Review

Mit der Lizenz zur guten Unterhaltung

Mit den „James Bond“-Comics von Dynamite Entertainment hat der Bielefelder Splitter Verlag nach wie vor ein brandheißes Eisen im Feuer.

Bisher waren die neuen Comic-Abenteuer rund um den Agenten ihrer britischen Majestät mit der Lizenz zum Töten allesamt äußerst unterhaltsam. Mein persönliches Highlight war lange Zeit die dritte Auskopplung mit „James Bond 007: Hammerhead (Band 3)“ von Autor Andy Diggle („Green Arrow: Das erste Jahr“) und dem herausragenden Zeichner Luca Casalanguida – jedenfalls bis sich dieses Kreativteam selbst übertroffen hat. James Bond 007: Kill Chain (Band 6)“ bietet die mittlerweile schon gewohnte knallharte Agenten-Action, hält dabei aber auch allerhand brisante, aktuelle politische Themen bereit. So verhandelt Diggle beinahe beiläufig die aktuelle politische Kultur und durchsetzt seine Geschichte mit der offenbaren Rückkehr der USA zum Isolationismus, insbesondere dem drohenden Ausstieg der USA aus dem Nato-Bündnis sowie dem global wieder erstarkenden Nationalismus. Dies gewachsene Misstrauen zwischen Bündnispartnern wird veranschaulicht am Beispiel der Geheimdienste.

Eine schwere Nachfolge also, die „James Bond 007: Spezialakten (Band 7)“ antritt. Dabei sei der Hinweis erlaubt, dass auch dieses Buch sich gleich zu Beginn dem angespannten Verhältnis der USA zu Großbritannien widmet und dabei die Überheblichkeit der USA schonungslos offenlegt. Trumps Amerika hinterlässt offensichtlich Spuren – so auch in der Kunst.

Inhalt

Der siebte 007-Comic lässt sich durchaus als Spezialband charakterisieren, denn es ist der erste der Reihe, der keine zusammenhängende Geschichte, sondern vier Mini-Storys beinhaltet. Diese hören auf die Titel „Service“, „Solstice“, „Moneypenny“ und „M“ und stellen die – vermeintlichen – Nebenfiguren in den Fokus.

Insbesondere in ihren namensgleichen Kurzgeschichten spielen sich M und Moneypenny gewaltig in den Vordergrund. Beide Storys zeigen den einen oder anderen Schwank aus der jeweiligen Vergangenheit der Charaktere, wobei es M dann in der Gegenwart mit einem fiesen Extremisten zu tun bekommt, und Moneypennys Vita zeigt, dass sie alles andere als eine „einfache Sekretärin“ ist.

Um nicht zu viel zu verraten: Im Übrigen wählt Bond wieder die Gangart à la Daniel Craig, kämpft mit harten Bandagen und verprügelt die bösen Jungs.

Bewertung

Nach dem fast überschwänglichen Lob für den Vorgänger dürfte schon klar sein, dass der hiesige Kurzgeschichten-Band dieses Niveau nicht erreicht hat.

Leseprobe aus „James Bond 007: Spezialakten (Band 7)“ (Copyright: Splitter Verlag)

Naturgemäß hat eine komplexe und ausdifferenzierte Geschichte gegenüber vier Mini-Storys den Vorteil des anhaltenden Spannungsaufbaus.
Und auch das Artwork von Casalanguida sucht freilich seinesgleichen.

Dessen ungeachtet bietet dieser Spezialband ein Künstler-Ensemble, bestehend aus den Autoren Kieron Gillen, Jody Houser, Ibrahim Moustafa und Declan Shalvey sowie den Zeichnern Antonio Fuso, Jacob Edgar, P. J. Holden und Dearbhla Kelly, das ganz verschiedene Stile und Herangehensweisen liefert.
Da dürfte für jeden Comic-Verrückten etwas dabei sein, auch wenn mir der Strich von Antonio Fuso gleich zu Beginn weniger gut gefallen hat. Besonderen Applaus verdienen meines Erachtens hingegen die Bilder von Ibrahim Moustafa, der die Geschichte „Solstice“ auch selbst geschrieben hat.

Fazit

„Spezialakten“ ist sicherlich kein „Kill Chain“, bietet aber runde und kurzweilige Unterhaltung und wird es schaffen, alle Leser abzuholen, die die Bond-Reihe auch bisher schon gerne gelesen haben.

Inhalt

Dieser Spezialband versammelt die vier Mini-Stories »Service«, »Solstice«, »Moneypenny« und »M«, in denen junge Autoren- und Zeichnertalente ihr Können unter Beweis stellen und ewige Nebenfiguren der Bond-Saga ins Rampenlicht treten.

(Quelle: Splitter Verlag)

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Veröffentlichung: 11.12.2018
Seitenzahl: 144
ISBN: 978-3-96219-270-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)