen zudem die Beschreibungen der (vor allem örtlichen) Begebenheiten aus.

„Wie realistisch ist es, dass zeitgleich ein Kannibale und einer, der Haustiere verzehrt, durch Berlin laufen?“

„In Berlin? Sehr realistisch.“

(„Fallen und Sterben“, S. 202)

Auch wenn der Schauplatz Berlin teils humorvoll, oftmals hart, dabei immer aber auch sehr liebevoll dargestellt wird, so zeichnet sich trotzdem (oder gerade deswegen) ein insgesamt nachvollziehbares und alles in allem authentisches Bild der Stadt ab.

Inmitten der Spannung auch etwas zum Schmunzeln

„Fallen und Sterben“ entbehrt darüber hinaus nicht eines gewissen Witzes. Ironie und trockener Sarkasmus breiten sich nämlich in den Dialogen und zwischen den Zeilen aus.

Katja Bohnet (Copyright: Benedikt Ernst)

Untermauert durch Bohnets typische kurze Sätze bzw. teils auch nur Satzfragmente, die dennoch ein Verstehen beim Leser gewährleisten, erinnert ihr Schreibstil indes an die Art und Kommunikationsweise der beiden Protagonisten respektive Hauptermittler.

Stellenweise wird daher also inmitten der Spannung auch etwas zum Schmunzeln geboten. Nicht zuletzt sorgen diese Passagen seitens der Leser zudem für eine wachsende Sympathie für die Figuren.

Fazit

Trotz einiger kleiner Fehler, die vom Lektorat scheinbar nicht aufgespürt wurden, den Lesefluss gleichzeitig aber auch nicht negativ beeinflussen, kann „Fallen und Sterben“ als bisher bester Band der Reihe angesehen werden.

Während man sich an den stakkato-artigen Stil der Autorin mittlerweile gewöhnt hat, sind auch die Figuren inzwischen ausreichend bekannt und beliebt. Das Verhältnis von Thriller-Aspekten und Hintergrundinformationen zu den Charakteren ist stimmig. Davon abgesehen versäumt es Bohnet im aktuellen Roman auch nicht, den Lesern Verständnis für ihren erdachten Täter abzugewinnen.

Nach einem Ende, das noch einige Möglichkeiten offenlässt, um sie in Band 5 aufzugreifen, ist die Vorfreude auf einen nächsten Teil schon jetzt geweckt.

Handlung

Mord am Alex

Am Berliner Alexanderplatz werden sechs Menschen mit einer Machete brutal ermordet. Die einzige Spur: ein Motorradfahrer, der vom Tatort flüchtet.
LKA-Hauptkommissarin Rosa Lopez übernimmt die Ermittlungen, aber diesmal muss sie ohne ihren Kollegen und Vertrauten Viktor Saizew auskommen. Suizidgefährdet, mit Medikamenten sediert, fristet er seine Tage in der geschlossenen Psychiatrie.
Der Fall nimmt eine unerwartete Wendung, als an einer der Leichen ein menschlicher Biss entdeckt wird. Lopez ahnt als Einzige, wo sich der Täter aufhalten könnte, denn die Spur führt genau dorthin, wohin sie nicht führen darf.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autorin

Katja Bohnet
Jahrgang 1971, studierte Filmwissenschaften und Philosophie, bevor sie ihr Geld mit Fahrradkurier-Fahrten, Porträtfotos und Zeitungsartikeln verdiente. Sie lebte im Südwesten der USA, in Berlin und Paris, arbeitete im Kibbuz und bereiste vier Kontinente. Jahrelang moderierte sie eine Livesendung auf der ARD und schrieb als Autorin für den WDR. 2012 verfasste sie ihren ersten Roman. Ihre Erzählungen wurden in Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht, u.a. im Rahmen des MDR Literaturwettbewerbs 2013. Heute lebt sie neben vielen Büchern, Platten und Kindern zwischen Frankfurt und Köln.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Reihe

Die Thriller-Reihe von Katja Bohnet ist in folgender Reihenfolge erschienen:
Messertanz
Kerkerkind
Krähentod
• Fallen und Sterben

Details

Format: Taschenbuch, Klappenbroschur
Vö-Datum: 02.03.2020
Seitenzahl: 368
ISBN: 978-3-426-52436-7
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde