Review

Reuben Maitland ist Ermittler mit Leib und Seele. Dementsprechend führt ihn sein aktueller Fall an seine Grenzen und lässt ihn die schwierigste Frage seines Lebens beantworten, denn der Autor John Macken stellt seinen Protagonisten in „Opferlamm“ vor die Wahl: Entweder er fasst einen unglaublich brutalen Mörder, der seinen Opfern die Fingerspitzen absägt, oder er sabotiert die Ermittlungen und lässt den Mörder walten, denn dieser hat Reubens Sohn in seiner Gewalt und nutzt ihn als Druckmittel.

Dieses innovative Szenario bildet den Kern von „Opferlamm“. John Macken setzt sich dabei sehr intensiv mit der Thematik auseinander und beleuchtet vor allem die Situation der Kindesentführung extrem detailliert. Wie reagieren die Eltern? Wie die Polizei und die Presse? Welche Schritte werden eingeleitet? All diese Fragen hat sich der Autor offensichtlich auch gestellt und beantwortet diese extrem glaubhaft in seinem Buch.

Doch auch die Ermittlungsarbeit kommt in diesem Buch nicht zu kurz, wobei nicht die klassische Polizeiarbeit im Vordergrund steht – diese ist ja auch schon Gegenstand diverser anderer Thriller – sondern der Job der Forensik, die ja insbesondere in den letzten Jahren fast schon ein Trendthema im Genre geworden ist. So wird der Leser mit DNA-Abgleichen, Spurensuchen und dem Auswerten derselben konfrontiert. Dies ist zwar nichts Neues, wird aber in „Opferlamm“ sehr ausführlich und dennoch unterhaltsam verarbeitet.

Die Schreibe von John Macken ist sehr angenehm und immer wieder vom beliebten, tiefschwarzen englischen Humor durchsetzt. Aufgrund der Tatsache, dass es primär um Forensiker geht, gibt es allerdings auch einige Passagen, die sehr trocken sind und sich dementsprechend ein wenig ziehen.

John Macken (Copyright: Randomhouse Australia)

John Macken (Copyright: Randomhouse Australia)

Insgesamt ist „Opferlamm“ jedoch ein wirklich gut geschriebener Thriller, der sich vor allem sehr viel Zeit lässt, bis er den Leser endlich aufklärt, wer denn nun der Täter sei. John Macken macht es insbesondere Thrillerfans mit Erfahrung sehr schwer, selbst den Mörder zu ermitteln, da er immer wieder falsche Fährten legt.

Die Figuren des Buches sind eigentlich sehr gut ausgearbeitet, wirken aber sehr stereotyp. Denn sowohl den Protagonisten als auch die Charaktere seines Umfeldes hat man ziemlich genau so oder zumindest ähnlich in dieser Konstellation schon in anderen Büchern gefunden.

Dies sorgt bei Viellesern ein wenig für Ernüchterung, weil es aufgrund der Klischeebelastung der Figuren sehr schwer ist, sich mit diesen zu identifizieren.

Unterm Strich ist „Opferlamm“ jedoch ein durchaus unterhaltsamer Thriller für zwischendurch, der mit einer sehr interessanten Thematik aufwartet und dem Leser Spannung von der ersten bis zur letzten Seite bietet.

Klappentext

Zwei Mordfälle innerhalb weniger Tage. Beide Male hat der Täter seinen Opfern mit einer Hacksäge an allen Fingern das oberste Glied abgetrennt. Und er will noch ein drittes Mal zuschlagen. Reuben Maitland, Chef der Forensik bei der Londoner Polizei, muss das verhindern. Doch der Killer hat seinen Sohn entführt und fordert ein Ende der Ermittlungen …

(Copyright: Droemer Knaur)

Autor

Der Brite John Macken ist Naturwissenschaftler und arbeitet in der Forschung. Mit seiner Frau und zwei Kindern lebt er in den englischen Midlands.

(Copyright: Droemer Knaur)

Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 26.02.2014
Seitenzahl: 432
ISBN: 978-3-426-50879-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Droemer Knaur

Copyright Cover: Droemer Knaur



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.