Review

Kleinstadt-Horror

Brody Island, Maine, September 1983: Im Sommer dümpelt das Leben in der Kleinstadt Brody Island für gewöhnlich nur so vor sich hin. Genau das Richtige für einen aufstrebenden jungen Mann wie Liam, der sich hier als Sommer-Aushilfe bei der örtlichen Polizei verdingen kann. Zum Abschluss der Saison kommt seine attraktive Freundin June zu Besuch. Der angehende Polizist und die junge Studentin schmieden bereits Pläne für die Zukunft. An seinem letzten Tag türmen jedoch mehrere verurteilte Straftäter und die Lage auf Brody Island in Maine wird auf einmal ausgesprochen ungemütlich.

Mit einer geradezu archaischen Wikinger-Axt weiß June jedoch schlagkräftig um ihr Leben zu kämpfen – selbst ist die Frau!

Hill House Comics

Gerade erst haben wir das Black Label von DC Comics in der Besprechung zu „Batman – Der Fluch des Weißen Ritters“ über den grünen Klee gelobt, da wartet mit dem Band „Joe Hill – Ein Korb voller Köpfe“ bereits das nächste Comic-Schmankerl.

Joe Hill ist bei Weitem nicht mehr bloß bekannt als der ebenfalls schreibende Sohn des Großmeisters des Horrors, Stephen King, sondern hat sich seine Lorbeeren bereits selbst verdient („Locke & Key“). So kommt es dann auch nicht von ungefähr, dass DC Comics dem erfolgreichen Horror-Autor mit Hill House Comics sein persönliches Imprint innerhalb des Black Labels zur Verfügung stellt. Den Auftakt macht in dieser Hinsicht der hiesige Band, der im Original auf den Titel Basketful of Heads“ hört.

Leseprobe aus „Joe Hill – Ein Korb voller Köpfe“. (Copyright: Panini Comics)

Und was soll man sagen? Das war schon mal ein Auftakt, wie er im Bilderbuch steht. Hill legt einen Horror-Comic vor, der aus jeder Pore den klassischen Kleinstadt-Horror der 1980er-Jahre atmet. In den einschlägigen Vorbildern müssen zwar oftmals junge, leicht bekleidete Frauen das Zeitliche segnen, ebenso häufig sind indessen auch junge Frauen die Heldinnen dieser Filme (man denke nur an Jamie Lee Curtis). So auch hier mit June, die gewaltig die verfluchte Wikinger-Axt schwingt.

Dabei reizt Joe Hill sprachlich und erzählerisch seine Black Label-Freiheiten aus und präsentiert einen Comic, der in seinen Horror-Szenen durchaus die eine oder andere Gewaltspitze zu bieten hat und darüber hinaus mancherorts eine vulgäre Sprache wählt. Das Black Label im Allgemeinen, aber vor allem Hill House Comics im Besonderen sind nichts für jüngere Leser. Die regnerische und düstere Atmosphäre tut ihr Übriges.

Dabei soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass „Basketful of Heads“ seinen Horror und Splatter sehr gekonnt mit einem eigenwilligen und bizarren Humor vermengt. Ein ums andere Mal muss der Leser schmunzeln, wenn die abgetrennten Köpfe der Straftäter das Zwiegespräch mit der Heldin suchen. Das erinnert stark an die unterhaltsamen Streitgespräche zwischen Dwight und Jacky Boys Kopf in Frank Millers „Sin City“.

Das Ganze wird dann abgerundet durch den einen oder anderen eingestreuten Story-Twist sowie das wunderbar pulpige und an alte Horror-Magazine erinnernde Artwork von Zeichner Leomacs.

Fazit

Mit Joe Hill hat das Black Label von DC Comics direkt das nächste heiße Eisen im Feuer und wir können den nächsten Titel aus dessen eigener Horror-Schmiede kaum erwarten.

Inhalt

June und Liam genießen 1983 auf Brody Island in Maine den Sommer. Doch dann türmen mehrere verurteilte Straftäter, und alles ändert sich. June muss sogar mit einer verfluchten Wikinger-Axt um ihr Leben kämpfen, und da werden die Dinge so richtig finster und verrückt! Zudem kommen dunkle Geheimnisse über die Inselbewohner ans Licht.

(Quelle: Panini Comics)

Die Macher

JOE HILL
heißt eigentlich Joseph Hillström King und ist einer der Söhne von Stephen King. Als Joe Hill machte er zunächst mit Prosa-Kurzgeschichten auf sich aufmerksam, seither schrieb er mehrere gefeierte düster-fantastische Romane: Blind, The Fireman, das als TV-Serie verwirklichte Christmasland sowie das verfilmte Teufelszeug. An der Comic-Front ist Locke & Key das Prunkstück in Hills Bibliografie: Die 2008 gestartete Panel-Serie bescherte ihm den Eisner Award und den British Fantasy Award, nachdem ihm seine Kurzgeschichten und Romane bereits den Bram Stoker Award, den World Fantasy Award, den Thriller Writers Award und den International Horror Guild Award einbrachten. 2020 wurde Locke & Key von Netflix als Streaming-Serie adaptiert, während Hill und Zeichner Gabriel Rodriguez ein Sequel und sogar ein Crossover mit Neil Gaimans SANDMAN-Universum inszenierten. Darüber hinaus steht Joe Hills Name auf Comics wie Das Cape, dem Prequel Wraith: Todesfahrt ins Christmasland, Thumbprint, Tales from the Darkside – Geschichten aus der Schattenwelt und selbst einem Spider-Man-Heft. Mit seinem berühmten Vater arbeitete der 1972 geborene Hill an den mittlerweile multimedial präsentierten Geschichten Vollgas alias Road Rage und Im hohen Gras zusammen.

Joe Hill – Homepage | Joe Hill – Twitter

LEOMACS
ist das Pseudonym von Massimiliano Leonardo, der 1972 in Rom geboren wurde. Seit den 1990ern veröffentlicht er Comics in seiner italienischen Heimat, inzwischen jedoch auch bei Verlagen in Frankreich und den Vereinigten Staaten. Während er in Italien bereits Beiträge zu Comic-Klassikern wie Tex und Dylan Dog leistete und einen unabhängigen Verlag mitbegründete, bebilderte er für den US-Markt neben JOE HILL: EIN KORB VOLLER KÖPFE noch einige Kapitel der neuen LUCIFER-Serie aus dem SANDMAN-Universum. Abseits der Comic-Szene ist der Römer als Storyboard-Künstler für die Animationsserie Horrid Henry nach den Kinderbüchern von Francesca Simon und Tony Ross tätig.

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 20.10.2020
Originalausgaben: A Basketful of Heads 1-7
Seitenzahl: 188
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)