Review

Kleinstadt-Horror auf der Insel 

Vor rund zwei Jahren haben wir bereits den Auftakt von Hill House Comics, dem persönlichen Imprint Joe Hills innerhalb des Black Labels von DC Comics, begleitet. Und „Joe Hill – Ein Korb voller Köpfe“ hat uns dabei mit seinem eigenwilligen und bizarren Horror mit der Nostalgie der 80er Jahre sehr zu erfreuen gewusst.

Unter diesem Banner sind seither Horror-Titel unterschiedlichster Façon von weiteren großartigen Kreativen erschienen und haben Genre-Fans begeistert (z.B. „Joe Hill – Schiff der lebenden Toten“, „Joe Hill: Daphne Byrne – Besessen“). Mit „Joe Hill – Ein Kühlschrank voller Köpfe“ („Refrigerator Full of Heads #1-6„) liegt nunmehr eine unmittelbare Fortsetzung des obigen Auftaktbands vor, welche die Handlung ein Jahr später, also im Jahre 1984, blutdurchtränkt weitererzählt.

Alles voller sprechender Köpfe

Brody Island, 1984: Es ist ein Jahr vergangen, seit sich die junge June mit einer sagenumwobenen Wikinger-Axt durch eine Schar Angreifer gemetzelt hat. Doch das vermeintlich beschauliche Kaff will nicht zur Ruhe kommen.

Als das Pärchen Arlene und Calvin in der Kleinstadt ankommt, geraten sie mit einer – auf Krawall gebürsteten – Biker-Gang aneinander. Diese Rockerbande hat es auf vier machtvolle magische Artefakte aus der Wikinger-Zeit abgesehen, die sogenannte nordische Tetrade. Zu ihrem Glück fehlt einzig noch eine gewisse Wikinger-Axt. Das ruft wiederum die uns bekannte June auf den Plan, die letzte Person, die dieses mächtige Relikt in den Händen hielt. Freilich geht die Rückkehr der jungen Frau nach Brody Island wieder mit allerhand Axtschwingen, Getöse und blutigem Gekröse einher. Natürlich nebst sprechenden Köpfen und wiederauferstandenen Toten.

Trash-Horror

Dem hiesigen Autor Rio Youers gelingt der Spagat, sowohl die ursprüngliche Retro-Horror-Geschichte aus der Feder von Joe Hill weiterzuerzählen und bezüglich der magischen Artefakte zu ergänzen als auch eine einsteigerfreundliche Story vorzulegen, die wegen ihrer schlichten Handlung auch ganz ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann.

Leseprobe aus „Joe Hill – Ein Kühlschrank voller Köpfe“. (Copyright: Panini Comics)

Allerdings ist das Sequel weit weniger eine charmant-klassische Hommage an den Kleinstadt-Horror der 1980er-Jahre als der Vorgänger. Der Nachfolger kommt überwiegend als eine Hommage an das „Trash-Kino“ bzw. das „Grindhouse-Kino“ daher. Eine ausgeklügelte und clever ausgearbeitete Geschichte sucht die Leserschaft hier vergebens. Die schlichte Handlung dient insbesondere dazu, die Hölle auf Erden zu entfesseln und möglichst drastisches Gemetzel zu inszenieren. Primäre Zielgruppe dürften in diesem Fall daher Splatter-Freund:innen und andere Schlachtenbummler:innen sein, die sich auch mal an der Zurschaustellung hemmungsloser Gewalt und Brutalität sowie blutspritzender Gefechte erfreuen können.

Wie im Vorgänger werden auch hier die Black Label-Freiheiten sprachlich und erzählerisch durch Gewaltspitzen und vulgäre Sprache vollständig ausgereizt. Dabei ist das actionreiche Blutvergießen indessen derart überhöht, übertrieben und abgedreht, dass es oftmals eher zum Schmunzeln und Amüsieren als zum Ekeln oder Gruseln einlädt.

Das Artwork von Tom Fowler steht demjenigen von Leomacs nicht in viel nach und präsentiert sich ebenfalls herrlich pulpig und angenehm „versifft“.

Fazit 

Mit der sagenhaften Wikinger-Axt, allerhand abgetrennten Köpfen sowie zünftiger und bluttriefender Action geht es hier vor allem kurzweilig und überdreht zu.


Joe Hill – Ein Kühlschrank voller Köpfe

Inhalt

Die Fortsetzung zu Joe Hills „Ein Korb voller Köpfe“

Im Juli 1984 kommen Arlene und Calvin auf die Insel Brody Island in Maine. Die angeblichen Touristen sind in Wirklichkeit hinter Artefakten aus der Wikinger-Zeit her, darunter eine mysteriöse Axt! Die Köpfe der mit ihr Enthaupteten leben weiter und als Arlene die Axt in ihren Besitz bringt, füllt sich ihr Kühlschrank nach und nach mit sprechenden Köpfen!

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 27.09.2022
Originalausgaben: Refrigerator Full of Heads 1–6
Seitenzahl: 164
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)