Review

Jeff VanderMeer schickte uns in den ersten zwei Teilen der Southern-Reach-Trilogie auf eine schaurig-mysteriöse Erkundungstour durch Area X. Ein Gebiet an der amerikanischen Küste, das durch eine undurchlässige, unsichtbare Wand vom Rest der Welt abgeschnitten ist und dessen größtes Mysterium die ungestörte Natur sowie rätselhafte Vorkommnisse sind. Mit „Akzeptanz“ kommt es nun zum Höhepunkt der Reihe ‑ oder doch nur zur Auflösung ins literarische Nirvana?

„Auslöschung“ und „Autorität“, die ersten zwei Bücher, folgten einem klaren Schema: Ein Protagonist ‑ zunächst die namenlose Biologin in Area X, dann John Rodriguez als neuer Direktor von Southern Reach ‑, dessen Geschichte aus der Egoperspektive dargestellt wird. Zunächst erlangt der Leser daher eher einen gefühlsmäßigen Eindruck von Area X. Nachdem diese unguten Gefühle gesät wurden, zeigt der Folgeband auf, was die Menschen eigentlich darüber wissen: Nichts.

Diesem Nichts, das bedrückender nicht sein könnte, und den Vermutungen aus dunklen Bildern, die sich der Leser schaffen konnte, verleiht VanderMeer nun endlich Konkretheit. Die Herkunft ‑ oder besser: der eigentliche Ort! ‑ des Gebietes werden enthüllt. Diese Erlösung baut sich für den Leser allerdings nur langsam auf. Im Gegensatz zu den Vorgängern wechselt VanderMeer hier nämlich zwischen den Personen und Zeiten. Abwechselnd kommen Ghostbird (eine Version der Biologin), John Rodriguez, die ehemalige Direktorin sowie der Leuchtturmwärter zu Wort.

So erschließt sich, dass der Leuchtturmwärter Saul tatsächlich entscheidend für die Entstehung von Area X war. Zudem war eine pseudowissenschaftliche Gruppierung mit von der Partie, als der Leuchtturm sein dunkles Geheimnis gebar. Weiterhin zeigt sich, welche Rolle die ehemalige Direktorin in der Zeit vor Area X spielte und wie sich diese Erfahrung schließlich im Umgang mit der Anomalie spiegelt.

Zugegeben, für eine Inhaltsangabe sind diese Angaben recht dünn ‑ aber dem Leser, der nach den ersten Büchern auf diese Auflösung brennt, möchte ich an dieser Stelle keinen der Aha-Momente nehmen. Es sei festgehalten: Es bleibt erschreckend, offen und gewissermaßen auch noch mysteriös. Nicht alle Fäden bringt VanderMeer hier zu Ende. Was grundsätzlich zum Gebaren von Area X passt und kein Gefühl der Unvollständigkeit hinterlässt.

Jeff VanderMeer (Copyright: Jeff VanderMeer)

Aber auch wenn die Inhalte so weit befriedigend sind (die größte Neugier stillt der Autor mit seinem Finale), der Weg dahin ist so steinig wie der Trampelpfad nach Area X. Das häufige Wechseln der Perspektive verlangsamt das gemächliche Tempo so sehr, dass einige Stellen reichlich zäh geworden sind. Kommt dann noch dazu, dass sich teilweise am Ende nicht mal ein „Sinn“ hinter den gegebenen Informationen versteckt, fühlt man sich als Leser in einem Labyrinth aus Worten und Andeutungen gefangen.

Nichtsdestotrotz findet mit „Akzeptanz“ eine großartige Reihe ihren retrospektiv ausgerichteten Höhepunkt. Enthüllungen, ohne dem Leser zur Gänze die Fantasie zu nehmen, sowie eine weiterhin beklemmende Sprache, die solch eine Spannung aufbaut, dass die Gänsehaut gar nicht mehr zur Ruhe kommt, zeigen, welches Talent VanderMeer für sein Genre mitbringt. Da ist das zähe Erzähltempo gerade noch verschmerzbar.

An dieser Stelle sei daher die Southern-Reach-Trilogie allen Mystery-Fans hart ans Herz gelegt. Hier werden keine Klischees bedient, gute Spannung erzeugt und vor allem: einfach grandios geschrieben; selbst wenn „Akzeptanz“ im Vergleich etwas schwächer abschneidet.

Handlung

„Akzeptanz“ ist der abschließende Roman der mit dem Hugo, dem Nebula, dem BSFA und dem World Fantasy-Award ausgezeichneten „Southern-Reach“-Trilogie.

Es ist Winter, und eine weitere Expedition übertritt die Grenze zu Area X. Während sie, auf der Suche nach einem verschollenen Mitglied einer früheren Expedition, tiefer ins Unbekannte vordringt und mit neuen Herausforderungen konfrontiert wird, nimmt die Bedrohung der Außenwelt durch Area X immer beängstigendere Ausmaße an. Die Geheimnisse von Area X mögen zwar gelüftet worden sein, doch ihre Konsequenzen sind abgrundtief erschreckend …

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Jeff VanderMeer
wurde 1968 in Pennsylvania geboren und wuchs auf den Fidschi-Inseln auf. Er ist ein vielfach ausgezeichneter Science-Fiction-Autor, unter anderem mit dem renommierten World Fantasy Award, und Herausgeber zahlreicher Anthologien. Jeff VanderMeer lebt in Tallahassee, Florida.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 03.07.2017
Seitenzahl: 336
ISBN: 978-3426518069
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer