Review

Das Genre „Thriller“ ist sicherlich das meistbediente in der sogenannten Trivialliteratur. Dementsprechend schwer ist es, als Autor ein Buch zu veröffentlichen, welches aus der schieren Masse der Werke dieser Kategorie heraussticht und den Leser nachhaltig begeistert.

Kate Brady hat mit „Mädchen #6“ nun ihren zweiten Roman in Deutschland veröffentlicht und dieser ist mindestens so erfolgreich wie ihr Debüt in unseren Landen: „Puppengrab“.

Es ist extrem leicht, sich auf dieses Buch einzulassen, denn Brady verzichtet auf die klassische Einleitung, die normalerweise dafür verwendet wird, die Figuren vorzustellen. Stattdessen wird es bereits auf den ersten Seiten sehr blutig und in dieser Beziehung zusätzlich sehr detailliert, sodass der Freund des Genres sich zunächst einmal riesig freut und Zartbesaitete eher schlucken müssen.

Nach diesem Schlüsselereignis lernt man die relevanten Figuren des Buches quasi nebenbei kennen, denn sie sind ja bereits mit der Lösung des hochkomplexen Falles beschäftigt. Diese Vorgehensweise sorgt dafür, dass zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen kann.
Die einzelnen Figuren sind sehr gut ausgearbeitet, insbesondere natürlich Dani Cole, die Protagonistin. Diese ist – wie so oft – Polizistin und hat – wie so oft – eine sehr bewegte und dramatische Vergangenheit. Trotz der Tatsache, dass diese Klischees wahrlich ausgelutscht sind, kommt Cole sehr authentisch und glaubwürdig rüber, sodass wir diesen Fauxpas verzeihen können.
Auch das Umfeld ist recht klischeebelastet: Da wäre die Tatsache, dass Cole ein gewaltiges Problem mit ihrem Vorgesetzten hat, eine alte Liebe wiedertrifft und – welch Überraschung – sich erneut in den stattlichen Kerl verliebt und nicht nur beruflich, sondern auch privat permanent Steine in den Weg gelegt bekommt. Diese Klischees bemerkt man als Leser von „Mädchen #6“ durchaus, hat aber kaum Zeit, sich über diese zu beschweren, da die Geschichte rasant vorangeht.

Kate Brady (Copyright: One Six Studios)

Kate Brady (Copyright: One Six Studios)

Viel mehr wurde die Autorin von Innovation und Ideenreichtum bezüglich der Erstellung der Gegenseite beseelt. Denn diese besitzt nicht nur eine nicht abgegriffene Geschichte, die nach und nach offenbart wird und die Motive der Handlungen erklärt, sondern ist außerdem noch völlig ohne Gewissen und abgrundtief böse und brutal. Genau so wollen es Fans des Genres.

Apropos Gegenseite: Im Buch „Mädchen #6“ erlebt man die Geschichte sowohl aus der Perspektive der Guten – also der ermittelnden Seite – als auch der Bösen.
Diese Perspektivwechsel treffen den Leser oftmals eiskalt, da sie mitten in einer wichtigen Szene passieren und die Spannung so effektvoll weiter steigern. Eine sehr gute Idee der Autorin.

Doch ein Vorgehen von Kate Brady bei diesem Buch ist besonders interessant: Ungefähr bis zur Hälfte baut sich fast schon ein leichter Frust und Unverständnis beim Leser auf, da die Ermittler völlig falschen Spuren folgen. Das wissen wir als Leser, weil wir ja schon die Aktionen der Gegenseite kennen. Dadurch will man dem Team fast zurufen, was sie als nächsten Schritt tun sollten, um das Böse endlich in die Finger zu bekommen. Immer weiter fiebert man mit den Ermittlern mit, bis diese schließlich auf eine vielversprechende Spur stoßen, was den Leser wieder beruhigt und nun umso mehr an dieses Buch fesselt, da ja die Fehler zu Beginn gleichzeitig bedeuten könnten, dass diese Spur wieder verloren geht. Ein genialer Schachzug der Autorin.

„Mädchen #6“ ist zwar in einigen Punkten recht klischeebelastet, was zu einigen Abzügen führt, unterm Strich ist es aber ein durchaus lesenswerter Thriller, der insbesondere Freunden der brutaleren und sehr blutigen Bücher ziemlich gut gefallen sollte. Die Übersetzung ist durchaus gelungen und auch der Lesefluss ist sehr angenehm, da man zu keinem Zeitpunkt an einer Stelle hängen bleibt.

Klappentext

Die Sekunden verrannen, er markierte den Namen auf seiner Liste mit einer rotglitzernden, blutigen Spur. Vergeltung!
Nummer vier war erledigt, zwei waren noch übrig.

Er tötet seine Opfer mit einer rostigen Gartenschere.
Seine Trophäe: eine Haarsträhne.
Die attraktive Polizistin Danielle verfolgt seine Spur, die sie gefährlich nah an ihre Grenzen bringt. Steht sie selbst auf der Liste dieses Wahnsinnigen?

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Kate Brady ist Chorleiterin und Dozentin für Musik. Für ihren Debütroman „Puppengrab“ wurde sie mit dem begehrten RITA-Award ausgezeichnet. „Mädchen Nr. 6“ ist ihr zweiter Roman bei Knaur. Sie lebt mit ihrer Familie in Atlanta.
(Quelle: Knaur Verlag)

Kate Brady – Homepage

Details

Format: Taschenbuch

Veröffentlichung: 02.06.2014
Seitenzahl: 464
ISBN: 978-3-426-50585-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Droemer Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.