Review

„Eversons neuer Schocker. So brutal und düster wie sein Bestseller „NightWhere““ – so kündigt der Klappentext das Buch „Die Dreizehnte“ des amerikanischen Horrorautors John Everson an, das im Festa Verlag kürzlich in deutscher Übersetzung erschienen ist.

Vereinte Autor John Everson in seinem Werk „NightWhere“ BDSM und ein gepflegtes Gemetzel, konzentriert er sich in der Veröffentlichung „Die Dreizehnte“ auf okkulte Machenschaften, verschwindende Frauen – und natürlich auch auf ein gepflegtes Gemetzel.

„Wenn Lesen zur Mutprobe wird …“ lautet daher zu Recht der Slogan des Festa Verlags? Im Fall von „Die Dreizehnte“ muss diese Frage mit einem deutlichen Jein beantwortet werden.

Obwohl kapitelweise immer mehr Klarheit geschaffen wird, gerade was den okkult-mystischen Aspekt der Handlung betrifft, schafft es der Autor, Überraschungen zu präsentieren, die weder vorhersehbar sind noch ihre Wirkung verfehlen. Aha-Erlebnisse, Wow-Momente und Oha-Phasen sind die Konsequenzen, die die Leser ab der Mitte des Buches regelmäßig zu spüren bekommen.

In all die präziser und detailreicher werdenden Horrorszenarien platziert John Everson zudem zunehmend bissige, oft schon humorvolle Dialoge, die beim Leser Schrecken, Gräuel und Schmunzeln kombinieren. Alles jedoch in einem überschaubaren Rahmen, was hartgesottene Horrorfans kaum mit der Wimper zucken lässt.

John Everson (Copyright: John Everson)

John Everson (Copyright: John Everson)

Auch mit Authentizität hat „Die Dreizehnte“ eher wenig zu tun. So sollte man weder über Reaktionen einzelner Figuren gründlicher nachdenken noch die komplette Geschichte tiefgründig hinterfragen. Befolgt man dies, erlebt man ein Horrorspektakel, dem sich vor allem jene Leser perfekt zuwenden können, die das Genre gerade erst neu für sich entdecken. Zwar integriert John Everson die einen oder anderen Splatter-Elemente, ebenso lebt Everson seine sadistische Ader schriftstellerisch ausreichend aus, insgesamt geht der Amerikaner allerdings gemäßigt mit Horror und Spannung um. Letztere will eigentlich gar nicht so recht aufkommen, vielmehr wirkt „Die Dreizehnte“ wie ein skurril-morbider Tatsachenbericht, doch für kurzweilige Unterhaltung reicht dies allemal aus.

Brutal und düster ist „Die Dreizehnte“ in ihren Grundzügen sehr wohl, und dieser Eindruck nimmt im Verlauf auch zu, eine Mutprobe stellt das Lesen allerdings nur bedingt dar, weil Everson bezüglich des im Buch vorkommenden „sadistischen Sex‘ und qualvollen Sterbens“ eher pragmatisch und detailarm bleibt. Dafür sorgen die für den Umfang des Buches angemessenen Charakterausarbeitungen und der leicht zu lesende Stil des Autors für eine kurzweilige Unterhaltung, die insofern fesselt, dass die Plotidee ebenfalls überzeugt. Bleiben trotz genannter Kritik wohlverdiente großartige 4 Sterne für „Die Dreizehnte“.

Handlung

Blutige Ritualmorde in den Kellergewölben hatten das Hotel Castle House einst in Verruf gebracht. Doch Jahrzehnte später, als man dort ein Sanatorium für Schwangere eröffnet, scheint der Fluch der Vergangenheit endlich besiegt zu sein. Aber dann verschwinden immer mehr junge Frauen aus den benachbarten Orten …

Die Suche nach seiner vermissten Freundin führt David Shale nach Castle House. Dort entdeckt er eine verwitterte Holztür, gekennzeichnet mit einem roten X. Als er sie öffnet, betritt David ein okkultes Reich voller sadistischem Sex und qualvollem Sterben …

(Quelle: Festa Verlag)

Autor

John Everson (geboren am 14. März 1966) ist ein amerikanischer Horrorschriftsteller. Er hat bisher acht Romane und sechs Bände mit Kurzgeschichten veröffentlicht. Sein erster Roman „Covenant“ erschien 2004 und gewann den Bram Stoker Award als bester Debütroman.

(Copyright: Festa Verlag)

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Details

Format: Paperback / Umschlag in Festa-Lederoptik
Vö-Datum: 09.12.2015
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3-86552-411-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Festa Verlag

Copyright Cover: Festa Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde