Review

Er gilt für viele als heimlicher Meister des Horrors, der sich immer wieder selbst erfindet: Jack Ketchum!
Und er hat es wieder getan. In „Lebendig“ widmet er sich ganz dem Trendthema „Erotische Literatur mit BDSM-Touch“, allerdings auf seine ganz eigene, blutige Art.

Was wäre, wenn zwei Verrückte sich ein Kind wünschen, aber keines bekommen können? Was wäre, wenn diese Irren daher einfach eine schwangere Frau aus einer Abtreibungsklinik entführen würden, um sie zu zwingen, das Kind auszutragen und es ihnen zu „überlassen“? Was wäre, wenn einer der beiden ein grausamer Sadist wäre?
Diese Fragen wird sich Jack Ketchum sicherlich gestellt haben, bevor er sich an die Arbeit machte und „Lebendig“ schrieb.

Das Buch nimmt den Leser beinahe sofort gefangen und lässt ihn so schnell nicht mehr los. Zum Glück ist „Lebendig“ einerseits nicht allzu umfangreich, weshalb „Lebendig“ recht schnell durchgelesen ist. Andererseits ist dies gleichzeitig aber auch der einzige Kritikpunkt an dem Werk, denn Ketchum hätte ruhig ein wenig ausführlicher werden können.

Zu Beginn beschreibt er die Geschehnisse noch extrem detailliert und gibt insbesondere den BDSM- und Folterszenen viel Raum. Ab ungefähr der Mitte des Buches gibt er jedoch Gas und schreibt als hätte er die Schnellvorlauftaste gedrückt. Zwar gewöhnt man sich binnen kürzester Zeit an diese Temposteigerung, ein wenig mehr Details hätte man aber stellenweise schon gerne erfahren. Insbesondere der Showdown kommt sehr abrupt.

Jack Ketchum (Copyright: Claudio Sforza)

Jack Ketchum (Copyright: Claudio Sforza)

Trotz dieses Mankos ist „Lebendig“ jedoch ein sehr guter Horrorroman, der anschaulich zeigt, dass man es mit dem BDSM auch übertreiben kann. Vor allem dann, wenn der devote Part mit den Praktiken ganz und gar nicht einverstanden ist und der dominante zusätzlich weit über die Stränge schlägt.
„Lebendig“ ist daher ziemlich drastisch und geht dem Leser wahrlich unter die Haut. Dieses Gefühl entsteht nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Ketchum – wie in nahezu allen seinen Büchern – kaum übertreibt und seine Geschichten daher sehr wirklichkeitsnah wirken. So oder ähnlich könnte es sich tatsächlich abspielen – wir hoffen allerdings alle, das dies nicht passiert.

Aufgrund dieses Stils ist man beim Lesen von „Lebendig“ ziemlich oft schockiert und malt sich fast automatisch aus, wie man sich selbst in dieser Situation fühlen würde. So schafft es Jack Ketchum gekonnt, permanenten Horror und Spannung zu erzeugen und gleichzeitig kaum Blut fließen zu lassen. Auch Leichen gibt es in diesem Buch nicht viele. Genau das macht „Lebendig“ so gut!

Als Bonusmaterial finden sich noch zwei Kurzgeschichten aus der Feder von Jack Ketchum in diesem Buch, die es ebenfalls in sich haben.

Klappentext

Ihr erster Gedanke war, dass man sie lebendig begraben hatte. Dass sie sich in einem Sarg befand. Unter ihrem Rücken spürte sie Holz, und dicke Bretter auch zu ihrer Linken und zu ihrer Rechten, so nah, dass sie gerade noch den Arm heben konnte, um zu erfühlen, dass auch über ihr Holz war. Nie zuvor hatte sie Angst vor engen Räumen gehabt. Doch dieser Raum machte ihr große Angst.

(Copyright: Heyne Verlag)

Autor

Jack Ketchum ist das Pseudonym des ehemaligen Schauspielers, Lehrers, Literaturagenten und Holzverkäufers Dallas Mayr. Seine Horrorromane zählen in den USA unter Kennern neben den Werken von Stephen King oder Clive Barker zu den absoluten Meisterwerken des Genres und wurden mehrfach ausgezeichnet.

(Copyright: Heyne Verlag)

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Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 12.05.2014
Seitenzahl: 224
ISBN: 978-3-453-67658-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Heyne Verlag

Copyright Cover: Heyne Verlag



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.