Review

Der Serienmörder, der unter dem Namen Jack the Ripper in die (Kriminal)geschichte einging, beschäftigt viele auch heute noch. Ob die Klärung der Identität des Killers oder die fiktive Verarbeitung seiner Taten in verschiedenen Medien – Jack the Ripper bleibt präsent und faszinierend. Unzählige Ansätze und Spekulationen ranken sich um den Mörder, dem sich auch Autor John Matthews in seinem historischen Kriminalroman „Stadt in Angst“ widmet.

Ihm auf den Fersen sind darin ein englischer Kriminalanalytiker und ein New Yorker Cop. Ein Ermittlerpaar, das nicht unterschiedlicher sein kann. Was bereits bei anderen Schriftstellern hervorragend funktioniert hat, klappt auch bei Matthews, denn seine erdachten Protagonisten Finley Jameson und Joseph Argenti, platziert im New York des ausgehenden 19. Jahrhunderts, sorgen bei den Lesern des Buches für einen hohen Unterhaltungswert, der aber zu keinem Zeitpunkt slapstickartig wirkt. Vielmehr spielt Matthews mit den Gegensätzen des Duos, beginnend bei ihren unterschiedlichen Heimaten England und New York, bis hin zu ihren nicht zueinander passen wollenden Charaktereigenschaften, die im Laufe des Romans mehr und mehr ausgearbeitet werden.

Damit sind nicht nur die Figuren genannt, auch die Rahmenbedingungen, die John Matthews seiner „Ripper-Adaption“ verpasst hat, stehen fest und gründen auf jene tatsächlichen Annahmen, dass Jack the Ripper in den 1880er Jahren nicht nur im Londoner East End mit Prostituiertenmorden sein Unwesen trieb, sondern sich zudem 1891 in New York mörderisch austobte.
Dieser kriminalhistorische Background liefert Matthews einen Zugang zum Ripper-Mythos, den er perfekt zu nutzen weiß und um eigene Ideen erweitert.

Kleine und größere überraschende Wendungen halten den Leser bei der Stange, und auch ein gewisser Sherlock-Holmes-Charme ist dem Buch nicht abzusprechen. Authentisch taucht man durch Matthews‘ detailreiche Beschreibungen der Umgebung in das vorgegebene Jahrhundert ein, das dadurch sehr lebendig wirkt.

Ausgiebig gestaltet sich auch die Polizeiarbeit, die dadurch jedoch etwas langgezogen wirkt. Sicher, Matthews hat seine Recherche zu Jack the Ripper ernst genommen und bringt entsprechend alle gesammelten Informationen in seinem Roman unter, allerdings wirkt die Schnitzeljagd nach dem Mörder in „Stadt in Angst“ dadurch vom Autor zu kalkuliert, ohne dass die Spannungsmomente genügend Aufmerksamkeit bekommen haben. Wären genannte Wendungen und die kleinen Zugaben wie korrupte Polizisten oder die Mafia nicht, so fiele der Krimi- bzw. Ermittlungsaspekt zu zäh und trocken aus.

John Matthews (Copyright: John Matthews, privat)

John Matthews (Copyright: John Matthews, privat)

Indem der Autor zudem insbesondere die Figur Finley Jameson zunächst sehr vage und geheimnisvoll hält, garantiert er viele Momente, die den Leser bis zum Schluss in einigen Bereichen im Unklaren lassen. Trotz der Sympathien für den mysteriösen und begabten Analytiker bleiben Zweifel an seiner Person. Dieses Zusammenspiel sorgt stellenweise für emotionale Momente, die Matthews gekonnt in Szene setzt und dem Leser ebenfalls eine Achterbahn der Gefühle beschert.

Langweilig wird es in „Stadt in Angst“ also zu keinem Zeitpunkt. Und wer sich schon immer für Jack the Ripper interessiert hat, der wird auch in John Matthews Roman ausreichend belletristisches Futter finden, das durch gut recherchierte Tatsachen und gängige Hypothesen angereichert wird. Gegen Ende hinterlässt der Autor darüber hinaus eine erahnbare Aussicht auf einen weiteren Band um Jameson und Argenti. Ein Wiedersehen mit den Protagonisten ist damit nicht ausgeschlossen.

Inhalt

Keiner tötet wie er. Oder doch?

New York 1891. Eine Prostituierte wird brutal ermordet. Ihre Leiche weist dieselben Verletzungen auf wie die Opfer einer berüchtigten Mordserie in England. Hat der Mörder den Atlantik überquert, um seine Spur zu verwischen? Oder handelt es sich um einen Nachahmungstäter? In der amerikanischen Metropole, die ohnehin mit Bandenkriminalität, Korruption und Verbrechen zu kämpfen hat, geht die Angst um. Der aristokratische englische Kriminalanalytiker Finley Jameson soll den Fall für Scotland Yard vor Ort aufklären. Und er ist zunächst wenig begeistert, als ihm der toughe New Yorker Cop Joseph Argenti zur Seite gestellt wird. Doch trotz aller Bemühungen des ungleichen Ermittlerduos wütet der Mörder weiter – und treibt zudem ein perverses Spiel mit der Polizei …

(Quelle: Page & Turner)

Autor

John Matthews war 26, als sein Debütroman „Basinkasingo“ zum Bestseller wurde. Seither hat er Krimis, Actionromane, Gerichtsthriller, zwei Drehbücher und ein Jugendbuch geschrieben.
Seine Bücher wurden in 12 Sprachen übersetzt, und sein bisher größter Erfolg, „Das vergessene Kind“, wurde von der Times in die Top Ten der besten Gerichtsthriller aller Zeiten gewählt.

(Quelle: Page & Turner)

Details

Format: Paperback, Klappenbroschur
Vö-Datum: 15.09.2014
Seitenzahl: 512
ISBN: 978-3-442-20438-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Page & Turner

Copyright Cover: Page & Turner



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde