Review

Obwohl „Game of Thrones“ weder als Buchreihe noch als TV-Serie mehr Anerkennung bräuchte – schließlich begeistern beide Medien gigantische Fanmassen und befeuern ganze Merchandise-Maschinerien -, will ein furchtloser Fan in der Gestalt des Ritters Jammy Lannister mit seinem Backbuch „Game of Scones – Back dir den Wolf“ dem ganzen Lob noch ein Sahnehäubchen aufsetzen.

Ja, ein Backbuch. Nachdem „Game of Thrones“ mit unzähligen Toten (verbrannt, gehäutet, geköpft, erschossen, erstochen etc. pp.) und vielen, vielen Litern vergossenem Blut aufwartet, wählt der einhändige Pantoffelheld Lannister kein herzhaftes Gulasch, zartes Geschnetzeltes oder geröstete Rouladen, sondern will uns und unsere trauernden Gemüter mit Törtchen, Keksen und allerlei anderen süßen Leckereien gewinnen. Insgesamt 21 Rezepte hat er in diesem kleinen Büchlein versammelt. Dabei ist das Angebot sowohl in den Geschmacksrichtungen als auch den Schwierigkeitsgraden sehr vielfältig.

Mit ausgefallenen Dekoideen ist "Game of Scones" für Gaumen und Augen geeignet. (Copyright: Jammy Lannister / Knesebeck Verlag(

Mit ausgefallenen Dekoideen ist „Game of Scones“ für Gaumen und Augen geeignet. (Copyright: Jammy Lannister / Knesebeck Verlag(

Dabei sind unter anderem verschiedene Muffins und süße Pasteten, einige Keksvariationen, Schokoeier und Cake Pops bis hin zu großartigen Torten. Abwechslungsreich und interessant sind die Kategorien, die sich der Held am Herd hier vorknöpft.

Der Teufel steckt allerdings im Detail: Schon die Zutatenlisten lassen erste Schwierigkeiten erkennen. Beispielsweise Haferkleie, die hat man wohl nicht im Haus, aber die lässt sich, genau wie Erdbeeressenz, sicher noch auftreiben. Ein 100g schweres Schokoei, das hier nicht gegossen, sondern nur verziert wird, wird außerhalb der österlichen Saison allerdings schon schwieriger zu beschaffen sein. Lebensmittelspray oder essbaren Kleber hingegen sind nur im Spezialgeschäft zu recht hohen Preisen erhältlich.

Hat man nun alle Zutaten zusammengetragen, geht es ans eigentliche Backen. Hier erweist sich Backritter Lannister als guter Schreiberling, denn die Anweisungen sind durchweg unterhaltsam geschrieben und mit vielen kleinen Bezügen zu „Game of Thrones“ gespickt. So sehr, dass vielleicht manchmal die Anleitung selbst etwas in den Hintergrund rückt, aber dafür gibt es zu jedem Rezept auch noch viel Bildmaterial, welches das Werkeln in der Küche unterstützt.

Je nach Rezept könnten vor allem Backneulinge aber trotz dieser Unterstützungsmaßnahmen an ihre Grenzen stoßen. Hier hilft es, vorher einen gründlichen Blick auf die Schwierigkeitsskala zu werfen. Ein mehr oder weniger ausgemaltes Siegel spiegelt dabei die Stufen leicht, mittel bis schwierig wider, wobei die Übergänge fließend sind.

Wirklich einfache Rezepte mit fertigem Mürbeteig und tiefgekühlten Beeren liegen dann am einfachen Ende dieser Skala, selbstfritierte Donuts oder auch die mehrstöckige „Rote Hochzeitstorte“ am anderen.

Wenn man allerdings durch diese Sammlung blättert, scheinen sich diese Abstufungen eher zufällig ergeben zu haben, ohne dass ein wirkliches Konzept dahinter steckt. Während vorn der Mürbeteig noch gekauft werden soll, obwohl dieser nur aus drei simplen Zutaten besteht, wird er weiter hinten wieder selbstgemacht. Außerdem fehlt es dem einen oder anderen Rezept an geschmacklicher Raffinesse, die durch Gewürze ganz leicht zugegeben werden könnte. Hier zeigt sich, dass der Hobbybäcker seinen Schwerpunkt weniger auf das Backen, sondern vielmehr auf die Optik legen wollte – und da glänzen alle Ideen wirklich! Wer mit einer solchen kreativen Dekoidee beim nächsten Serienabend auftaucht, wird sicherlich viel Aufmerksamkeit erregen.

"Game of Scones" in der praktischen Anwendung: "Sansas Zitronenküchlein" gebacken vom DeepGround Magazine. (Copyright: Jammy Lannister / Knesebeck Verlag)

„Game of Scones“ in der praktischen Anwendung: „Sansas Zitronenküchlein“ gebacken vom DeepGround Magazine. (Copyright: Jammy Lannister / Knesebeck Verlag)

Das testweise gebackene „Sansas Zitronenküchlein“ hat trotz kleinerer Zuckergussprobleme unterm Strich auf jeden Fall gemundet, auch ohne aufgesprühte Wappentiere.
Damit ist die Feuertaufe schon bestanden.

Wer also ein bisschen Backerfahrung – oder zumindest genügend Eifer – mitbringt und mehr Wert auf Optik als auf Raffinesse legt, findet in diesem kleinen Büchlein einen ansehnlichen Ideenfundus!

Inhalt

Ein Lied von Feuer, Eis und Marmelade

Game of Thrones ist eine der erfolgreichsten TV-Serien der letzten Jahre, die auf der Fantasy-Saga Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin basiert. Pünktlich zum Start der neuen Staffel erscheint dieses witzige Backbuch, in dem die Elemente und Figuren der Serie auf herrlich skurrile Weise aufgenommen werden: Der Kampf um den Eisernen Scone hat begonnen, und fürchterliches Chaos regiert in den Sieben Königreichen. Der Appetit wächst, und Könige, Königinnen, Ritter, Lügner und aufrechte Männer ziehen in den Kampf und spielen das Game of Scones. Jammy Lannister, ermächtigt durch das Recht von Geburt, Blut und Teig, hat Anspruch erhoben auf den Eisernen Scone von Westeros: In seiner wüsten Küchenschlacht trifft er auf Furcht einflößende Backwaren wie Daenerys’ Drachen-Eier und unbefleckte Soldaten (nussfrei), Brienne von Tarte, Jaime und Cerceis Familien-Sauerei oder Tyrions Shortbread. Schon hungrig? Gut – denn Dinner is comming …

(Quelle: Knesebeck Verlag)

Autor

Jammy Lannister
ist Ritter von Westeros, ein langjähriges Mitglied der Königsgarde und einer der besten Bäcker in den Sieben Königreichen. Trotz des Verlustes seiner rechten Hand durch einen tragischen Unfall, bei dem auch ein Zuckernetz involviert war, ist es ihm gelungen, einer der großartigsten Eierquirler diesseits der Meerenge zu werden. Gegenwärtig lebt er mit seiner Schwester in Königsmund (sie sind nur gute Freunde …).

(Quelle: Knesebeck Verlag)

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Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 17.02.2016
Seitenzahl: 128
ISBN: 978-3868739251
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knesebeck Verlag

Copyright Cover & Artikelbilder: Jammy Lannister / Knesebeck Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer