Review

Mit ihrer Fantasy-Reihe „Plötzlich Fee“ gelang der amerikanischen Autorin Julie Kagawa der internationale Durchbruch. „Unsterblich“ heißt nun ihre neue Serie, von der unlängst der zweite Band, „Tor der Nacht“, erschien.

Es sind nun aber nicht länger Feenwesen, die in ihren Romanen eine zentrale Rolle spielen, vielmehr zeichnet Kagawa in „Unsterblich“ ein dystopisches Szenario, das bestimmt wird von Vampiren, welche die Menschheit unterjochen.
Inhaltlich ist die Romanreihe damit vergleichbar mit Filmen wie „Daybreakers“; zusätzlich wird eine Stimmung heraufbeschworen, die zombieesk anmutet und durch die Einbindung von sogenannten Verseuchten und abgeriegelten verlassenen Gegenden Assoziationen zu Serien wie „The Walking Dead“ aufkommen lässt.
In diesem Kontext entfaltet und entwickelt sich Kagawas Geschichte auch im zweiten Teil gelungen weiter, während der Leser schon mit der ersten Seite an das Buch gefesselt wird und kaum ein Jugendbuch hinter „Tor der Nacht“ vermutet.

Zu verdanken ist dies vor allem dem enormen schriftstellerischen Talent der Autorin.
Ob dynamische Dialoge, eine komplexe Handlung, durchzogen von überraschenden Wendungen, oder die hervorragende Figurenauswahl und -ausarbeitung, Julie Kagawa versteht ihr Handwerk und spart auch an blutrünstigen Sequenzen nicht.

Gerade Letztere machen die Jugendbuch-Romanreihe attraktiv für eine breite Leserschaft, denn obschon die Protagonistin zarte 17 Jahre alt ist und die Bücher sich entsprechend an gleichaltrige Leser/innen wenden sollen, öffnet sich „Unsterblich“ durch die facettenreiche Schreibe und Darstellungsform auch männlichen Jugendlichen und sogar Erwachsenen.

Dass darüber hinaus mit „Tor der Nacht“ nahtlos an Band 1 angeknüpft wird, ist zwar schade für diejenigen, die den Auftakt noch nicht kennen, gleichzeitig aber eine logische Konsequenz, die Kagawa derart gestaltet, dass ein Quereinstieg in die Reihe auch mit dem zweiten Teil noch möglich ist. Vorkenntnisse sind daher zwar hilfreich, jedoch nicht notwendig, denn die Autorin stattet „Tor der Nacht“ mit allen wichtigen Informationen aus, die es bedarf, um der Handlung problemlos folgen zu können.

Mit jeder gelesenen Seite möchte man binnen kürzester Zeit die maximalen 5 Punkte zücken, wenn da nicht zwei Kritikpunkte wären, die viele Leser vermutlich einfach übergehen werden, anderen jedoch auffallen werden.

Julie Kagawa (Copyright: PictureMe Studios)

Julie Kagawa (Copyright: PictureMe Studios)

So wiederholt Kagawa zum einen spezielle Formulierungen auffallend oft, was im Widerspruch zum sonst vorhandenen Können sowie der Vielseitigkeit und Sprachgewandtheit der Autorin steht.
Abhilfe hätte diesbezüglich entweder ein sorgfältigeres Lektorat oder aber das intensivere Verwenden von Synonymen seitens der Autorin geschaffen, es sei denn, diese Stilblüten gehen auf das Konto der Übersetzerin.
Gleichsam ist dies schon Meckern auf hohem Niveau, denn die meisten Leser werden so gefangen vom Inhalt und zunehmenden Tempo der Geschichte sein, dass sie über die repetitiven Floskeln (wie jene über immer wieder auftretende „zugeschnürte Kehlen“) hinweglesen.

Zum anderen bleibt Julie Kagawa stellenweise zu oberflächlich bzw. im Vergleich zum allgemein vorherrschenden Detailreichtum zu ungenau.
Beispielsweise wird ein zurückzulegender Weg ausgiebig beschrieben, der mit zahlreichen Gefahren und daraus resultierenden spannenden Momenten aufwartet, während sich der Rückweg desselben Weges sehr viel leichter und schneller gestaltet, ohne böse Überraschungen zu erleben. Die beschriebene Mühsal des Hinweges spiegelt sich damit nicht mehr in den Schilderungen des Rückwegs wider, obwohl sich an den Umständen der Strecke nichts geändert hat.
Es bleibt an derartigen Passagen also die Logik ein wenig auf der Strecke, an deren konsequenter Einhaltung noch in zukünftigen Bänden gearbeitet werden sollte.

Äußerst positiv ist hingegen die Tatsache, dass Kagawa auch im zweiten Teil nicht nur die Protagonistin phasenweise vor moralisch-ethische Fragen stellt, sondern auch die Leser zum Nachdenken anregt.
Somit bleibt „Unsterblich“ auch nach dem Lesegenuss noch lange im Kopf; von der Neugier auf die Fortsetzung, die durch den Cliffhanger von „Tor der Nacht“ klar in Aussicht gestellt wird, ganz zu schweigen. Man darf gespannt sein!

Trailer

 

Klappentext

Im Herzen der Dunkelheit bist du auf dich allein gestellt.

Allie hat sich entschieden – für die Unsterblichkeit. Und eigentlich dachte sie, sie hätte nun nichts mehr zu verlieren. Bis sie einem Geheimnis auf die Spur kommt, das für Menschen und Vampire gleichermaßen tödlich ist.
Allie ist bereit, alles zu tun, um die Menschen, die sie liebt, zu retten. Selbst wenn es bedeutet, sich gemeinsam mit ihrem Freund Zeke und ihrem verhassten Vampirbruder auf die Suche nach dem mysteriösen Kanin zu machen und ihn um Hilfe zu bitten. Doch weiß die junge Unsterbliche wirklich, auf wen sie sich da einlässt?

(Quelle: Heyne fliegt Verlag)

Autor

Julie Kagawa wurde in Sacramento, Kalifornien, geboren, bevor sie im Alter von neun Jahren mit ihrer Familie nach Hawaii umzog.
Schon in ihrer Kindheit war das Schreiben ihre große Leidenschaft: Langweilige Schulstunden vertrieb sie sich damit, all die Geschichten festzuhalten und zu illustrieren, die ihr im Kopf herumspukten – nicht gerade zur Freude ihrer Lehrer.
Nach Stationen als Buchhändlerin und Hundetrainerin machte sie später ihr größtes Interesse zum Beruf und wurde Autorin. Ihren internationalen Durchbruch feierte sie mit der Bestsellerserie „Plötzlich Fee“.
Sie lebt und schreibt mit ihrem Mann, zwei schwer erziehbaren Katzen und zwei Hunden in Louisville, Kentucky.

(Quelle: Heyne fliegt Verlag)

Julie Kagawa – Homepage
Julie Kagawa – Facebook
Julie Kagawa – Twitter
Unsterblich – Homepage zum Buch

Details

Format: Hardcover (gebundenes Buch mit Schutzumschlag)
Vö-Datum: 12.05.2014
Seitenzahl: 544
ISBN: 978-3-453-26869-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Heyne fliegt Verlag

Copyright Cover: Heyne fliegt Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde